Barrierefreiheit in vielen Arztpraxen noch verbesserungsfähig

16.05.2014
Foto: Ältere Frau bekommt Spritze von Ärztin

Ob Behindertenparkplatz oder Aufzug - auch Arztpraxen sollten so barrierefrei wie möglich sein; © Monkeybusiness Images/panthermedia.net

Das Thema Barrierefreiheit sollte in den Arztpraxen noch stärker verankert werden als das bisher der Fall ist. Zu diesem Ergebnis kommt der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) im Rahmen einer Auswertung seines Arztbewertungsportals.

Von den 196.000 niedergelassenen Ärzten, Zahnärzten und Psychologischen Psychotherapeuten, die in dem Arztportal registriert sind, gaben nur rund 21.610 – also rund elf Prozent – an, mindestens drei von zwölf Kriterien der Barrierefreiheit zu erfüllen. Abgefragt wurden Kriterien wie: Ist die Praxis ebenerdig oder hat sie einen Aufzug? Ist die Praxis rollstuhlgerecht? Ist das WC barrierefrei? Gibt es spezielle Behindertenparkplätze? Sind die Stühle/Liegen verstellbar? Gibt es Orientierungshilfen für Sehbehinderte?

„Barrierefreiheit ist ein wichtiges Thema und wird angesichts der demografischen Entwicklung und der Zunahme älterer Menschen immer bedeutsamer“, betonte Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek. Ziel müsse es sein, behinderten Menschen eine weitreichende Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen, darunter auch in Arztpraxen und Krankenhäusern, zu ermöglichen.

Fakt sei aber, dass die Kennzeichnung von Praxen gerade in Sachen Barrierefreiheit vielerorts noch unzureichend sei – im ländlichen wie im städtischen Raum. Kommentare zur Barrierefreiheit der jeweiligen Arztpraxis in den Freitexten der Bewertungen wie beispielsweise „Es gibt einen Aufzug, besonders für ältere, behinderte und gehbehinderte Personen gut zu erreichen.“ oder „Leider sind die Treppen sehr beschwerlich, nicht nur für Gehbehinderte.“, zeigen, dass das Thema Barrierefreiheit von zunehmender Bedeutung für die Patienten ist. Elsner betont daher: „Wer in die Ausstattung für eine behindertengerechte Praxis investiert, dem werden es die Patienten danken!“

Barrierefreiheit bedeutet, dass Räumlichkeiten, Medien oder Einrichtungen so angelegt sind, dass sie von jedem Menschen, unabhängig von einer eventuell vorhandenen Einschränkung, benutzt werden können. Zudem sollten sie grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sein.

Elsner begrüßte Initiativen, die das Ziel haben, das Thema Barrierefreiheit stärker in das Bewusstsein von Anbietern von Gesundheitsleistungen und in die Öffentlichkeit zu tragen. Sie verwies auf die Stiftung Gesundheit, Partner des vdek in Sachen www.vdek-arztlotse.de. Gemeinsam mit ihren Projektpartnern, wie zum Beispiel dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der Ärzte-Zeitung, hat die Stiftung bereits 2009 das Projekt „Barrierefreie Praxis“ ins Leben gerufen und unter anderem einen Katalog der Grade der Barrierefreiheit in Arztpraxen definiert. Auf dieser Basis wurden alle Ärzte, Zahnärzte und Psychologischen Psychotherapeuten angeschrieben und die so erzielten Informationen in das Internetportal integriert.

Folgende zwölf Kriterien zur Barrierefreiheit der jeweiligen Praxis können von den Ärzten im vdek-Arztlotsen angegeben werden:

Kriterien im Arztlotsen aller vdek-Dienste / Gesamtanzahl (Stand: Mai 2014)
ebenerdig oder Aufzug: 41.113
stufenfreier Zugang: 25.399
Aufzug ist rollstuhlgerecht: 7.027
Aufzug ist barrierefrei: 4.212
Zugang ist barrierefrei: 12.487
Stühle/Liegen verstellbar: 6.474
Gebärdensprache 468:
Orientierungshilfen für Sehbehinderte: 2.181
WC ist bedingt barrierefrei: 9.203
WC ist barrierefrei: 5.859
Praxis ist rollstuhlgerecht: 45.999
Behindertenparkplätze: 9.680

REHACARE.de; Quelle: Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)

Mehr über den Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) unter: www.vdek.com