Bedarfsgerechte Hilfen im Alter - Projekt "Dorfgemeinschaft 2.0"

14/08/2015
Foto: Frau im Rollstuhl öffnet Fenster via Fernbedienung

Bedarfsgerechte Hilfen im Alltag: In einem Musterhaus in Nordhorn lassen sich mit Hilfe von SmartHome Technologien Fenster öffnen und schließen; © Franz Frieling/Gesundheitsregion EUREGIO e. V.

Mit dem Projekt "Dorfgemeinschaft 2.0" hat sich der Verein "Gesundheitsregion EUREGIO" mit mehr als 120 Mitgliedern ein anspruchsvolles Ziel gesetzt. Die Grafschaft Bentheim und das südliche Emsland wollen sich mit konkreten Schritten auf den demografischen Wandel vorbereiten. Wissenschaftlich begleitet wird der Verein von der Universität und Hochschule Osnabrück.

Jetzt hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Modellvorhaben bundesweit als eines von fünf Projekten für eine Förderung ausgewählt. Die Förderhöhe liegt bei rund fünf Millionen Euro. Projektstart ist am 1. November.

Elf Projektpartner haben sich im Verein "Gesundheitsregion EUREGIO" zusammengeschlossen, um mit Unterstützung des Bundes den demografischen Wandel im ländlichen Raum zu meistern. "Teamwork und Beharrlichkeit haben sich ausgezahlt. Wir haben nun die Chance, die traditionellen Errungenschaften innovativ und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Das ist ein großer Tag für unsere Region, die damit deutschlandweit eine Vorreiterrolle bei der Lösung demografischer Fragestellungen einnehmen wird", so Thomas Nerlinger, Projektleiter und Geschäftsführer der Gesundheitsregion EUREGIO.

Dabei geht es um rollende Arztpraxen, e-Mobilität, Smart Home- Technologien, altersgerechte Mensch-Technik-Interaktion, aber auch um "Satellitenstützpunkte" im ländlichen Raum, die den älteren Bürgern in wichtigen Fragen des Alltags und Lebens weiterhelfen und dazu beitragen sollen, dass sie möglichst lange unabhängig in ihrem gewohnten Umfeld leben können. 4400 ältere Bürger und 2000 junge Menschen wurden bereits nach ihren Bedürfnissen befragt.

Die bislang wichtigsten Ergebnisse der Voruntersuchungen: Die Grafschafter wollen möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Noch wichtiger als ein intaktes Umfeld sind ihnen gute nachbarschaftliche Beziehungen und erreichbare Nahversorgungsangebote. "Wir müssen die Dienstleistungen zu den Menschen nach Hause bringen", fasst Pflegewissenschaftlerin Prof. Seeling die Befragungsergebnisse zusammen. "Erstaunlich ist, dass auch junge Grafschafter sich im Alter ein Leben auf dem Lande wünschen", so Prof. Ickerott.

Gegenseitige Hilfe ist in beiden Altersgruppen gefragt. So gaben 43 Prozent der älteren Mitbürger an, Hilfe von Familienangehörigen in Anspruch zu nehmen, 18 Prozent verlassen sich auf die Hilfe von Nachbarn und Freunden. Aber 37,5 Prozent gaben an, dass sie niemanden hätten, der ihnen hilft.

"Dabei geht es nicht nur um eine Pflegekraft, die vorbeischaut, sondern auch um technische Assistenzsysteme im Haus, im Garten und beim Einkauf. Ziel ist es Technik als Wegbereiter für soziale Innovation einzusetzen. Da könnte ein virtuelles Dorfgemeinschaftszentrum ins Spiel kommen, eine netzbasierte, digitale Koordinationsplattform für nachbarschaftliche Hilfen", so Prof. Teuteberg. Auch gibt es schon Ideen für intelligente seniorengerechte Wohnformen. "An technologische und soziale Innovationen werden hierbei hohe Anforderungen hinsichtlich ethischer Verankerung, Datenschutz und Technologieakzeptanz gestellt", so Prof. Remmers.

"Effizienz durch Bündelung" ist der Ansatz vieler Projekte, die eine flächendeckende Versorgung und Pflege im ländlichen Raum sicherstellen sollen. Das Projekt "Dorfgemeinschaft 2.0", an dem mehr als 50 mittelständische Unternehmen aus der Region mitwirken, wird im Rahmen der Förderlinie InnovaKomm für fünf Jahre gefördert. 121 Projektideen waren beim BMBF eingereicht worden, nur fünf erhielten einen Zuschlag.

REHACARE.de; Quelle: Universität Osnabrück

Mehr über das Projekt "Dorfgemeinschaft 2.0" finden Sie unter: www.uni-osnabrueck.de