Demenz: Dynamische Beleuchtung erleichtert Alltag

16.09.2015
Grafik: Sonnenlicht im Tagesverlauf um ein Haus herum

SILVERlighting: Dynamisches Beleuchtungssystem bildet den Tagesverlauf des Sonnenlichts nach; © Fraunhofer UMSICHT

Technische Lösungen assistieren im Alltag – sie regeln die Temperatur, weisen den Weg, lassen besser sehen und hören. Besonders oft kommen unterstützende Systeme bei älteren und kranken Menschen zum Einsatz. Im Verbundprojekt SILVERlighting wird der Einfluss von Lichtszenarien auf an Demenz erkrankten Menschen erforscht.

Selbstständigkeit, Wohlbefinden und Aktivität bis ins hohe Alter sind dank vieler technischer Helferlein längst kein Wunschdenken mehr. Eine große Rolle spielt der Faktor Licht, denn eine angepasste Beleuchtung hilft Unfälle zu vermeiden. Aber nicht nur das, unterbewusst werden auch wichtige Vorgänge im Körper beeinflusst.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF im Programm "KMU-innovativ" geförderte Verbundprojekt SILVERlighting, an dem neben Fraunhofer UMSICHT die Hochschule Ruhr West, Mülheim a. d. R., die licht|raum|stadt|planung GmbH, Wuppertal, sowie die ALPHA gGmbH, Duisburg, beteiligt sind, nutzt genau diese Eigenschaften von Licht. Es wird ein neues dynamisches Beleuchtungssystem entwickelt, das den Tagesverlauf des Sonnenlichts nachbildet (zirkadianes Licht). So soll insbesondere der Schlaf-Wach-Rhythmus von an Demenz Erkrankten unterstützt werden.

"Symptome wie die innere Unruhe gilt es zu dämpfen. Vielleicht bewirkt eine ausreichend innere Ruhe, dass letztlich weniger Medikamente eingenommen werden müssen, aber das primäre Ziel ist im Ganzen ein höheres Wohlbefinden zu erreichen", erklärt Projektleiter André Reinecke, Gruppe Anwendungsentwicklung bei Fraunhofer UMSICHT.

Das Besondere an SILVERlighting ist der mobile Einsatz des Systems, wodurch ein längerer Verbleib in der eigenen Wohnung ermöglicht werden soll. Spezielle LEDs beleuchten einen Raum mit der für die jeweilige Tages- und Jahreszeit optimalen Lichtfarbe. Eine intelligente Steuerung und Sensorik agiert unauffällig im Hintergrund.

Und so könnte ein künftiges Lichtszenario aussehen: Morgens wird die Lichtintensität ähnlich des Sonnenaufgangs langsam mit einem hohen Blauanteil erhöht, tagsüber je nach Wetterlage und Ruhezeit reguliert, abends wird die Dämmerung mit einem hohen Rotanteil und nachlassender Lichtintensität simuliert. Zusätzlich werden auch spezifische Lichtsituationen, zum Beispiel für Gruppenaktivitäten beziehungsweise den nächtlichen Toilettengang, definiert und mittels Sensorik im Hintergrund gesteuert.

Fraunhofer UMSICHT ist im Rahmen des Teilvorhabens SILVERregelung für die Entwicklung und Umsetzung der Arbeiten im Bereich Regelung und Steuerung zuständig. Die Forscher entwerfen eine Komponente, die Sensordaten und manuelle Eingaben des betreuenden Personals für die Ansteuerung des Lichts verarbeitet. Dazu gehört auch eine ergonomisch gestaltete Softwareanwendung für die vereinfachte Dateneingabe.

Bestimmte Tätigkeiten und Szenarien innerhalb der Wohnung wie beispielsweise der Einsatz von Leselampen verlangen eine direkte, spontan reagierende Steuerung. Die Hochschule Ruhr West arbeitet an diesem Part und entwickelt "intelligente Lampen", die über eine eigene Sensorik und einen eigenen Kleinstrechner verfügen.

Erste Prototypen des Systems werden zunächst in stationären Pflegeeinrichtungen installiert, bevor die Wirkung des zirkadianen Lichts in einem nächsten Schritt im persönlichen Umfeld zu Hause getestet wird. Es ist geplant, die Daten zum Wohlbefinden der Testpersonen nach standardisierten Verfahren unter anderem per App zu erfassen.

REHACARE.de; Quelle: Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Mehr über Fraunhofer UMSICHT unter: www.umsicht.fraunhofer.de