Antimobbing-Training für Beschäftigte mit Lernschwierigkeiten

23/08/2013
Foto: Ein Kollege mobbt den anderen

Let me be ME!” bereitet Menschen mit Lernschwierigkeiten auf den Umgang mit Mobbing am Arbeitsplatz vor; © M. Bertram/panthermedia.net

Das Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz Landau hat in Zusammenarbeit mit mehreren europäischen Partnern ein Trainingsprogramm entwickelt, das Menschen mit Lernschwierigkeiten auf den Umgang mit Mobbing am Arbeitsplatz vorbereitet. Das Projekt mit dem Titel „Let me be ME!” wurde von der EU gefördert.

In einer Pilotstudie wurde dieses Training erstmals mit Arbeitnehmern aus unterstützten Beschäftigungsverhältnissen und aus Werkstätten für Menschen mit Behinderungen in Deutschland, Großbritannien, Irland, Spanien und Portugal umgesetzt. Der Praxistest wurde von den Teilnehmenden und einer internationalen Expertengruppe bewertet. Das Ergebnis ist positiv ausgefallen.

Das Training besteht aus vier Modulen, die vermitteln, was Arbeitsplatz-Mobbing und Cybermobbing ist, wie derartigen Vorfällen vorgebeugt und was im konkreten Mobbingfall unternommen werden kann. Da sich in einer vorangehenden Studie gezeigt hatte, dass auch Beschäftigte mit Lernschwierigkeiten unter den Mobbing-Tätern sind, beschäftigt sich ein Modul damit, wie man vermeiden kann, selbst zum Mobbing-Täter zu werden. Die Inhalte werden mit Hilfe von zahlreichen praktischen Übungen vermittelt, die an die Bedürfnisse von Menschen mit geistiger Behinderung angepasst sind.

58 Personen mit Lernschwierigkeiten nahmen an der Pilotstudie teil, davon 16 aus Deutschland, je 11 aus Portugal und Nordirland und je 10 aus Irland und Spanien. Jede Gruppe erprobte eines der vier Module. Insgesamt war der Eindruck der Teilnehmenden zum Trainingsprogramm ausgesprochen positiv. 55 Prozent bis 91 Prozent, die Werte differieren zwischen den einzelnen Gruppen, nahmen sehr gerne am Training teil. Fast alle Teilnehmenden lobten besonders die praktischen Übungen. Darüber hinaus kamen die verwendeten Videos und Rollenspiele sehr gut an. Die Kurslänge wurde überwiegend als angemessen beurteilt (62 Prozent bis 91 Prozent). Die Anzahl der praktischen Übungen wurde von den meisten Teilnehmenden als ausreichend bezeichnet (64 Prozent bis 100 Prozent). Mit Ausnahme eines Beschäftigten würden alle gerne an ähnlichen Trainings wieder teilnehmen. Fast alle Teilnehmenden gaben an, sich nach dem Training informierter zu fühlen (85 Prozent bis 100 Prozent).

Die Expertengruppe, die das Trainingsprogramm bewertete, setzte sich aus 23 Personen verschiedener Professionen zusammen, darunter Arbeitgeber, Trainer, Spezialisten für berufliche Aus- und Weiterbildung sowie Angehörige von Menschen mit Lernschwierigkeiten. Im Allgemeinen wurde der Kurs als „sehr gut“ oder als „gut“ bewertet. Es wurde betont, dass die Inhalte des Kurses sehr wichtig für die Zielgruppe wären. 59 Prozent stuften das entwickelte Material als sehr nützlich ein, 61 Prozent gaben an, dass das Kursformat für Menschen mit Lernschwierigkeiten gut geeignet wäre. Es wurde jedoch auch angemerkt, dass einige Kursinhalte schwer verständlich wären. Viele Experten nutzten die Möglichkeit, Veränderungsvorschläge zu machen, die nun ebenso wie die Erfahrungen der Teilnehmenden und der Trainer in die Endfassung der Trainingsmaterialien einfließen.

Das zepf und seine Projektpartner entwickelten auch ein Handbuch für Trainer, das die Durchführung des Programms genau beschreibt. Da sich in der vorangehenden Studie gezeigt hatte, dass vor allem Arbeitgeber auf dem freien Arbeitsmarkt unsicher im Umgang mit Angestellten mit Lernschwierigkeiten sind, stellt das Projekt „Let me be ME!“ auch Hintergrundinformationen zu den Themen „Menschen mit Lernschwierigkeiten“ und „Trainings mit Menschen mit Lernschwierigkeiten“ zur Verfügung.

Die fertige Materialiensammlung wird Ende September 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt und danach auf der Projekthomepage auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch zum Download zur Verfügung stehen.

REHACARE.de; Quelle: Universität Koblenz-Landau

Mehr über die Universität Koblenz-Landau unter: www.uni-koblenz-landau.de
Mehr über das Projekt gibt es unter: www.letmebeme.eu/de