Helfende Hunde: Tierische Unterstützung im Alltag

Sie heben Gegenstände auf, warnen vor gefährlichen Situationen oder führen sicher durch den Straßenverkehr – Assistenzhunde für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen haben ganz vielseitige Aufgaben.

01.07.2015

Blindenführhunde sind wohl die bekanntesten unter den tierischen Helfern für Menschen mit Behinderung. Doch die Bandbreite ist deutlich größer als viele wissen. Am Anfang steht außerdem eine ganz grundsätzliche Unterscheidung, nämlich die zwischen Assistenz- und Therapiehunden.
Foto: Dr. Ariane Volpert mit einem Assistenzhund

Intensive Beziehung: Dr. Ariane Volpert mit einem Assistenzhund; © VITA e.V. Assistenzhunde

Assistent oder Therapeut?

"Ein Assistenzhund wird individuell für eine für ihn verantwortliche Person ausgebildet und hilft sowohl funktional und als auch emotional. Funktional, weil er Türen, Schubladen und Schränke öffnet oder gelähmte Körperteile in die richtige Position schiebt, wenn das vonnöten ist", erklärt Dr. Ariane Volpert, Tierärztin und 2. Vorsitzende des Vereins VITA Assistenzhunde e.V. "So hilft er im Alltag, mehr Lebensqualität, Unabhängigkeit und Selbstständigkeit zu erlangen. Er öffnet Türen auch im übertragenen Sinn: Er ist ein sozialer Mittler und holt seinen Menschen aus der Isolation heraus. Dann ist er auch gleichzeitig Therapiehund, nämlich nur durch das Dasein – das Streicheln, das Schmusen, dieses 'Ich bin ganz für dich da'-Gefühl."

Zu den Assistenzhunden gehören also alle Hunde, die in einer bestimmten Art und Weise Menschen mit körperlicher Behinderung helfen. Neben dem besonders bekannten Blindenführhund gibt es aber auch noch andere Helfer auf vier Pfoten: "Signalhunde für schwerhörige oder gehörlose Menschen melden beispielsweise Geräusche wie Türklopfen oder Babyschreien. Außerdem gibt es sogenannte Warnhunde, die frühzeitig einen Epilepsie-Anfall oder bei Diabetikern eine drohende Unterzuckerung erkennen", erläutert Volpert. "Auch Kombinationen mehrerer Ausbildungsarten sind möglich. Denn ein Mensch, der im Rollstuhl sitzt und körperlich beeinträchtigt ist, kann zum Beispiel auch gleichzeitig Diabetiker sein."
Foto: Junge Frau im Krankenhaus schmust mit einem Hund

Oft tut schon die bloße Anwesenheit eines Hundes in einem Krankenhaus, Pflegeheim oder Hospiz den Patienten vor Ort gut; © panthermedia.net/Cathy Yeulet

Während Assistenzhunde also für eine bestimmte Person individuell zuständig sind, unterstützt ein Therapiehund "geschulte Therapeuten wie Mediziner, Logopäden oder Pflegekräfte bei der Betreuung von Gruppentherapien oder in Einzelsitzungen. Das kann zum Beispiel bei einer psychologischen Betreuung oder bei Senioren und Demenzpatienten der Fall sein."
Foto: Assistenzhündin Ette

Ette hat als Assistenzhündin ganz unterschiedliche Aufgaben; © privat

Vier Pfoten für die Seele

Ob jung oder alt – die bloße Anwesenheit sowie die uneingeschränkte Aufmerksamkeit eines Hundes können einem Menschen selbst in schwierigen Situationen gut tun. Daher verwundert es nicht, dass zunehmend immer mehr Therapiehunde auch in Hospizen eingesetzt werden. Dort sollen sie unter anderem ablenken, Freude schenken, aber auch trösten. Das therapeutisch-geschulte Mensch-Hund-Gespann vermittelt bei Bedarf außerdem direkte Nähe und Geborgenheit – gerne darf der Therapiehund hierfür auch mal ins Bett, wenn die betroffene Person beispielsweise nur noch schwer oder gar nicht mehr aufstehen kann.

Die Wirkung eines Therapie- aber auch Assistenzhundes auf die Psyche des Menschen ist nicht zu unterschätzen. Deswegen werden sie auch immer häufiger bei Menschen mit einer sogenannten psychischen Behinderung eingesetzt. Diese Behinderungen sind in der Regel nicht auf den ersten Blick sichtbar, da sie vor allem in der Psyche der betroffenen Person verankert sind.

So lebt Kerstin Blume* beispielsweise nach traumatischen Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit mit einer sogenannten Dissoziativen Identitätsstruktur. Im Interview auf REHACARE.de berichtet sie, dass ihre Assistenzhündin Ette sie vielfältig unterstützt – sei es in der Öffentlichkeit und im Kontakt mit anderen Menschen oder bei der Bewältigung ihrer Vergangenheit.

Der beste Freund des Menschen

Ob Warnhund, Signalhund oder andere treue Begleiter – so individuell wie die Menschen sind auch die Einsatzgebiete für die Tiere. Wichtig ist es vor allem, dass in den Hund-Mensch-Teams auf die Bedürfnisse beider Parteien Rücksicht genommen wird. Denn nur dann kann sicher gestellt werden, dass sowohl Mensch als auch Hund Freude am alltäglichen Miteinander haben und zu einem eingespielten Team werden.


* Name von der Redaktion geändert
Foto: Nadine Lormis; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann


Nadine Lormis
REHACARE.de