Esel und Riesenschildkröten im Unterricht

09.08.2013
Foto: Junge mit Riesenschildkröte

Im handlungsorientierten Unterricht nahmen die Schüler auch direkten Kontakt zu Riesenschildkröten auf;
© Pädagogische Hochschule Heidelberg

Blinde beziehungsweise sehbehinderte Schüler der Schloss-Schule Ilvesheim erobern gemeinsam mit Studierenden der Pädagogischen Hochschule den Heidelberger Zoo: Ziel dieses einzigartigen Kooperationsprojektes ist sowohl das Kennenlernen verschiedener Tiere im handlungsorientierten Unterricht als auch die direkte Erfahrung mit Riesenschildkröten und Poitou-Eseln zum Aufbau einer konkreten Vorstellung.

Das Projekt wird von der Felix-Wankel-Stiftung finanziert und von der Zooschule Heidelberg begleitet. Unter der Leitung von Markus Lang (Blinden- und Sehbehindertenpädagogik) und der Diplom-Biologin Katja Hadwich entwickelten angehende Sonderpädagogen der Pädagogischen Hochschule (PH) Heidelberg bereits im Wintersemester 2012/2013 geeignete Unterrichtsmaterialien. „Die Studierenden mussten sich damit auseinandersetzen, wie sie blinden und sehbehinderten Schülern unterschiedlicher Altersgruppen die Lebenswelt der Tiere angemessen nahe bringen können“, erklärt Lang.

Eine didaktische Herausforderung, der sich die Studierenden mit viel Engagement stellten: Sie bauten zum Beispiel äußerst realitätsnahe Modelle der Gehege, fertigten Reliefabbildungen und Brailletexte an oder entwickelten eine Lernstation, an der die Jungen und Mädchen ihre Größe mit der Rückenhöhe von Eseln vergleichen konnten.

Im aktuellen Sommersemester ging es nun in die Praxis: Fünf Klassen mit insgesamt 40 Grund-, Real- und Förderschülern, alle blind beziehungsweise sehbehindert und teilweise mit zusätzlichen Lernschwierigkeiten, wurden von den Heidelberger Studierenden auf den direkten Kontakt mit den Tieren vorbereitet. Dabei sei gerade die Erarbeitung von Größenverhältnissen wichtig, informiert Stephanie Liebers, Leiterin der Schloss-Schule. Die Kinder fänden sich dann vor Ort besser zurecht. Und so tasteten sich die Schüler – jeweils betreut durch einen Studierenden – zuerst theoretisch durch die Lebenswelt der Tiere und lernten vieles über deren Verhalten.

Mit Unterstützung der Zooschule Heidelberg konnten die Jungen und Mädchen im Anschluss das Gelernte in die Tat umsetzen: Sie durften in die Gehege der Poitou-Esel und der Riesenschildkröten; sie striegelten und fütterten die Vierbeiner beziehungsweise schrubbten den Panzer der Reptilien mit Wasser. Auch hier wurden sie wieder durch PH-Studierende begleitet.

„Die Schüler erschließen sich durch den Zoobesuch ein weiteres Stück der Welt“, ist sich Lang sicher. „Und für die Studierenden ist das Projekt eine wichtige Vorbereitung auf ihre spätere Arbeit – durch die individuelle Betreuung müssen sie sich mit den besonderen Bedürfnissen der Kinder auseinandersetzen.“ Der Pädagoge freut sich daher, dass das Projekt weitergeführt wird: Die Felix-Wankel-Stiftung und die Zooschule Heidelberg haben ihre erneute Unterstützung bereits zugesichert.

Im kommenden Wintersemester erarbeiten die angehenden Lehrkräfte der Pädagogischen Hochschule daher ein weiteres Unterrichtskonzept für blinde und sehbehinderte Kinder. Thema dieses Mal: Insekten. Gemeinsam mit Stephanie Liebers denkt Markus Lang auch über eine Öffnung des Projektes für inklusive Klassen nach: „Wir brauchen Bildungsexperten, die zum inkludierenden Handeln fähig sind. Umso besser, wenn bereits Studierende die Möglichkeit haben, sich mit der besonderen Herausforderung, sehende und blinde Kinder gemeinsam zu unterrichten, auseinandersetzen können.“

REHACARE.de; Quelle: Pädagogische Hochschule Heidelberg

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