AltersTraumaRegister DGU® geht an den Start

Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) startet das AltersTraumaRegister DGU® (ATR-DGU) nach erfolgreicher Pilotphase für den Regelbetrieb. Das Register erfasst Daten aus der Versorgung geriatrischer Patienten nach einer hüftgelenksnahen Oberschenkelfraktur wie beispielsweise einem Oberschenkelhalsbruch. Die Teilnahme am ATR-DGU ist für AltersTraumaZentren der DGU verpflichtend.

25.01.2016

 
Foto: Arzt kniet neben älterer Frau im Rollstuhl

Der Kriterienkatalog "AltersTraumaZentrum DGU®" will sicherstellen, dass ältere Menschen nach einem Unfall sowohl durch Unfallchirurgen als auch von Altersmedizinern betreut werden; © panthermedia.net/Phovoi R.

"Altersbrüche nehmen stark zu. Mit den AltersTraumaZentren wollen wir eine optimale unfallchirurgische Versorgung älterer Menschen ermöglichen. Mithilfe des AltersTraumaRegisters können wir die Behandlungsergebnisse messen und verbessern", sagt DGU-Generalsekretär Prof. Reinhard Hoffmann.

Das AltersTraumaRegister DGU® sammelt qualitätsrelevante Daten aus der Versorgung. Der Erfassung liegt ein international abgestimmter Datensatz zugrunde. Er wurde von Experten der DGU in Zusammenarbeit mit dem "Fragility Fracture Network" (FFN) entwickelt und greift Erfahrungen mit der britischen "National Hip Fracture Database" und dem "Australian and New Zealand Hip Fracture Registry" auf. Damit nutzen die deutschen Unfallchirurgen einen vergleichbaren Datensatz wie die Mediziner aus England oder Australien. Erstmalig wird so der Vergleich mit internationalen Behandlungsergebnissen im Sinne eines Benchmarks möglich.

Die aus dem Register gewonnenen Daten werden zudem für Qualitätsberichte verwendet und geben Antworten auf wissenschaftliche Fragestellungen zur Fehlervermeidung, Erhöhung der Patientensicherheit und Verbesserung des Behandlungsergebnisses.

In Deutschland gibt es jährlich 720.000 Knochenbrüche bei Menschen mit altersbedingter Knochenbrüchigkeit, der sogenannten Osteoporose. Pro Jahr erleiden über 140.000 Patienten über 65 Jahren einen Oberschenkelbruch – er gehört damit zu den zehn häufigsten Diagnosen in deutschen Krankenhäusern.

"Bei über 85-jährigen Frauen ist der Schenkelhalsbruch inzwischen sogar der häufigste Grund für eine Klinikeinweisung", sagt Prof. Ulrich Liener, Leiter der AG Alterstraumatologie der DGU. Oftmals mit schwerwiegenden Folgen: "Im ersten Jahr nach einem Oberschenkelbruch im Alter liegt die Sterblichkeit bei rund 25 Prozent. Viele Patienten verlieren ihre Fähigkeit, selbstständig zu leben", so Liener.

Bedingt durch den demografischen Wandel rechnen die Unfallchirurgen bis 2030 mit einer Verdopplung bis Verdreifachung von altersbedingten Knochenbrüchen in der Akutversorgung. Das ist nicht nur mit enormen Kosten für das Gesundheitswesen verbunden, sondern stellt auch für die Gestürzten und die Mediziner eine große Herausforderung dar. Denn die meisten der Hochbetagten sind schwer krank, haben zahlreiche altersspezifische Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Herzschwäche mit entsprechender Medikation. Dazu kommen Diagnosen wie Depression, Delir oder Demenz.

"Ein Knochenbruch gefährdet den oftmals ohnehin schon sehr gebrechlichen Allgemeinzustand. Die Patienten müssen dann nicht nur unfallchirurgisch, sondern gleichzeitig geriatrisch versorgt werden", sagt Liener.

Um ältere Menschen nach einem Unfall optimal zu behandeln, hat die DGU Richtlinien erarbeitet und 2014 im Kriterienkatalog „AltersTraumaZentrum DGU®“ veröffentlicht. Im Zentrum steht ein multiprofessioneller Ansatz: Er stellt sicher, dass der Verletzte durch Unfallchirurgen und gleichzeitig auch von Geriatern (Altersmediziner) betreut wird. Damit ist es möglich, die Patienten besser zu versorgen und Probleme im Heilungsverlauf zu vermeiden, so dass sie ihre Mobilität möglichst zügig und dauerhaft wiedererlangen können. Denn gerade bei geriatrischen Patienten ist die Mobilität ausschlaggebend für ihre Selbstständigkeit und damit auch für ihre Lebensqualität. Ziel der Unfallchirurgen ist es, die schlechte Prognose nach einem Sturz im hohen Alter zu verbessern.

Unfallkliniken, die die im Kriterienkatalog beschriebenen strukturellen und inhaltlichen Anforderungen erfüllen, können sich als AltersTraumaZentrum DGU® zertifizieren lassen. Inzwischen gibt es bundesweit 30 zertifizierte AltersTraumaZentren der DGU, bei denen die Frakturversorgung unter Berücksichtigung abgestimmter altersspezifischer Behandlungsprozesse verläuft. Über 130 Unfallkliniken haben die Zertifizierung bereits beantragt.

REHACARE.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V.

Mehr über die DGU unter: www.dgu-online.de