Assistenzroboter ermöglicht Berufstätigkeit

Foto: Assistenzroboter und Lena Kredel am Arbeitsplatz 

Ist eine Rückkehr in den Beruf für querschnittsgelähmte Menschen denkbar? Der Assistenzroboter FRIEND aus Bremen macht es möglich: Mit seiner Hilfe können beeinträchtigte Menschen, die zum Beispiel aufgrund eines Unfalls oder einer Erkrankung gelähmt sind, ins Berufleben zurückkehren.

FRIEND (Functional Robot arm with userfrIENdly interface for Disabled people) kann aber auch bestimmte Tätigkeiten im Alltag übernehmen – zum Beispiel kann er Getränke einschänken oder eine Mahlzeit zubereiten. Wissenschaftler vom Institut für Automatisierungstechnik am Fachbereich Physik/Elektrotechnik der Universität Bremen präsentieren ihn auf der „REHACARE International 2012“ vom 10. bis 13. Oktober 2012 in Düsseldorf.

Im aktuellen Modellprojekt „ReIntegraRob“ arbeitet eine tetraplegische – also an Armen und Beinen gelähmte – Frau mit FRIEND in der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen zusammen. Lena Kredel wurde extra für das Modellprojekt eingestellt. Mit Hilfe des Roboters führt sie die so genannte retrospektive Katalogisierung von Büchern durch. So nennt man die Umstellung konventioneller (Karten-) Kataloge auf das maschinenlesbare Format der Online-Kataloge.

FRIEND arbeitet Lena Kredel dabei zu: Er greift sich Bücher von einem Bücherwagen und legt sie auf einer geeigneten Halterung ab. Nach der Katalogisierung schließt er die Bücher und legt sie wieder weg. Die eigentliche Katalogisierung und die Eingabe der Literaturdaten führt die Mitarbeiterin mit Hilfe einer Sprachsoftware durch. Dieses Projekt wird vom Versorgungsamt Bremen mit über 400.000 Euro finanziert.

Bisher schien eine berufliche Wiedereingliederung für Menschen mit hoher Querschnittslähmung oder anderen schweren Behinderungen wegen des hohen Betreuungsaufwandes nahezu unmöglich. „Im Projekt ‚ReIntegraRob’ wollen wir nun das Gegenteil beweisen“, bekräftigt Axel Gräser, Leiter des Instituts für Automatisierungstechnik.

„Im Idealfall kann der Nutzer von FRIEND nach einer anfänglichen Integrations- und Orientierungsphase an einem Arbeitsplatz vollständig eingesetzt werden, ohne dass eine persönliche Assistenz notwendig ist“, erklärt Herr Gräser weiter. „Endlich kann ich mit meinen Kräften etwas Sinnvolles zur Gesellschaft beitragen“, freut sich die zukünftige Mitarbeiterin der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen Lena Kredel.

Auf der „REHACARE International 2012“ in Düsseldorf präsentieren die Bremer Wissenschaftler im „Themenpark Assistenzrobotik“ (Stand G70/H, Messehalle 3) den gesamten Arbeitsplatz von Lena Kredel und FRIEND.

Außerdem ist der Roboter am Donnerstag, den 11. Oktober 2012, Thema eines Vortrags während des REHACARE Kongresses (14:45 Uhr in Raum 6, CCD Süd). Hier wird auch Lena Kredel über ihre Erfahrungen und Eindrücke berichten.

REHACARE.de; Quelle: Universität Bremen

- Mehr über die Universität Bremen unter: www.uni-bremen.de