Angewandte Pflegewissenschaften berufsbegleitend studieren

01.07.2015
Foto: Britta Steinborn mit Altenpflegeschülerinnen

Britta Steinborn (Mitte) kann durch Praxiserfahrungen und Studium ihren Altenpflegeschülerinnen viel Wissen vermitteln; © privat

Britta Steinborn ist heute stellvertretende Schulleiterin einer Altenpflegeschule. Aber erst nach jahrelanger Berufstätigkeit hat sie im Alter von "40 plus" ihr Studium begonnen und sich eingeschrieben im berufsbegleitenden Studiengang "Angewandte Pflegewissenschaften" der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg.

Sechs Semester (drei Jahre) später ist sie mit dem Studium an der Fakultät Gesundheitswesen fertig. Für ihren erfolgreichen Hochschulabschluss hat die Ostfalia ihr – ebenso wie 27 weiteren Absolventen – den akademischen Grad Bachelor of Science (B.Sc.) verliehen. Heute sind sie der erste Jahrgang des berufsbegleitenden Studiengangs Angewandte Pflegewissenschaften, der 2011 an der Ostfalia startete und im aktuellen Hochschulranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) aufgrund seines hohen Praxisbezuges deutschlandweit in der Spitzengruppe landete.

Eigentlich wollte Britta Steinborn nie studieren. Das Interesse kam im Alter von 44 Jahren, doch es plagten sie persönliche Ängste: "Ich hatte kein Abi, sondern den Realschulabschluss, so dass ich unter anderem befürchtete, den Leistungsansprüchen nicht gewachsen zu sein." So ließ sie sich 1985 zur Altenpflegerin ausbilden und arbeitete bis 1993 erfolgreich in diesem Beruf. Danach absolvierte sie zwei Jahre in Vollzeit eine Weiterbildung zur Unterrichtskraft, wurde stellvertretende Schulleiterin in der Altenpflegeschule der GGBH Hildesheim und übt diese Tätigkeit seit 2003 in der Altenpflegeschule des Diakonischen Werkes Wolfsburg e.V. aus.

"Das Thema Studium ließ mich aber nicht los – und so setzte ich mich als Gasthörerin in die Psychologieseminare für Gerontologie der Ostfalia. Danach war ich mir sicher: Das kann ich schaffen – und ich habe es geschafft! Jedoch hätte ich rückblickend nie für möglich gehalten, dass ich tatsächlich ohne Abitur im Rahmen des Programms 'Offene Hochschule Niedersachsen' studieren kann, geschweige denn, dass ich mein Studium mit der Gesamtnote 1,3 abschließe", freut sich Britta Steinborn auch noch Monate nach ihrem Hochschulabschluss.

Dankbar ist sie vor allem ihrem Arbeitgeber, der sie an Studientagen freigestellt hat, und dem Kollegium, sowie ihrem privaten Umfeld. "Ich wurde überall motiviert und unterstützt, so dass ich entspannt in die Vorlesungen gehen und in der studentischen Arbeitsgruppe oder zu Hause lernen und arbeiten konnte. Natürlich musste ich meinen Einsatz im Haushalt und die Gartenarbeit während des Studiums erheblich zurückfahren und private Termine weitgehend einschränken. Auch habe ich so manches Wochenende im Job gearbeitet, weil es unrealistisch ist, zu glauben, dass andere deine Tätigkeit zu 100 Prozent abdecken können. Trotzdem klappte alles bestens", betont die Wolfsburgerin, die nach dem Studium wieder mit einer dreiviertel Stelle in ihre berufliche Tätigkeit eingestiegen ist. "Jedoch um einiges qualifizierter und mit wesentlich mehr Selbstbewusstsein. Ich kann vieles aus dem Studium in meinem Unterricht anwenden und diesen gezielter vorbereiten. Heute sehe ich die Pflegewissenschaften mit anderen Augen, denn ich weiß um die Wichtigkeit der akademischen Ausbildung in der Pflege. Meine Auszubildenden motiviere ich deshalb, sich nach ihrem Abschluss weiterzubilden und bei Interesse zu studieren."

REHACARE.de; Quelle: Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften

Mehr über die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften unter: www.ostfalia.de