Gesucht: Die MS-Therapie „nach Maß“

Foto: Mann und Frau mit Krücken 

Wissenschaftler von zwei französischen und zwei spanischen Hochschulen sowie von der Universität Münster untersuchen, wem der Wirkstoff Natalizumab bei Multipler Sklerose (MS) hilft und wem er schadet.

Seitdem er mit dem Wirkstoff Natalizumab behandelt werde, habe er keine Beschwerden mehr, berichtet ein Patient mit MS im Internet. Er schließt mit dem Satz: „Ich bin froh und zufrieden.“ Doch so geht es nicht allen MS-Kranken: Natalizumab kann auch die progressive multifokale Leukoenzephalopathie - kurz: PML - auslösen. Sie verändert das Nervensystem und kann sogar tödlich enden. Wie lässt sich feststellen, wem das Medikament hilft und wem es wann schadet?

Internationale Forscher versuchen es nun in der Studie mit dem Titel „BEST MS“ herauszufinden. Im Zentrum der Forschung stehen sogenannte Biomarker. Das sind biologische „Signaturen“ im Blut, Urin und Nervenwasser, aber auch Daten, die mit bildgebenden Methoden wie der Kernspintomographie gewonnen werden. Patienten, die ein erhöhtes Risiko haben, an einer PML zu erkranken, unterscheiden sich in einigen dieser Werte von denen mit nur geringem Risiko.

„Wir wollen mit dieser Zusammenarbeit Möglichkeiten oder Tests entwickeln, um herauszufinden, welche Patienten die beste Chance haben, mit den neuen MS-Medikamenten langfristig erfolgreich behandelt zu werden. Das ist unser Ziel für die Zukunft“, erklärt Heinz Wiendl, der das Projekt am Universitätsklinikum Münster leitet. Dort nehmen die Forscher insbesondere das Blut von Patienten unter die Lupe, die mit den Wirkstoffen Natalizumab oder Fingolimod behandelt werden, und suchen nach bestimmten Merkmalen auf den einzelnen Blutzellen.

Gerade für die Therapie der Multiplen Sklerose ist die Biomarker-Forschung besonders wichtig. Man nennt die MS auch die „Krankheit der tausend Gesichter“, weil sie bei jedem Patienten unterschiedlich verläuft. Einige Kranke haben nur sehr wenige Schübe und können auch nach Jahren noch fast alle Körperfunktionen ausführen. Bei anderen ist die Krankheit sehr aggressiv und führt zu schweren Behinderungen. „Die Erforschung von Biomarkern kann uns helfen, jeden Patienten maßgeschneidert zu behandeln“, erklärt Wiendl. Im Idealfall bleibt so den Patienten, die nur leicht erkrankt sind, eine unnötige, gefährliche Behandlung erspart, während schwer Betroffene dennoch ausreichend therapiert werden. Und auch schwere Nebenwirkungen lassen sich so besser vorhersagen.

REHACARE.de; Quelle: Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

- Mehr über die Westfaelische Wilhelms-Universität Münsterunter: www.uni-muenster.de