Barrierefrei auf die Piste: Sitz-Ski auf der REHACARE ausprobieren

Interview mit Stefanie Gampersberger, Skilehrerin und Organisatorin beim gemeinnützigen Verein FREIZEIT-PSO – Aktivurlaube barrierefrei & Sport für Menschen mit Behinderungen

28.09.2016

Es ist Ende September. Die kalte Jahreszeit rückt immer näher und so auch die Wahrscheinlichkeit auf Schnee. Für den Einen ein Verkehrshindernis, für den Anderen die Gelegenheit Skireisen zu machen. Ein spezielles Angebot für Menschen mit Behinderungen hat der Verein Freizeit-PSO zusammengestellt, welches von Mittwoch bis Samstag hier auf der REHACARE in Halle 5 am Stand B26 präsentiert wird.

Bild: Stefanie Gampersberger im Sitz-Ski; Copyright: beta-web/Höpfner

Stefanie Gampersberger präsentiert auf der REHACARE 2016 einen Sitz-Ski. An Stand B26 in Halle 5 kann dieser kostenlos getestet werden; © beta-web/Höpfner

Messebesucher können sich über barrierefreie Skireisen und professionellen Unterricht informieren oder einen Sitz-Ski direkt in der Messehalle ausprobieren. REHACARE.de sprach mit Skilehrerin Stefanie Gampersberger über spezielle Ausrüstungen und das dazugehörige Angebot.

 Frau Gampersberger, welche Möglichkeiten haben Menschen mit Behinderungen im Skisport?

Stefanie Gampersberger: Es kommt natürlich darauf an, welche Behinderungen die Personen haben. Grundsätzlich kann man sagen, dass jeder Ski fahren kann – man muss nur die richtigen Hilfsmittel und einen Betreuer zur Seite haben. Wir bieten Skikurse für Menschen mit Sehbehinderungen, mit Lernschwierigkeiten und körperlichen Beeinträchtigungen, wie einer Querschnittslähmung, an.

Gibt es spezielle Ausrüstungen?

Gampersberger: Es gibt eine Vielzahl von individuellen Hilfsmitteln, darunter ein Mono-Ski, ein Bi-Ski oder Krücken-Ski.  Der Mono-Ski eignet sich für Personen mit einer guten Oberkörperkoordination. Einen Bi-Ski können Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen fahren. Er ist zum Beispiel geeignet für Menschen mit einer spastischen Lähmung, einer Halbseitenschwäche oder einem Schädel-Hirntrauma. Auch Personen mit den schwersten körperlichen und sogenannten geistigen Behinderungen können in diesem Model mit Unterstützung einer Begleitperson Ski fahren. Alle Pisten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden kann man mit den Krücken-Ski problemlos befahren, diese sind unter anderem für Menschen mit Amputationen gedacht. Außerdem gibt es für Menschen, zum Beispiel mit einer Lernbehinderung oder Koordinationsstörung, Ski-Links, die vorne an der Spitze der Skier angebracht werden. So kann der Ski-Lehrer beim Lenken und Bremsen unterstützen.

Bild: Zwei Ski-Fahrer auf der Piste; Copyright: FREIZEIT-PSO

Mit den Ski-Links kann der Skilehrer zusätzlich bremsen und steuern; © FREIZEIT-PSO

Inwiefern unterscheiden Sie sich von Skischulen für Menschen ohne Einschränkungen?

Gampersberger: Von herkömmlichen Skischulen unterscheiden wir uns soweit, dass wir nur einzeln betreuen. Das heißt, dass jeder Schüler einen eigenen Lehrer bekommt, der auf die individuellen Bedürfnisse eingeht. Braucht eine Person weitere Betreuung, bieten wir ebenfalls Einheiten mit zwei Lehrern an. Außerdem gibt es bei uns auch Helfertrainings, sodass Eltern lernen, wie sie mit ihren Kindern Skilaufen lernen können.

Außerdem bieten wir die individuell benötigte Sonderausrüstung wie zum Beispiel unterschiedliche Sitz-Ski, Krückenski und Ski-Links. Freizeit-PSO verrechnet für den Einzelunterricht inklusive Skiausrüstung, Sonderausrüstung und Liftticket in etwa den Preis, den Menschen ohne Behinderung für einen Gruppenkurs inklusive Liftpass und Ausrüstung bezahlen. Den Mehraufwand finanzieren wir über Förderungen und Spenden. Denn es ist unsere Meinung, dass es unfair ist, dass man aufgrund einer Behinderung einen wesentlich erhöhten Preis für Privatunterricht und Sonderausrüstung und erhöhten Organisationsaufwand bezahlen muss.

Wie gut werden diese Angebote angenommen?

Gampersberger: Sehr gut, vor allem im Winter. Denn wir bieten auch Aktivitäten für den Sommer an. Bei unseren Angeboten handelt es sich um inklusive Reisen, denn auch Familie und Freunde sind herzlich willkommen. Anfang 2005 wurden etwa 300 Einheiten unserer Skireisen bei uns gebucht, Anfang dieses Jahres waren es schon 1.000.

Sie sind Aussteller auf der REHACARE. Warum ist diese Messe wichtig für Sie und Ihre Arbeit?

Gampersberger: Die REHACARE ist für uns sehr wichtig, weil sie einfach die größte Reha-Messe in Deutschland ist und wir dort unser Zielpublikum antreffen können. Ich bin auch schon zum dritten Mal dabei.

Was genau präsentieren Sie in diesem Jahr auf der REHACARE?

Gampersberger: Wir werden wieder einen Sitz-Ski dabei haben, um den interessierten Besuchern zu erklären, wie dieses Hilfsmittel funktioniert. Gerne können sie sich auch mal reinsetzen und verschiedene Funktionen ausprobieren. Um ein Gespür für unsere Outdoor-Angebote zu bekommen, haben wir auch immer einiges an Bildmaterial dabei und sind für alle Fragen offen.

Mehr Informationen zum Angebot in Halle 5 am Stand B26 oder unter: www.freizeit-pso.com
Foto: Lorraine Dindas; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann


Lorraine Dindas
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