G-Volution: Sturzprophylaxe geht neue Wege auf der REHACARE

16/10/2015
Foto: Ulla Schlösser

Ulla Schlösser; © Spomobil e.V.

"Jetzt bleib mal auf dem Teppich", sagen wir zu jemandem, der sich beruhigen oder im Rahmen bleiben soll. Auf der REHACARE 2015 gibt es einen speziellen Teppich, der genau das Gegenteil bewirkt: Wer auf ihm steht, soll seinen eigenen Rahmen sprengen und lernen, wieder sicherer zu gehen und mobiler zu werden.

"Viele Senioren machen kleine, kurze Schritte, aus Angst, das Gleichgewicht zu verlieren und zu stürzen. Wer kleine Schritte macht, hat dabei aber gar nicht so viel Gleichgewicht", erklärt Ulla Schlösser, Geschäftsführerin von Spomobil eV. in Lippstadt. Der gemeinnützige Verein ist langjähriger Anbieter von Mobilitätstrainings und bietet mit dem "G-Weg" ein therapeutisches Hilfsmittel an, um die Schritte von Senioren, Hochbetagten, Demenzpatienten oder Patienten in der Rehabilitation nach dem Schlaganfall wieder zu verlängern und ihre Koordination zu verbessern – und so ihren Gang sicherer zu machen. Ihr Werkzeug dazu, der G-Weg, ist ein Teppich, der mit einem Raster aus Grasflächen und Kopfsteinpflastern bedruckt ist.

Schlösser erklärt den Zweck hinter dieser Gestaltung: "Durch die Größe der Felder werden die Schritte wieder länger. Unser Ziel ist es, mit den Menschen eine längere Schwungbein- und Standbeinphase zu trainieren. Und die Optik unterstützt alltagsnahe Übungen." Geübt wird zum Beispiel, beim Gehen zwei Taschen zu tragen oder eine Flasche auf- und zuzudrehen.

 
 
Foto: Übungsleiterin und Seniorin auf dem G-Weg-Teppich

Bei einer der Übungen mit dem G-Weg kommt es darauf an, einen Partner mit einem Schirm "trocken" zu halten; © Spomobil e.V.

Aber auch die Kommunikation kommt nicht zu kurz: Bei einer anderen Übung sollen die Benutzer einen Begleiter mit einem Regenschirm trockenhalten, ohne sich dabei mit dem Arm einzuhaken, oder sich beim Gehen zu unterhalten, eine andere Person durch Heben des Hutes zu grüßen und ihr anschließend hinterher zu schauen. "Eine Pflegekraft, ein Physiotherapeut oder ein Übungsleiter kann mit einem Patienten zum Beispiel in einer Eins-zu-eins-Situation trainieren, es sind aber auch Gruppen-Übungen mit bis zu 15 Personen möglich. Insgesamt liegen dem G-Weg 52 Methodik- und Übungskarten in verschiedenen Schwierigkeitsgraden bei. Da ist für jeden etwas dabei", erklärt Schlösser das Konzept weiter. Dabei wird immer die Bewegung des Gehens mit einer anderen alltagsnahen Bewegung gekoppelt, um die Doppelkoordination zu fördern.

Den Prototypen zum G-Weg hat Spomobil e.V. in der Vergangenheit zusammen mit der Universität Paderborn im Rahmen einer Bachelor-Arbeit entwickelt. "Für uns war diese Zusammenarbeit ein Startschuss, das Gesamtkonzept, also Methodik und Übungen, rund um den G-Weg zu entwickeln", erklärt Schlösser. Und auch 2015 geht die Forschung in einer Cross-Over-Studie weiter: Darin soll auf dem G-Weg mit einer Gruppe von Bewohnern eines Seniorenheims trainiert werden. Ihre Gangsicherheit wird dann mit einer Gruppe verglichen, die nicht trainiert hat.

Der G-Weg aktiviert erfolgreich seine Benutzer, wie Schlösser erläutert: Die Menschen sehen und machen etwas, was sie kennen und abrufen können, zum Beispiel Demenz-Patienten: Sie erkennen die Wiese und das Kopfsteinpflaster. Wenn wir sagen 'Versuchen Sie, über die Steine zu gehen', dann haben sie auch die Motivation, wieder größere Schritte zu machen."

 
 
Grafik: Mann steht von Sofa auf und geht weg

So sieht die Kampagne "G-Volution" von Spomobil e.V. auf der REHACARE 2015 aus; © Spomobil e.V.

Mit dem Ansatz, Menschen zu aktivieren, sind Spomobil e.V. und der G-Weg in diesem Jahr auch auf der REHACARE zu Besuch: "Mit unserem Auftritt wollen wir dem Thema Sturzprophylaxe für Senioren, Demenz-Erkrankte und Schlaganfall-Betroffenen mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Durch regelmäßiges Training mit dem G-Weg und durch Einbindung unseres Konzeptes in den Alltag in der Pflege kann den Betroffenen ein höheres Maß an Eigenständigkeit erhalten bleiben." Durch den Verkauf des G-Wegs sollen außerdem finanzielle Mittel für die Vereinsarbeit von Spomobil e.V. und die Entwicklung neuer Konzepte erzielt werden.

Spomobil e.V. und der G-Weg sind im Sport-Center in Halle 7a direkt neben der Bühne mit der diesjährigen Kampagne "G-Volution" zu finden. Dort können die Übungen rund um und auf dem G-Weg an allen vier Messetagen ausprobiert werden.

 
 
Foto: Timo Roth

© B. Frommann






Der Artikel wurde geschrieben von Timo Roth.
REHACARE.de