Forschung und Weiterbildung für die Pflege 4.0

Die überalternde Gesellschaft stellt neue Herausforderungen an die berufliche Weiterbildung. Die Universität Siegen arbeitet daher derzeit zusammen mit dem Kreis Olpe an an einem Forschungsprojekt zur Altenhilfe. Angestrebt wird eine Verzahnung von Weiterbildungsangeboten in der Pflege zu einem regionalen Netzwerk.

13.04.2016

 
Foto: Pflegerin legt einer älteren Frau eine Decke auf dem Schoß; Copyright: panthermedia.net/Alexander Raths

Pflegepersonal sollte sich regelmäßig weiterbilden, um auf dem aktuellsten Stand der Pflege und ihren Herausforderungen zu sein; © panthermedia.net/Alexander Raths

Die Folgen des demografischen Wandels betreffen die Altenhilfe und ihre Institutionen in zweifacher Hinsicht: Die Überalterung der Gesellschaft führt zu einer Zunahme an Aufgaben und Institutionen in diesem Bereich, gleichzeitig geht die Anzahl potenzieller Beschäftigter zurück. Insbesondere ländliche Regionen wie Südwestfalen und personennahe Dienstleistungen wie Pflege, beziehungsweise Branchen wie die Altenhilfe, werden im Wettbewerb um sowohl qualifizierte Auszubildende als auch gut ausgebildete Beschäftigte das Nachsehen haben. Hinzu kommt, dass gleichzeitig die Anzahl von Jugendlichen ohne oder mit nicht hinreichendem Schulabschluss auf hohem Niveau stagniert und die Fachkräftequote im Arbeitsfeld Altenhilfe sukzessive herabgesetzt wird.

Wie sich die berufliche Weiterbildung in der Altenhilfe auf diese Herausforderungen einstellen kann, untersucht ein neues Forschungsprojekt an der Universität Siegen. Es findet in enger Zusammenarbeit mit regionalen Partnern im Kreis Olpe statt. Ziel ist es, einen inklusiven Ansatz für eine nachhaltige Weiterbildungskultur zu erforschen. Das Projekt WB-inklusiv wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 540.000 Euro gefördert.

Die Altenhilfe für neue Formen beruflicher Weiterbildung zu erschließen, macht die Spezifik, aber auch die Herausforderung des Forschungsprojekts an der Universität Siegen aus. "Die Altenhilfe eignet sich als exemplarisches Forschungsfeld für die Berufsbildungsforschung, weil sich dort prinzipielle Problemlagen und insbesondere curriculare Herausforderungen, wie sie sich in allen gesellschaftlichen Bereichen und Wirtschaftssegmenten abzeichnen, in gebündelter Form untersuchen lassen", so die Projektleiterin Prof. Dr. Ulrike Buchmann, Berufs- und Wirtschaftspädagogin in der Fakultät II Bildung∙Architektur∙Künste.

Der Umgang mit (sensor-)technischen Lösungen und digitalen Expertensystemen im Arbeitsalltag (Stichwort: "Pflege 4.0") etwa, die Notwendigkeit an der Entwicklung und Gestaltung von neuen abgestuften regionalen Versorgungssystemen mitzuwirken ebenso wie die Fürsorgepflicht gegenüber in ihrer physischen und psychischen Wahrnehmung zunehmend eingeschränkten Personen stellt alle Beschäftigten in der Altenhilfe vor Herausforderungen, die ein hohes Maß an neuer Professionalität erfordern.

"Mit diesem Projekt erforschen wir die Möglichkeiten über eine Verzahnung von Lebens-, Erwerbs- und Weiterbildungsangeboten, Kompetenzen in der Pflege, Betreuung und Versorgung von Senioren über eine entwicklungsförderliche Arbeitsgestaltung in Einrichtungen der Altenhilfe zu erwerben. Damit wollen wir dazu beitragen, zukünftig neue Potentiale für qualifizierte Facharbeit in der Region zu gewinnen und für die Region zu sichern", hebt Prof. Dr. Ulrike Buchmann hervor.

Dazu wird gemeinsam mit den regionalen Partnern Franziskaner-Hof und Seniorenzentrum St. Gerhardus, die als Einrichtungen in der GFO Altenhilfe an den Standorten Attendorn und Drolshagen unterschiedliche Beratungs- und Versorgungsmöglichkeiten anbieten, sowie unter Beteiligung der Forschungs- und Universitätsschule BK Olpe und der Jugendkunstschule Schmallenberg e.V. ein inklusives Weiterbildungscurriculum entwickelt, evaluiert und umgesetzt. Dieses soll vor allem den gesellschaftlichen Veränderungen und Bedingungen in der Altenhilfe Rechnung tragen.

In Zukunft verändert sich das Verhältnis von Fach-, Geringbeschäftigten- und ehrenamtlicher Arbeit nachhaltig zugunsten der beiden letztgenannten Arbeitsformen. "Bei diesen Herausforderungen setzt das neue Forschungsprojekt an, um die Einrichtungen unabhängiger von den Eingangsqualifikationen der Beschäftigten zu machen", bestätigen Sonja Köhler und Martina Schröder, die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen im Projekt.

Mittelfristig ist die Etablierung eines regionalen Netzwerks beziehungsweise eines regionalen Mentoringsystems geplant, um eine "Weiterbildungskultur Beratung und Versorgung im Kreis Olpe" aufzubauen. Zudem ist die Einrichtung einer RegionalWerkstatt Weiterbildung geplant, um ein Forum zur flexiblen Bearbeitung regionaler Weiterbildungsbedürfnisse zu schaffen und einen möglichen Transfer der Forschungsergebnisse auf weitere Wirtschaftssegmente zu unterstützen. Die wissenschaftlichen Ergebnisse fließen unmittelbar in die Lehre ein – beispielsweise in den Lehramtsstudiengang Berufskolleg und den Bachelorstudiengang Pädagogik: Entwicklung und Inklusion (BASTEI) der Universität Siegen. Die Studierenden haben innerhalb ihrer Praktikumsphasen die Gelegenheit, Einblicke in die Projektarbeit zu nehmen.

REHACARE.de; Quelle: Universität Siegen
Mehr über die Universität Siegen unter: www.uni-siegen.de