Brillen verbessern schulische Leistungen kurzsichtiger Kinder im ländlichen China

27.11.2015
Foto: Schulkinder im ländlichen China

Die augenmedizinische Versorgung von Kindern im ländlichen China wirkt sich auch auf ihre schulischen Leistungen aus; © Stephan Brosig

Studien des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) im Rahmen des Forschungsprojektes "Rural Education Action Program" (REAP) zeigen auf, wie sich die Sehfähigkeit von Kindern auf die schulischen Leistungen auswirkt und welche Maßnahmen zur augenmedizinischen Versorgung ergriffen werden sollten.

Mehr als 20 Prozent der Kinder in China, die in ländlichen Gebieten leben oder mit ihren Eltern vom Land in die Stadt abgewandert sind, sind kurzsichtig. Auch wenn sich in den meisten Fällen dieser Sehfehler mit Hilfe von Brillengläsern beheben lässt, besitzen mehr als 60 Prozent der chinesischen Kinder auf dem Land mit einem Refraktionsfehler keine Sehhilfe beziehungsweise tragen diese nicht.

Neben der Armut zählen Fehlinformationen und ein Mangel an Kenntnissen über Kurzsichtigkeit zu den Hauptgründen, dass diese Kinder keine Brille tragen. So glauben viele Kinder, Eltern und Lehrer, dass eine Brille für die Sehkraft der Kinder schädlich sei und traditionelle Augenübungen das schlechte Sehvermögen verzögern können.

Das Aktionsprogramm für Bildung im ländlichen Raum (REAP) ist das bisher größte wissenschaftlich begleitete augenmedizinische Programm in China. Das Projekt erlaubt es erstmals, sich ein umfassendes Bild über die augenmedizinische Versorgung von Kindern mit ländlichem Hintergrund zu machen. Für die Studie wurden mehr als 20.000 Kinder in verschiedenen Regionen Chinas untersucht und fast 5.000 Brillen an kurzsichtige Schulkinder ausgegeben. Anhand des Forschungsprojektes lassen sich wertvolle Erkenntnisse über den Einfluss schlechten Sehvermögens auf den Schulerfolg und Strategien zur Behandlung von Fehlsichtigkeit gewinnen.

Im Rahmen der Untersuchung fanden die Wissenschaftler heraus, dass das Tragen einer Brille von Kindern mit Kurzsichtigkeit die schulischen Leistungen wie auch das psychische Wohlbefinden und das Selbstvertrauen verbessert. Es ist festzustellen, dass das Tragen einer Brille den Augen der Kinder nicht schadet und keine beschleunigte Verschlechterung des Sehvermögens bewirkt. Vielmehr verlangsamt erst das Tragen einer Brille signifikant das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit. Im Gegensatz dazu können Augenübungen den Beginn oder das Fortschreiten von Kurzsichtigkeit nicht nachweislich hinauszögern.

Des Weiteren zeigt sich anhand der Studie, dass die Rate der Brillennutzung deutlich steigt, wenn Lehrkräfte Anreize erhalten, die Kinder zum Tragen einer Brille zu ermutigen. Da den Lehrkräften eine zentrale Schlüsselrolle im Alltag der Schulkinder zukommt, ist die Akzeptanz von Brillen und die Ermutigung der Kinder durch diese Personen eine besonders effektive Maßnahme, um Lernbarrieren herabzusetzen.

"Insgesamt ist festzustellen, dass unkorrigierte Sehfehler bei Schulkindern in ländlichen Gebieten und in städtischen Wohnvierteln von Arbeitsmigranten in China weit verbreitet sind. Da die augenmedizinische Versorgung in diesen Regionen jedoch begrenzt ist, müssen Früherkennungs- und Behandlungsmethoden von Sehfehlern deutlich verbessert werden. Aufbauend auf diese Projektergebnisse arbeiten unsere Forscher derzeit mit Gemeindeverwaltungen im ländlichen Raum Chinas zusammen, um die augenmedizinische Behandlung im Rahmen der öffentlichen Gesundheitsversorgung zu verbessern", erklärt IAMO-Direktor Prof. Dr. Thomas Glauben.

Die Studie wurde von der Stiftung Auge, der Weltbank und Weltgesundheitsorganisation unterstützt.

REHACARE.de; Quelle: Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)

Mehr über das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien unter: www.iamo.de
Mehr zum Projekt "Rural Education Action Program" (REAP) unter: www.iamo.de/forschung/projekte/details/reap