Demografischer Wandel: Mehr Pflege zuhause

Der demografische Wandel ist Realität: Es gibt immer mehr ältere Menschen deutschland-, europa- und weltweit. Dadurch steigt auch der Anteil der Menschen mit Pflegebedarf. Sie werden nicht nur in professionellen Pflegeeinrichtungen, sondern auch immer öfter privat gepflegt.

01.09.2015

Foto: Pflegende Angehörige mit älterer Frau im Rollstuhl

Menschen mit Pflegebedarf werden immer häufiger von ihren Angehörigen in Vollzeit zu Hause versorgt; © panthermedia.net/Arne Trautmann

Beispiel Deutschland: Im Dezember 2013 lebten 2,63 Millionen Menschen in Deutschland mit Pflegebedarf, bei einer Gesamtbevölkerung von 80,62 Millionen Menschen. Mehr als zwei Drittel (71 Prozent beziehungsweise 1,86 Millionen) von ihnen wurden nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zu Hause versorgt. In dieser Gruppe erhielten 1,25 Millionen Pflegebedürftige ausschließlich Pflegegeld. Das habe in der Regel, so Destatis, zur Folge, dass sie meist allein durch Angehörige gepflegt wurden.

In der Pressemitteilung von Destatis zum zweijährlich erhobenen Bericht zur "Pflegestatistik 2013 - Deutschlandergebnisse" heißt es außerdem: "Weitere 616.000 Pflegebedürftige lebten ebenfalls in Privathaushalten, bei ihnen erfolgte die Pflege jedoch zusammen mit oder vollständig durch ambulante Pflegedienste. In Pflegeheimen vollstationär betreut wurden insgesamt 764.000 Pflegebedürftige (29 Prozent)."

Im Vergleich zum Dezember 2011 stieg die Zahl der Menschen mit Pflegebedarf um 5 Prozent. Auch bei den Zahlen der Personen, die ausschließlich Pflegegeld empfangen, und ebenso derer, die durch ambulante Pflegedienste betreut wurden, kam es zu einem Anstieg um 5,4 beziehungsweise um 6,9 Prozent.
Grafik: Tortendiagramm zu Einsatzzeiten pflegender Angehörige

Vollzeitjob Pflege: Zwei Drittel der pflegenden Angehörigen sind jeden Tag im Einsatz; © Pflegestudie der Techniker Krankenkasse 2014

Angehörige pflegen oft ohne (professionelle) Hilfe

Es gibt also immer mehr Menschen, die in den eigenen vier Wänden von ihrer Familie gepflegt werden. Diese Tätigkeit ist anstrengend und geht vielen an die Substanz. Rückenschmerzen, Stress und sogar Depressionen können die Folge sein.

Doch trotzdem holen sich nur 41 Prozent der pflegenden Angehörigen professionelle Unterstützung von ambulanten Pflegekräften. Das ist ein Ergebnis der Pflegestudie der Techniker Krankenkasse (TK), für die das Meinungsforschungsinstitut Forsa mehr als 1.000 pflegende Angehörige interviewt hat. Dort heißt es weiter: "Sogar nur acht Prozent nutzen zeitweise die Unterstützung von professionellen Einrichtungen für Tages-, Nacht- oder Kurzzeitpflegeaufenthalte. Dabei sind zwei Drittel (65 Prozent) der pflegenden Angehörigen täglich im Einsatz."

Knapp mehr als die Hälfte teilt sich die unterschiedlichen pflegerischen Aufgaben mit anderen Familienangehörigen, Freunden und Nachbarn. Jeder Vierte ist sogar komplett allein für die Pflege verantwortlich.
Grafik: Baumdiagramm - Aussagen und Prozentzahlen zur Pflege

Jeder Vierte pflegt allein - das ergaben unter anderem die Befragungen der TK. In diesem Fall waren Mehrfachnennungen möglich; © Pflegestudie der Techniker Krankenkasse 2014

Pflegeberatung weitgehend unbekannt

Doch woran liegt das eigentlich? Eine repräsentative Bevölkerungsbefragung der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) ergab, dass knapp 60 Prozent der Deutschen gar nicht wissen, dass es seit 2009 einen gesetzlich verankerten Anspruch auf eine individuelle, unabhängige und kostenlose Pflegeberatung gibt. Pflegebedürftige, die Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen oder beantragt haben, können ihn sofort einfordern.

"Nur 25 Prozent der Befragten gaben an, eine auf das Thema Pflege spezialisierte wohnortnahe Beratungsstelle zu kennen – nur acht Prozent kannten einen konkreten Pflegestützpunkt. Dabei wurden diese eigens dafür eingerichtet, eine wohnortnahe Beratung zu gewährleisten. Insgesamt weiß lediglich jeder fünfte Befragte, wie er bei einem familiären Pflegefall überhaupt vorgehen müsste", heißt es in einer ZQP-Pressemitteilung aus dem Frühjahr 2015.

Informationen sichern Qualität

"Pflegeberatung ist oftmals noch eine vertane Chance in Deutschland. Sie muss wirksam helfen, dass Pflegebedürftige und ihre Angehörigen eigenverantwortliche Entscheidungen treffen können. Das zeigen die Ergebnisse der Analyse", wird Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP, in der Pressemitteilung zitiert.

Und der Bedarf besteht. Denn: Fast drei Viertel der Befragten fühlen sich weniger gut oder sogar schlecht darüber informiert, auf welche Leistungen Menschen mit Pflegebedarf sowie deren Angehörige einen gesetzlichen Anspruch haben. Das Bedürfnis nach Informationen ist also groß. Ergänzend stellt Suhr in der Pressemitteilung abschließend fest: "Gute Beratung sichert auch die Qualität in der Versorgung der Menschen."

Soweit die Situation in Deutschland.
Im Oktober kommen Menschen aus der ganzen Welt nach Düsseldorf zur REHACARE, um sich dort unter anderem über Neuigkeiten im Bereich Pflege zu informieren. Deshalb wollen wir von Ihnen wissen: Wie ist die Situationen in Ihrem Heimatland? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen – per E-Mail an redaktion@rehacare.de oder über unsere Facebook-Seite.
Foto: Nadine Lormis; Copyright: B. Frommann

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Nadine Lormis
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