Digitales Lernspiel für Autisten

Foto: Abbildung eines Computerspiels 

Ein Internetspiel soll Autisten dabei helfen, Wege in den Beruf zu finden. Ein Arbeitstag im Spiel dauert 20 Minuten – und zeigt den Spielern, wie sie Alltagssituationen meistern können.

Autismus ist eine Störung, für die es in Deutschland nicht einmal eindeutige Diagnosekriterien gibt, die aber die Betroffenen ihr Leben lang prägt: Nach Schätzungen der Europäischen Union sind mehr als 90 Prozent der Betroffenen arbeitslos.

Um ihnen zu helfen, einen Weg in den Beruf zu finden, entwickeln Wissenschaftler des Instituts für Lerninnovation (ILI) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) im Rahmen eines EU-weiten Projekts das Internetspiel iSpectrum.

In dem Spiel werden Arbeitstage unter anderem im Büro simuliert, die auf einem steigenden Level anspruchsvoller wie abwechslungsreicher werden.

Stufenweise werden Personen mit milderen Formen von Autismus oder Asperger Syndrom – einer leichten autistischen Störung – nach und nach an die Realität herangeführt. Am Anfang können sich die Spieler ausschließlich auf sich selbst und ihre Arbeit konzentrieren. Auf fortgeschrittenem Level klingelt in der virtuellen Welt mal das Telefon oder haben Kollegen eine Frage – Ablenkungen, mit denen die Autisten lernen sollen umzugehen.

„Ziel von iSpectrum ist es, den Betroffenen zu helfen, sich im Arbeitsalltag zurecht zu finden und alltägliche Situationen im Büro bewältigen zu können“, erläutert Evelyn Schlenk, die das Projekt am Institut für Lerninnovation betreut. „Damit sollen Menschen mit Autismus so weit trainiert werden, dass sie einem geregelten Beruf nachgehen können.“

Um das Lernspiel optimal auf die Bedürfnisse der Betroffenen abzustimmen, starten die Wissenschaftler der FAU Anfang April eine Befragung von Personen mit autistischen Störungen sowie deren Angehörigen wie auch von Vertretern verschiedener Autismus-Verbänden und Integrations-Beauftragten, etwa von Arbeitsagenturen.

Auskunftswillige all dieser Personengruppen und Arbeitgeber, die bereits Menschen mit autistischen Störungen beschäftigen, werden noch gesucht. Die Empfehlungen, die den Entwicklern des Spiels im Laufe der Befragung gemacht werden, fließen direkt in die Erstellung des Layouts, der Funktionalität und der Handlung mit ein.

„Im Moment erarbeiten wir zusammen mit unseren europäischen Partnern eine Lernumgebung, die im Büro spielt“, sagt Schlenk. „In einem späteren Entwicklungsstadium sollen auch Arbeitsumfelder aus den Bereichen Gartenbau oder Tierpflege und Fertigung geschaffen werden.“ Außerdem wollen die Wissenschaftler im Rahmen des Projekts weitere Maßnahmen erarbeiten, die das Spiel flankieren und Autisten besser in die Arbeitswelt integrieren sollen.

REHACARE.de; Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

- Mehr über die Uni Erlangen unter: www.uni-erlangen.de