Australien: Neue Pflegeansätze verbessern Behandlung von Demenzpatienten

10.08.2016

In Australien sorgt ein neues Konzept für den Umgang mit Demenzpatienten im Krankenhaus für Aufsehen: Die Betreuungssituation von älteren Menschen mit Demenz hat sich als dessen Folge deutlich verbessert. In den Kliniken wurde durch gezielte Untersuchungen die Demenz häufiger erstmals diagnostiziert. Auch haben Krankenhäuser, die an diesem Projekt beteiligt waren, ihre Krankenhaus-Umgebung den Bedürfnissen der älteren Patienten angepasst.

Foto: Direkter Kontakt am Pflegebett zwischen Patientin und Pflegekraft; Copyright: panthermedia.net/michaeljung

Dem ärztlichen und pflegerischen Personal mangelt es noch an einer entsprechenden Ausbildung, um die komplexen Krankheitszusammenhänge bei älteren Menschen kompetent erkennen und behandeln zu können; © panthermedia.net/michaeljung

"Die Kliniken haben begriffen, dass Menschen mit Demenz im Krankenhaussystem die am meisten gefährdete Patientengrupppe darstellen. Nun lassen diese Institutionen der Behandlung von Älteren wesentlich mehr Bedeutung zukommen," erklärt Professorin Susan Kurrle von der renommierten University of Sydney das Ergebnis ihres Projektes CHOPs.

Die australische Professorin kennt die Klinik-Situationen in Australien und Deutschland sehr gut. "Die Pflegestandards für alte Menschen variieren in beiden Ländern von exzellent bis schlecht." Für Kurrle liegt ein wesentliches Problem darin, dass Demenzerkrankungen nicht rechtzeitig oder nicht richtig erkannt werden, was Behandlungsfehler zur Folge haben kann. Ältere Patienten sind nicht nur eine Risikogruppe aus medizinischer Sicht, sie sind für Kliniken auch ökonomisch ein Risiko – vor allem durch eine längere Aufenthaltsdauer.

Noch immer verharre die Medizin zu sehr in ihren Fachbereichen, bemängelt Kurrle. Dem ärztlichen und pflegerischen Personal in den Kliniken mangelt es ihrer Meinung nach vielerorts noch an einer entsprechenden Ausbildung, um die komplexen Krankheitszusammenhänge bei älteren Menschen kompetent erkennen und behandeln zu können.

Um genau diese Schwachstellen an australischen Kliniken zu verbessern, verfolgen Kurrle und ihre Wissenschaftskollegen zwei Ansätze. Angewendet wird ein Betreuungsprogramm, das in Australien unter dem Namen "Care of Confused Hospitalised Older Persons program" bekannt ist, kurz CHOPs. In diesem Programm ist festgeschrieben, wie die einzelnen Grundsätze ein- und umgesetzt werden können.

"Der wichtigste Punkt ist für uns die Ausbildung des Personals. Die Klinik-Mitarbeiter müssen verstehen, warum ältere Patienten eine andere, besondere Behandlung im Falle von Demenz benötigen."  Auch die Evaluation der Programmergebnisse ist in CHOPs aufgeschlüsselt. "Wir freuen uns, dass immer mehr Krankenhäuser unser Modell übernehmen", sagt Kurrle.

In einem zweiten Ansatz sollen die Zertifizierungsstandards für australische Krankenhäuser als Basis genutzt werden, um eine adäquate Demenz-Diagnose und deren Management in den Kliniken zu gewährleisten. Die zuständige Zertifizierungsbehörde hat eigens dafür ein Informations- und Bildungsprogramm entwickelt, womit sich die Kliniken samt Personal tiefgehend auf den Zertifizierungsprozess vorbereiten und so gleichzeitig die Qualität bei der Demenzbehandlung steigern können.

"Diese Qualitätsstandards sind letztendlich die treibende Kraft, um das bisherige Pflegesystem auf eine ganzheitliche Ebene zu heben", sagt Kurrle. Sie weiß aber auch, dass viele Kliniken keine große Motivation zur Veränderung hätten, wenn sie nicht diese Standards einhalten müssten. "Für uns ist das schon so etwas wie ein großer Wurf. Die Stärke der aktuellen Zertifizierung ist, dass wir bei deren Entwicklung in den vergangenen zwei Jahren mehrfach mit allen wichtigen Personenkreisen gesprochen und deren Erkenntnisse einbezogen haben", so Kurrle

Und was könnte in Zukunft noch besser laufen? "Wir wissen, dass Krankenhäuser für ältere Patienten gefährliche Orte sein können. Deswegen müssen wir uns überlegen, wie wir die neuen Behandlungs- und Versorgungsmethoden nun auch bei den Menschen zu Hause anwenden können", sagt Kurrle. "Die Menschen in Australien und Deutschland werden immer älter. Die Geriater sollten deshalb ständig nach neuen und innovativen Wegen Ausschau halten, wie die Betreuung von Demenzkranken und älteren Menschen im Allgemeinen verbessert werden kann, um schädliche Beeinträchtigungen zu reduzieren."

Um diese innovativen Ansätze im direkten Kontakt genauer kennenlernen zu können, wird Kurrle im September in Deutschland erwartet.

REHACARE.de; Quelle: University of Sydney

Mehr über die University of Sydney unter: www.sydney.edu.au