Demenz: Versorgung im Akutkrankenhaus

04.05.2015
Foto: Arzt mit älterer Frau im Krankenhaus

Bereits etwa 20 Prozent der Patienten in Krankenhäusern haben Demenz - eine Herausforderung in der Akutversorgung; © panthermedia.net/ James Steidl

Bereits jeder fünfte Patient, der heute im Krankenhaus behandelt wird, ist an Demenz erkrankt. Wie die Akutversorgung demenzkranker Menschen im Krankenhaus auch unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen gelingen kann, zeigt die wissenschaftliche Begleitung des Projekts "Demenz im Krankenhaus – Dem-i-K", deren Ergebnisse nun durch das Saarbrücker iso-Institut vorgestellt wurden.

Aufgrund der demografischen Entwicklung prägen zunehmend ältere Patienten das Bild im deutschen Klinikalltag. Ältere und vor allem hochbetagte Patienten haben jedoch häufig mehrere Krankheiten gleichzeitig, und diese überlagern nicht selten die Behandlung der Grunderkrankung, die für den Krankenhausaufenthalt ursächlich war. Die so bezeichnete Multimorbidität stellt damit ärztliches wie pflegerisches Personal in den Krankenhäusern vor besondere Herausforderungen. Neben den körperlichen Diagnosen haben ältere Patienten in einem hohen Maße auch psychische Erkrankungen, insbesondere Demenz, die einer Behandlung bedürfen.

Bereits geschätzte 20 Prozent der in deutschen Krankenhäusern behandelten Patienten haben Demenz und aufgrund der demografischen Entwicklung wird dieser Anteil zukünftig weiter steigen. Die meisten Kliniken sind auf diese Patientengruppe jedoch noch nicht eingestellt. Um dazu einen Anstoß zu geben, hat die Saarländische Krankenhausgesellschaft e.V. (SKG), die als Dachverband der Krankenhausträger im Saarland die Interessen der gegenwärtig 21 öffentlichen und freigemeinnützigen Krankenhäuser des Saarlandes in der Landes- wie Bundespolitik vertritt, zu einem Runden Tisch Demenz im Krankenhaus in das St. Nikolaus Hospital in Wallerfangen eingeladen. Mit dieser Initiative sollen die saarländischen Krankenhäuser beim Aufbau demenzsensibler Strukturen und Prozesse unterstützt werden. Die saarländischen Krankenhäuser versorgen jährlich stationär etwa 275.000 Patienten. Mit zusammengenommen rund 13.000 Mitarbeitern sind sie einer der größten Arbeitgeber des Saarlandes.

Dem Runden Tisch Demenz ging das Projekt "Demenz im Krankenhaus – Dem-i-K" der Arbeitsgemeinschaft katholischer Krankenhäuser im Saarland voraus, das Ende 2014 abgeschlossen wurde. Mit dem Projekt, an dem fünf katholische Kliniken beteiligt waren, wurden Wege aufgezeigt, wie die Akutversorgung demenzkranker Patienten unter unterschiedlichen strukturellen Rahmenbedingungen gelingen kann. Schwerpunkte des Projektes waren die Schulung von Pflegekräften und Ärzten in den teilnehmenden Krankenhäusern, regelmäßige Fallbesprechungen mit einer Fachpflegekraft für Psychiatrie sowie die Einrichtung eines ärztlichen Konsiliardienstes für die Diagnostik und Behandlung der demenziell erkrankten Patienten.

Im Rahmen des Projekts wurden zudem Versorgungselemente in den Bereichen Tagesstrukturierung, Ernährung sowie Angehörigenarbeit umgesetzt. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung durch Frau Dr. Sabine Kirchen-Peters vom Saarbrücker Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) bescheinigen positive Wirkungen auf Patienten und Mitarbeiter. Die Zufriedenheit der Pflegekräfte mit dem nun etablierten Schulungsangebot ist uneingeschränkt hoch und die entwickelten Maßnahmen werden als Plus für die Behandlungsqualität bei Nebendiagnose Demenz ebenso wie als Entlastung der Mitarbeiter erlebt.

Nach Projektende wurde vom iso-Institut ein übertragbares Handlungskonzept vorgelegt, das von anderen Krankenhäusern genutzt werden kann. Integriert sind dort auch nützliche Materialien, wie Anforderungsscheine für ein Demenzkonsil, Schulungsmaterialien oder Faltblätter für die Angehörigen der demenzkranken Patienten. Der Bericht wurde unter dem Titel "Herausforderung Demenz im Krankenhaus. Ergebnisse und Lösungsansätze aus dem Projekt Dem-i-K" veröffentlicht und kann beim Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen des Saarlandes bestellt werden.

REHACARE.de; Quelle: Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. (iso)

Mehr über das Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. unter: www.iso-institut.de