App soll Senioren das Leben auf dem Land erleichtern

Wie können Senioren länger auf dem Land wohnen bleiben – auch wenn die Mobilität und Versorgung dort immer schlechter werden? Das Lehrgebiet Kooperative Systeme der FernUniversität in Hagen erforscht im Projekt "Mein Dorf 55 plus – trotz Alter bleibe ich", wie Technologie dazu beitragen kann. Mit Hilfe einer App für Tablets soll die soziale Vernetzung von älteren Menschen und die gegenseitige Fürsorge in dörflichen Regionen verbessert werden.

15.04.2016

 
Foto: Älterer Mann bedient ein Smartphone; Copyright: panthermedia.net/georgejmclittle

Die App soll die Vernetzung unter den älteren Menschen auf dem Land verbessern und so ermöglichen, dass sie dort länger wohnen bleiben können; © panthermedia.net/georgejmclittle

Gestartet ist das auf zwei Jahre angelegte Projekt jetzt im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz. Dort leben im Dekanat Nassauer Land der Evangelischen Kirche 54.000 Menschen in 60 Dörfern, die vom demografischen Wandel stark betroffen sind. "Die Eltern-Generation lebt oft ohne ihre Kinder vor Ort. In vielen Dörfern gibt es keinen Einzelhandel und keine Gaststätte mehr", schildert Projektleiter Dr. Till Schümmer die Situation. Der Informatiker ist Akademischer Rat im Lehrgebiet Kooperative Systeme und verfolgt eine Vision: "Wir wollen mit neuen Medien neue Formen der Unterstützung schaffen."

Unterstützung, von der zukünftig auch Senioren in anderen ländlichen Gebieten profitieren könnten – denn Erfahrungen und Ergebnisse sollen übertragbar sein. Ein weiterer Vorteil, den die App der FernUni im Gegensatz zu vielen bestehenden sozialen Netzen mitbringt: Sie bietet einen geschützten Raum, in dem ältere Menschen vertrauensvoll und offen miteinander kommunizieren können.

In der Praxis sollen Menschen im Ruhestand mit Unterstützung der App gemeinsam Aktivitäten initiieren. Zum Beispiel könnte ein pensionierter Lehrer einen Ausflug ins Kunstmuseum in die nächste, größere Stadt organisieren – vom Programm bis zur Fahrgemeinschaft. Darüber hinaus geht es um konkrete Hilfe im Alltag. Wenn etwa eine 80-jährige, alleinstehende Seniorin einen Kuchen backen möchte, aber keine Eier mehr im Haus hat, soll die App unkompliziert helfen. Die Rentnerin fragt ab, wer zum Einkaufen in den nächsten Supermarkt fährt und bekommt fehlende Lebensmittel mitgebracht. Das sind einige der Möglichkeiten für soziales Miteinander und wechselseitige Unterstützung im ländlichen Raum, die nicht nur den älteren Menschen zugutekommen.

"Unsere Forschung ist gesellschaftlich relevant und nah dran an den Menschen", stellt Prof. Haake heraus. Angewendet wird die App im Kooperationsprojekt "Mein Dorf 55plus" unter dem Dach der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Koordinator für den Einsatz ist die an Rhein und Lahn aktive Initiative 55 plus-minus, die Aktivitäten und Projekte für Menschen in der zweiten Lebenshälfte initiiert. "Viele alt gewordene Menschen sitzen tatsächlich in den Dörfern, warten auf den Besuch ihrer Kinder und hoffen auf gute Kontakte zur Nachbarschaft", sagt deren Sprecher Dieter Zorbach. "Wir sollten unser Lebensglück selbstgestaltend in die Hand nehmen, die neuen Medien helfen uns dabei."

Für das von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau unterstützte Kooperationsprojekt wird die FernUniversität innovative Lösungen beisteuern und die Wirkung des Einsatzes der Technologie evaluieren. Die für den Einsatz in der Fläche nötige Produktreife wird die App durch die PATONGO UG erhalten, einer Ausgründung aus einem vorherigen Forschungsprojekt des Lehrgebiets Kooperative Systeme. In den Jahren 2009 bis 2012 wurde an der FernUni die Basistechnologie PATONGO (Patterns and Tools for Non Governmental Organizations) entwickelt und seitdem in unterschiedlichen Organisationen eingesetzt, etwa unter dem Namen „geistreich.de“ als kirchliches Kommunikationsportal der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Für das Projekt "Mein Dorf 55 plus" hat eine Gruppe von Informatik-Studierenden bereits einen Prototyp für eine Vernetzungslösung entwickelt. Außerdem arbeiten zwei weitere Studierende am Lehrgebiet im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten an Fragestellungen der Sicherheit und Usability. "Soziales Engagement, Forschung und Lehre gehen hier Hand in Hand", sagt Schümmer.

REHACARE.de; Quelle: FernUniversität in Hagen
Mehr über die FernUniversität in Hagen unter: www.fernuni-hagen.de