Elektronischer Schutzengel unterstützt im Alltag

02.05.2014
Foto: Drei Männer vor einem Monitor

Heinz-Josef Eikerling und Michael Uelschen (v. l.) betreuten die Projektarbeit des Master-Studenten Florian Lutterbeck auf dem Gebiet des „kontaktlosen Monitorings“; © Lidia Uffmann, Hochschule Osnabrück

Zwei Professoren der Hochschule Osnabrück entwickeln ein System, das die Lebensqualität von ambulanten Patienten, Kindern, Senioren oder Menschen mit Behinderungen verbessern kann. Für ihre Idee erhielten sie einen Preis der Bayer-Initiative „Grants 4 Apps“.

Unsere Gesellschaft wird immer älter. Der vielbeschworene demografische Wandel beschäftigt jedoch nicht nur Politiker, Pflegefachleute oder Volkswirte. Gefragt sind auch innovative Ideen im technischen Bereich.

„Wie können ambulante Patienten, Senioren oder Menschen mit Behinderungen in ihren eigenen vier Wänden mit Hilfe herkömmlicher Elektronik unterstützt werden?“ – Mit dieser Frage befassen sich zwei Informatik-Professoren der Hochschule Osnabrück, Heinz-Josef Eikerling und Michael Uelschen. Herkömmliche Lösungen – zum Beispiel ein Messgürtel, der die wichtigsten körperlichen Funktionen überwacht –, erfordern oft Hilfe beim Anlegen oder werden von dementen Personen schlicht vergessen.

Daher entwickelten die beiden Forscher eine andere Idee: Mit einem Sensorsystem, das auf einem Verbund vernetzter konventioneller Kameras basiert, soll kontaktloses Monitoring ermöglicht werden. „Es ist keine Big-Brother-Vision, sondern hier handelt es sich um eine nutzbringende Art ‚Überwachung‘“, betonen die Informatiker. „Schließlich wollen wir damit die Lebensqualität verbessern“.

Ihr System ersetze nicht Zuwendung durch Pflegekräfte oder Familienangehörige: Es sei konzipiert worden, um Menschen mit Einschränkungen in ihrem selbstständigen Leben sowie die Pflegenden sinnvoll zu unterstützen. Denn mit dem Monitoring können ungewöhnliche Verhaltensweisen festgestellt werden, die auf eine behandlungsnotwendige Krankheit hinweisen. So kann die jetzt entwickelte Anwendung Stürze erkennen, einen Zusammenbruch wegen starker Unterzuckerung anzeigen oder auch Verhaltensänderungen nach der Einnahme von Medikamenten melden. In solch kritischen Situationen ist das System in der Lage, das Pflegepersonal oder andere Kontaktpersonen zu informieren.

Die Lösung wird lokal umgesetzt, so dass keine kritischen, sprich personen-bezogenen, Daten das System verlassen. Außerdem handelt das System autonom, erfordert keine Interaktion mit der überwachten Person und funktioniert berührungslos.

Ihre Entwicklung haben Eikerling und Uelschen bei der Initiative „Grants 4 Apps“ des Pharmakonzerns Bayer AG vorgestellt. In diesem Wettbewerb ging es um Projekte und Ideen im Bereich „Software im Gesundheitsbereich“. Ihre innovative Idee des kontaktlosen Monitorings hat die Jury überzeugt: Der Beitrag aus Osnabrück ist mit 5.000 Euro honoriert worden.

Die beiden Kollegen tüfteln nun weiter an ihrer Projektidee und lassen – wie es an der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik gang und gäbe ist – auch Studierende an ihrer Forschungsarbeit teilhaben. So hat der Student des Masterprogramms „Verteilte und mobile Anwendungen“ Florian Lutterbeck mit dem „Kinect Multi Tracker“ ein Verfahren zur Schritterkennung der beobachteten Personen entwickelt; derzeit arbeitet er an seiner Masterarbeit auf dem Gebiet des kontaktlosen Monitorings.

REHACARE.de; Quelle: Hochschule Osnabrück

Mehr über die Hochschule Osnabrück unter: www.hs-osnabrueck.de