Frauen mit Lernschwierigkeiten arbeiten als Frauenbeauftragte

25.11.2013
Foto: Zwei Frauen im Gespräch

Bezugspersonen sind auch für Frauen mit Lernschwierigkeiten wichtig; © Wavebreakmedia ltd/panthermedia.net

In einem Pilotprojekt „Frauenbeauftragte in Wohnheimen und Werkstätten für behinderte Menschen“ haben Frauen mit Lernschwierigkeiten gezeigt: Sie können ihre Interessen selbst vertreten. Jetzt soll diese Idee „Frauenbeauftragte in Einrichtungen“ in einem Folgeprojekt Schule machen.

Im Oktober 2013 fiel der Startschuss für das neue Projekt: „Frauenbeauftragte in Einrichtungen. Eine Idee macht Schule“. In diesem Folgeprojekt sollen Multiplikatorinnen in zehn verschiedenen Bundesländern ausgebildet werden, die Idee der Frauenbeauftragten in Einrichtungen zukünftig weiterzutragen und zu stärken.

Bereits von 2008 bis 2011 förderte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Projekt „Frauenbeauftragte in Wohnheimen und Werkstätten für behinderte Menschen“. In dem Pilotprojekt wurden Frauen mit Lernschwierigkeiten aus 16 verschiedenen Einrichtungen geschult und unterstützt, um in ihren Werkstätten oder Wohnheimen die Aufgabe der Frauenbeauftragten wahrnehmen zu können.

Nach Abschluss des Projekts war klar: In Zukunft muss es noch mehr Frauenbeauftragte in Werkstätten und Wohnheimen geben und dazu sind weitere Schritte notwendig. Die Anzahl der Frauenbeauftragten in Einrichtungen der Behindertenhilfe soll in den nächsten Jahren stetig erhöht und die Frauenbeauftragten müssen bei ihrer Arbeit beraten und vernetzt werden. Dazu gehören zum Beispiel Beratungsmöglichkeiten bei Fragen und Problemen rund um die Arbeit von Frauenbeauftragten, sowie die Möglichkeit der Vernetzung und den Austausch untereinander.

Der Fokus eines weiterführenden Projekts sollte nun also nicht nur auf der Schulung und Unterstützung von Frauen mit Lernschwierigkeiten liegen, sondern die Idee “Frauenbeauftragte in Einrichtungen“ weitertragen und stärken. Seit Oktober 2013 finanziert das Bundeministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gemeinsam mit einer Reihe von Bundesländern nun das Folgeprojekt „Frauenbeauftragte in Einrichtungen: Eine Idee macht Schule“. Gemeinsam mit zwei Expertinnen mit Lernschwierigkeiten wollen die Projektkoordinatorinnen Ricarda Kluge und Andrea Tischner daran arbeiten, das Thema „Frauenbeauftragte in Einrichtungen“ bundesweit bekannt zu machen und Frauen mit Lernschwierigkeiten dafür zu stärken, sich für Frauen in Einrichtungen einzusetzen.

Die Ziele des Projekts sind:
• Die Ausbildung von Multiplikatorinnen für die Schulung von Frauenbeauftragten in Einrichtungen aller Bundesländer,
• die Vernetzung und Unterstützung der alten und zukünftigen Frauenbeauftragten,
• sowie verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, um die Bundesländer und die bundesweite Öffentlichkeit für die Idee „Frauenbeauftrage in Einrichtungen“ zu sensibilisieren.

In einer Art Schneeballsystem sollen in den kommenden Jahren noch mehr Frauenbeauftrage und Unterstützerinnen nach dem in dem Pilotprojekt erarbeiteten Konzept ausgebildet werden. Frauen mit Lernschwierigkeiten brauchen Anlaufstellen, um ihre Probleme und Schwierigkeiten in Einrichtungen zu thematisieren und gemeinsam mit anderen Frauen auf Augenhöhe nach Lösungen zu suchen.

Die Themen der Frauen in Einrichtungen sind vielfältig. Die Studie „Lebenssituationen und Belastungen von Frauen mit Behinderungen in Einrichtungen“ hat gezeigt, dass gerade Frauen mit Lernschwierigkeiten in Einrichtungen der Behindertenhilfe häufig Gewalt erfahren. Die Frauen bewegen sich dort in einem Umfeld, das von Abhängigkeiten in unterschiedlichster Form geprägt ist und das Risiko dadurch erhöht, Gewalt zu erleben.

Frauenbeauftragte in Einrichtungen sind nicht nur ein Beitrag zur Umsetzung der UN-Behindertenkonvention, sondern sie können auch ein neues und wirksames Instrument zur Gleichstellung und zur Prävention und Intervention von Gewalt gegen Frauen mit Behinderung sein.

REHACARE.de; Quelle: Weibernetz e.V.

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