Forschungsprojekt zur barrierefreien Navigation durch die Stadt startet

08.03.2017

Hochschule Fresenius, TU Darmstadt und DB Systel starten in Wiesbaden ein Forschungsprojekt, an dessen Ende die Entwicklung einer neuartigen Navigations-App stehen soll. Diese ist für Menschen gedacht, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind und betrifft vor allem Wege zu Fuß, bezieht aber auch den öffentlichen Nahverkehr mit ein. Im Mittelpunkt des "Per-Pedes-Routings" steht die sichere Zielerreichung über eine möglichst barrierefreie Navigation durch die Stadt. Das Projekt verfolgt einen so genannten Crowdsourcing-Ansatz, möglichst viele Bürger sollen sich daran beteiligen.

Foto: Person im Rollstuhl mit Smartphone in der Hand; Copyright: Andi Weiland | Sozialhelden e.V.

Die App kann nur funktionieren, wenn sich so viele Bürger wie möglich daran beteiligen; © Andi Weiland | Sozialhelden e.V.

In Wiesbaden werden nun zunächst 70 Personen, die mit Stadt und öffentlichem Nahverkehr vertraut sind, mit Smartphones ausgestattet. Sie identifizieren Barrieren wie Treppen oder Anstiege und melden diese über kostenlose Anrufe. Darüber hinaus soll auch eine automatisierte Übermittlung mittels 3D-Beschleunigungssensoren am Smartphone möglich sein. Das System ist in der Lage, die individuelle Leistungsfähigkeit des Nutzers zu berücksichtigen und erlaubt eine Bewertung des Hindernisses.

Finanziert wird das Vorhaben vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, das Gelder aus dem mFUND zur Verfügung stellt. Unterstützt und begleitet wird das Projekt ferner durch DB Regio und Samsung. "Mobilität ist die Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und ein wichtiger Faktor für den Erhalt der Lebensqualität", sagt Prof. Christian T. Haas, Leiter des Institutes für komplexe Gesundheitsforschung an der Hochschule Fresenius, das die Federführung über das Projekt innehat. "Mit der verbesserten Navigation zu Fuß möchten wir dazu beitragen, dass ältere Menschen und Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung weiterhin die Möglichkeit haben, sich eigenständig zu versorgen und wichtige Ziele wie Arzt, Therapeut oder Apotheke zu erreichen."

Für die Städte selbst sei es wichtig, dass die stetig steigende Zahl an Senioren dem regionalen Wirtschaftskreislauf erhalten bleibt. Ein positives Feedback kommt aus der hessischen Landespolitik: "Die Entwicklung einer solchen App ist ein spannendes und innovatives Projekt, das einem großen und weiter wachsenden Teil der Bevölkerung in ganz Deutschlande einen konkreten Nutzen verspricht", so Astrid Wallmann, Mitglied des Hessischen Landtags. "Ich freue mich sehr, dass Idee und Durchführung dazu in Hessen ihren Ursprung haben und die Umsetzung jetzt unter Beteiligung hessischer Hochschulen und Unternehmen in der hessischen Landeshauptstadt starten kann." Laut Haas handelt es sich bei der Anwendung um das erste System, das die speziellen Bedürfnisse derjenigen berücksichtigt, die über körperliche Beeinträchtigungen verfügen, aber durchaus noch in der Lage sind, zu Fuß an die Bushaltestelle zu gehen, Einkäufe zu erledigen oder Ziele zur Freizeitgestaltung zu erreichen.

"Bisher existente elektronische Unterstützungssysteme zur Routenplanung erlauben lediglich eine Abschätzung der Distanz, geben allerdings meist keine weiteren Hinweise, ob physische Barrieren vorhanden sind, für den Weg eine bestimmte körperliche Leistungsfähigkeit vorhanden sein muss oder welcher Anstrengungsgrad zur Bewältigung erforderlich sein wird." Andere Forschungsprojekte beschäftigten sich mit stärker betroffenen Menschen wie Seh- oder Hörgeschädigten oder Rollstuhlfahrern. Mit der neuen App erreiche man damit einen sehr großen Personenkreis, der bis dato bei vergleichbaren Entwicklungen unberücksichtigt geblieben ist.

REHACARE.de; Quelle: Hochschule Fresenius

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