Nachgefragt bei Lisa Polk und Christian Schinnerl, hemdless

"hemdless soll nicht nur für Behindertenmode stehen, sondern unsere ganze Gesellschaft involvieren"

Ohne Hemd. So kann man den Projektnamen hemdless übersetzen. Er ist eine Anspielung darauf, dass Menschen mit Trisomie 21 in der Regel nur schwer passende Oberbekleidung finden. Die Jungdesigner Lisa Polk und Christian Schinnerl wollten es dabei aber nicht belassen. REHACARE.de sprach mit den beiden über den Nutzen von schrägen Knopflöchern und das "6. Hemd".

15.01.2015

Foto: Lisa Polk und Christian Schinnerl; Copyright: Phil Pham

Lisa Polk und Christian Schinnerl; © Phil Pham

Mit Ihrem Projekt hemdless entwickelten Sie spezielle Hemden, die auf die körperlichen Gegebenheiten von Menschen mit Trisomie 21 angepasst sind. Was macht diese Hemden aus?

Lisa Polk und Christian Schinnerl: Schnitttechnisch wurden drei besondere Merkmale hervorgehoben. Zum einen hat der Steg des Kragens einen breiteren Umfang, zum anderen sind die Ärmel verkürzt sowie die Gesamtlänge des Hemdes/der Bluse. Auch feinmotorische Aspekte wurden bei der Konstruktion des Hemdes/der Bluse berücksichtigt. So sind die Knöpfe von doppelter Größe, sodass dem Träger/der Trägerin ein einfacheres Einfädeln in das Knopfloch ermöglicht wird. Ebenfalls sind die Knopflöcher schräg eingenäht, was das selbstständige Ankleiden erleichtert.

Nach den fünf Einzelstücken sind Sie noch einen Schritt weiter gegangen. Was hat es mit dem sogenannten "6. Hemd" auf sich?

Polk, Schinnerl: hemdless soll nicht nur ausschließlich für Behindertenmode stehen, sondern unsere ganze Gesellschaft involvieren. Es soll kein modischer Unterschied zwischen Menschen mit und ohne Trisomie 21 gemacht werden. Schnitttechnisch war dies wieder einmal eine Herausforderung, dennoch konnte hemdless durch die angesammelten Erfahrungspunkte des Projektes anknüpfen und somit ein stimmiges Hemd/eine stimmige Bluse herstellen. Bei dem Oberteil handelt es sich um ein Konfektionsmaß.

Wieso liegt Ihnen dieses Projekt so am Herzen?

Polk, Schinnerl: Mittlerweile beschäftigt sich hemdless über drei Jahre lang mit dem Thema Mode für Menschen mit Behinderung. Durch die positive Resonanz des Projektes scheint es einen Bedarf an Mode für Menschen mit Behinderung zu geben, den hemdless decken möchte. Dies veranlasste uns das Projekt auszubauen. Wir schätzen die Arbeit mit all den am Projekt beteiligten Personen sehr und haben dadurch viel Erfahrung gesammelt, die wir gebündelt in Form von Mode nach außen tragen wollen.
Foto: Lisa Polk und junger Mann mit Trisomie 21
Foto: Lisa Polk und Christian Schinnerl beim Zuschneiden; Copyright: Clemens Krüger
Foto: Lisa Polk an der Nähmaschine; Copyright: Clemens Krüger
Foto: Fotoshooting der Kollektion; Copyright: Clemens Krüger
Foto: Junge Frau mit Trisomie 21 beim Fotoshooting; Copyright: Clemens Krüger
Foto: Junger Mann mit Trisomie 21 und junge Frau; Copyright: Phil Pham
Was bedeutet für Sie Inklusion?

Polk, Schinnerl: In der heutigen Gesellschaft liegt der Fokus immer mehr auf der Eingliederung behinderter Menschen in den normalen Alltag. Zugehörigkeit statt Ausgrenzung und das in sämtlichen Bereichen wie Bildung, Politik und ebenso auch in der Bekleidungsindustrie. Inklusion bedeutet auch Anerkennung und Wertschätzung von Menschen mit Behinderung. So soll es allen Menschen, egal welchen Alters, Herkunft, Ethik oder Grad der Behinderung, möglich sein, eigenständig zu entscheiden und zu agieren. hemdless erfüllt Menschen mit Trisomie 21 den Bedarf an passender Kleidung.
Mehr über hemdless unter: www.hemdless.de
Foto: Nadine Lormis; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann


Nadine Lormis
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