Greifswalder Wissenschaftler optimieren Training nach Schlaganfall

Greifswalder Wissenschaftler haben zusammen mit einer Arbeitsgruppe aus Bochum eine Therapiestudie zur Optimierung von Therapieeffekten nach einer Schlaganfallbehandlung gestartet. Von den Studienergebnissen sollen Patienten, die bei einem Schlaganfall Schädigungen der Hand- und Armfunktion erlitten haben, profitieren. Derzeit werden Patienten für die Therapiestudie gesucht.

29.03.2016

 
Foto: Arm Ability Training; Copyright: AAT

Das Arm Ability Training ist für Patienten mit leichten Störungen der Handfunktion geeignet; © AAT

In der aktuellen Studie "Sensorisches Priming vor motorischem Training bei Schlaganfallpatienten im chronischen Stadium" von Prof. Martin Lotze (Funktionelle Bildgebung an der Universitätsmedizin Greifswald) und Prof. Thomas Platz (Neurologischen Rehabilitation der BDH-Klinik Greifswald) werden die Therapien zur Wiederherstellung nach einem Schlaganfall untersucht. Ziel ist, diese zu optimieren.

In Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe von der Ruhr-Universität Bochum um Priv.-Doz. Hubert Dinse werden sie mit einer einfachen, wiederholten Stimulation der Fingerspitzen die motorische Funktion der Hand nach der Gehirnschädigung untersuchen. Dabei wollen sie herausfinden, ob es sinnvoll ist, das motorische Training mit der Fingerstimulation zu kombinieren und dadurch die Lerneffekte zu verstärken. Der Ansatz ist, dass die Areale im Gehirn durch die Stimulation spezifisch aktiviert werden, die für den motorischen Trainingserfolg entscheidend sind. Zudem wird untersucht, welche Veränderungen im Gehirn während des Trainings einhergehen. Es wurde eine Therapiestudie entwickelt, um durch die Kombination der taktilen Stimulation und des Armfähigkeitstrainings optimale Therapieeffekte zu erzielen.

Für die Durchführung der Therapiestudie werden Patienten gesucht, die vor mindestens drei Monaten einen Schlaganfall hatten. Das Training soll nach Einführung für eine Zeit von drei Wochen zum großen Teil zu Hause erfolgen. Vor, während und nach erfolgtem Training sollen die Effekte auf das Gehirn und die Trainingsverbesserung gemessen werden.

Die Greifswalder Professoren arbeiten bereits seit zehn Jahren sehr eng zusammen. Prof. Platz entwickelte Trainingsverfahren, die vor allem nach motorischen Ausfällen an der oberen Extremität je nach Schwere des Zustandes, also "schädigungsorientiert", wirkungsvoll eingesetzt werden können. Diese Therapien haben sich als überlegen erwiesen und werden von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Gesellschaft Neurorehabilitation (DGNR) in ihren Leitlinien ausdrücklich empfohlen. Darüber hinaus setzt sich Prof. Platz mit neurophysiologischen Veränderungen während des Trainings auseinander, um das Training noch gezielter anzuwenden. Dazu nutzt er die Methode der transkraniellen Magnetstimulation (TMS).

Prof. Lotze beschäftigt sich mit den Veränderungen im Gehirn – je nach Schädigung – die besonders effektiv mit einer Wiederherstellung der Handfunktion einhergehen. Hier wird die Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt. Es wird sowohl die veränderte Gehirnstruktur nach dem Schlaganfall als auch die Veränderung der funktionellen Repräsentation zum Beispiel einer Handbewegung dargestellt. Dadurch wird erkannt, wie das Gehirn mit der Schädigung umgeht und welche Strategien zur Durchführung einer zunächst ausgefallenen Funktion nach der Rehabilitation genutzt werden.

REHACARE.de; Quelle: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Mehr über die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald unter: www.uni-greifswald.de