Cochlea-Implantat: Musiktherapie in der Frührehabilitation

18.03.2013

Foto: Mann mit Kopfhörern

Eine aktuelle Studie belegt Erfolge der Musiktherapie bei CI-Trägern in der Frührehabilitation; © Oliver Flörke/
panthermedia.net

Am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e.V. in Heidelberg wurde die deutschlandweit erste Pilotstudie zur Optimierung des Hör- und Sprachtrainings durch Musiktherapie für CI-Träger erfolgreich abgeschlossen. Die Studie fand in enger Zusammenarbeit mit der HNO-Klinik der Universität Heidelberg (Professor Plinkert) statt.

In Deutschland gibt es jährlich etwa 16.000 Neuerkrankungen des Innenohrs, die zu einseitiger oder beidseitiger Ertaubung führen. Insgesamt wird die Zahl der ein- oder beidseitig ertaubten Menschen bundesweit auf 3 bis 4 Millionen geschätzt. Die dadurch entstehenden Einschränkungen bei der Teilnahme am alltäglichen Leben sind für normal hörende Menschen kaum vorstellbar.

Eine Behandlungsmöglichkeit stellen sogenannte Cochlea-Implantate (CI) dar. Ein Cochlea-Implantat ist eine elektronische Hörschnecken-Prothese, die Menschen mit Schädigungen des Innenohres ein neues Hören ermöglicht. Das CI übernimmt die ausgefallenen Funktionen des Innenohres. Es leitet elektrische Reize direkt an den Hörnerv weiter.

In dem jetzt abgeschlossenen Projekt wurde ein musiktherapeutisches Training entwickelt, das auf spielerische Weise – analog zum frühen, vorsprachlichen Dialog bei Kleinkindern –
das Hörenlernen nach der CI-Implantation verbessern soll. Das modularisierte musiktherapeutische Training fand in der Regel im Rahmen von zehn Einzelsitzungen (à 50 Minuten) in wöchentlichem Abstand statt.

Am Projekt nahmen zehn Personen teil, die postlingual, also nach dem Spracherwerb, ertaubt sind und erst vor kurzem einseitig implantiert wurden. Die Musiktherapie erfolgte unmittelbar auf die medizinische Erstanpassung des CI.

Die Ergebnisse belegen, dass die Musiktherapie besonders in vier Bereichen in kurzer Zeit sehr hilfreich sein kann:
• Differenziertere Hörfähigkeit von Klängen und Geräuschen im Alltag (Musik hören, Radio hören, Fernsehfilme, Unterhaltung in größeren Menschengruppen)
• Zufriedenstellende akustische Orientierung in Alltagsumgebungen und Räumen (öffentliche Verkehrsmittel, Kirchen, Straßenverkehr)
• Emotionaler Ausdruck in der Sprache (sogenannte emotional
unterlegte Prosodie)
• Schnelle und emotional stabile Akzeptanz des CI (Aussehen, sich behindert fühlen)

Der Vergleich der Ergebnisse von subjektiver Probandeneinschätzung und objektiver Messungen vor und nach der Therapie zeigt eine sehr hohe Therapieeffizienz sowie eine große Zufriedenheit der Teilnehmer mit den erreichten Fortschritten in allen Bereichen des Hörens sowie mit der relativ kurzen Gesamtdauer des Angebotes.

Derzeit laufen die Vorbereitungsarbeiten zur Durchführung einer großen, repräsentativen Studie, zu der dann auch bundesweit CI-Träger zugelassen werden sollen. Hierfür soll das Therapiekonzept angepasst werden, um sogenannte Kompaktwochen zu ermöglichen.

Die größte Hürde bei der Vorbereitung einer wissenschaftlichen Hauptstudie im Bereich „Cochlea-Implantat“ wird nach Aussage des geschäftsführenden Vorstandes des DZM, Professor Bolay, jedoch sein, „dass mögliche Geldgeber, Vertreter von Stiftungen als normal Hörende sich kaum vorstellen können, wie sehr ihre eigene Lebensqualität von ihrem derzeit (noch) gesunden Gehör abhängt“.

REHACARE.de; Quelle: Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e.V.

Mehr über das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e.V. unter: www.dzm-heidelberg.de