14.08.2014

Sozialverband VdK Nordrhein-Westfalen e.V.

Frauen im Spagat zwischen Pflege und Beruf

VdK NRW fordert: Jetzt die Weichen für bessere Vereinbarkeit stellen!



Dass die häusliche Pflege überwiegend in weiblichen Händen liegt, gilt in NRW wie auch bundesweit immer noch als selbstverständlich. Auch die Tatsache, dass sich die meisten Ehefrauen, Töchter, Schwiegertöchter und Mütter für dieses Engage-ment beruflich ─ und somit auch finanziell ─ einschränken müssen, findet kaum Be-achtung. "Hier gibt es aus Sicht des Sozialverbands VdK Nordrhein-Westfalen drin-genden Handlungsbedarf", machte die stellvertretende Landesvorsitzende Katharina Batz heute anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März deutlich. "Schließ-lich ist die Betreuung von alten und kranken Menschen ebenso wie die Erziehung von Kindern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir brauchen daher dringend Konzepte für eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf."


Schon jetzt können es sich immer weniger Angehörige leisten, zugunsten der Pflege des Partners oder der Eltern auf eine Berufstätigkeit zu verzichten. Lag ihr Anteil 1998 bei rund 64 Prozent, sind es inzwischen nur noch 41 Prozent. Gleichzeitig stie-gen in diesen Zeitraum die Teilzeitbeschäftigungen bei pflegenden Angehörigen von 13 auf 20 Prozent, während es bei den Vollzeitbeschäftigungen sogar einen Zuwachs von 16 auf 28 Prozent gab. "Vor allem Frauen sind zunehmend neben der Pflege erwerbstätig. Sie sind es meistens auch, die ihre berufliche Tätigkeit einschränken, auf Teilzeit-Jobs ausweichen und eine Doppelbelastung auf sich nehmen", so Batz. "Infolgedessen fühlen sich 67 Prozent der pflegenden Frauen stark oder sehr stark psychisch und 46 Prozent stark oder sehr stark körperlich belastet."


Der Sozialverband VdK Nordrhein-Westfalen setzt sich daher für bessere gesetzliche Rahmenbedingungen ein, die Betroffenen den schwierigen Spagat zwischen Beruf und Pflege ermöglichen. „Es kann nicht sein, dass Frauen, die sich um ihre Angehö-rigen kümmern, im Job zurückstecken und finanzielle Einbußen in Kauf nehmen müssen. Die häusliche Pflege darf nicht zum Armutsrisiko werden“, forderte die stellvertretende Landesvorsitzende. Sie kritisierte, dass das derzeitige Familienpfle-gezeitgesetz an der Realität der meisten Menschen vorbeigeht und nur von besser verdienenden Menschen genutzt werden kann. "Aus unserer Sicht ist es insbesonde-re notwendig, die Familienpflegezeit als Rechtsanspruch auszugestalten und durch eine Lohnersatzleistung analog zum Elterngeld zu flankieren. Außerdem muss mit der Pflegezeit ein Rückkehrrecht in die Vollzeittätigkeit verbunden sein", erläuterte Batz.


Die stellvertretende Vorsitzende des VdK-Landesverbands appellierte außerdem an das Eigeninteresse von Unternehmern und Personalverantwortlichen in NRW: "In Zeiten des Fachkräftemangels sollte die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf für Ar-beitgeber kein Tabuthema mehr sein. Mit lebensphasenbezogener Personalpolitik und pflegesensiblen Arbeitszeiten lassen sich vielmehr gute Mitarbeiter an den Be-trieb binden", sagte Batz in Hinblick auf die heutige Veranstaltung des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter mit dem Titel "Bessere FAIReinbarkeit von Beruf & Pflege – nicht nur Frauensache“.