18.09.2013

P.A.N. Zentrum für Post-Akute Neurorehabilitation im Fürst Donnersmarck-Haus, Berlin

Ihre Fragen zum P.A.N. Zentrum – Unsere Antworten

„Das P.A.N. Zentrum geht neue Wege in der Post-Akuten Neurorehabilitation. Das Zentrum gibt Raum für Therapieerfolge: den Raum zum Wohnen lernen, wenn es noch nicht allein geht und den Raum für zeitlich längerfristig angelegte Reha-Ziele, wenn das Wiedererlernen von Funktionen krankheitsbedingt etwas länger dauert. All dies wird möglich durch ein multiprofessionelles Konzept, das sich am ganzheitlichen biopsychosozialen Modell der WHO orientiert und zusätzlich zu den in der herkömmlichen stationären Akut-Rehabilitation etablierten Therapien einen partizipatorischen neuropädagogischen Ansatz verfolgt.“


Prof. Dr. med. Stephan Bamborschke, Leitender Arzt des P.A.N. Zentrums


 


Was ist das P.A.N. Zentrum?


Das P.A.N. Zentrum ist das Zentrum für Post-Akute Neurorehabilitation im Fürst Donnersmarck- Haus in Berlin, einer Einrichtung der Fürst Donnersmarck-Stiftung. Das P.A.N. Zentrum geht neue Wege in der Post-Akuten Neurorehabilitation. Hier lernen die Rehabilitanden das Leben neu zu leben. Das P.A.N. Zentrum bietet den Rehabilitanden nach der Post-Akuten Neurorehabilitation dem jeweiligen Selbstständigkeitsgrad angemessene Betreuungs- und Wohnformen an.


Wen spricht das P.A.N. Zentrum an?


Das Zentrum spricht alle Menschen mit Schädel-Hirn-Verletzungen an, die nach Abschluss der normalen stationären Rehabilitation noch nicht selbstständig leben können und deren Reha- Potential noch nicht vollständig ausgeschöpft ist. Als Diagnosen kommen in Frage: z.B. Schädel- Hirn-Trauma, ischämischer Schlaganfall, intracerebrale Blutung, Zustand nach (Z.n.) Aneurysmablutung, hypoxischer Hirnschaden, Z.n. Enzephalitis und Meningitis, Z.n. Hirnoperation bei gutartigen intrakraniellen Tumoren, Patienten mit Orientierungsstörungen und Hinlauftendenz.


Wie kann man einen Platz im P.A.N. Zentrum erhalten?


Dem Erstkontakt – über eine Rehabilitationsklinik, Angehörige oder Betreuer – folgt ein persönliches Kennenlernen des Rehabilitanden durch ein Vorstellungsgespräch im Fürst Donnersmarck-Haus. Ein Besuch in der Klinik oder in der Häuslichkeit bei auswärts wohnenden Klienten durch Mitarbeiter des P.A.N. Zentrums ist in Einzelfällen möglich. Auch ein Probewohnen ist möglich. Die Fürst Donnersmarck-Stiftung bietet viele Beratungsmöglichkeiten für Angehörige an, z. B. persönliche Beratung, Klärung der Kostenübernahme, Kontakt mit Selbsthilfegruppen etc.


Welches Angebot gibt es für Menschen mit schweren kognitiven Störungen?


Im P.A.N. Zentrum werden Rehabilitanden aufgenommen, die an schweren kognitiven Einschränkungen leiden. Neben Gedächtnis-, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen äußert sich dies oft in einer sogenannten Hinlauftendenz. Innerhalb eines Zeitraumes von bis zu zwei Jahren werden die Rehabilitanden durch intensive Rehabilitationsmaßnahmen mit einem alltags-bezogenen Training der zeitlichen und örtlichen Orientierung in die Lage versetzt, in eine ambulante Wohnform zu wechseln. Das Konzept sieht eine klare Struktur für den gesamten Prozess vor, regelmäßig werden die Ergebnisse evaluiert. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit der einzelnen im Haus vertretenen Berufsgruppen spielt dabei eine tragende Rolle. Das Team legt großen Wert auf ein ausgeglichenes Maß an Anspannung (Therapie und pädagogische Förderung) und Entspannung für die Rehabilitanden. Ein weiterer wichtiger Aspekt des neuen Konzeptes ist die Einbindung der Angehörigen und engen Freunde der Rehabilitanden. Zu der regelmäßig stattfindenden so genannten Netzwerkkonferenz etwa sind auch sie eingeladen. 


Wie finanzieren sich die Therapien?


Besteht die Möglichkeit einer Kostenbeteiligung der Pflegeversicherung? Die Einzeltherapien werden von einem Facharzt verordnet und über die Krankenkasse abgerechnet. Wesentliche Bestandteile des Konzepts, die die Krankenkassen noch nicht übernehmen, werden über Entgelte nach SGB XII finanziert. Das betrifft in der Regel die Gruppenangebote sowie das Angebot der Neuropsychologie. Im Rahmen des § 43 a SGB XI besteht die Möglichkeit, dass eine Pauschalleistung (derzeit 256 € monatlich) als Kostenbeteiligung der Pflegeversicherung an den Leistungsträger übergeleitet wird. Voraussetzung ist die Anerkennung einer Pflegestufe.


Wie bereitet das P.A.N. Zentrum auf den Auszug vor?


Das Ziel der Post-Akuten Neurorehabilitation ist der Auszug in ein selbstständiges Leben – das kann die Rückkehr zur Familie sein oder auch in die eigenen vier Wände. Die Rehabilitanden werden während der Post-Akuten Neurorehabilitation konsequent auf diesen Schritt vorbereitet und sie und ihre Angehörigen bei der Planung und Vorbereitung unterstützt. In der letzten Phase der Rehabilitation können die Rehabilitanden in ein Trainingswohnhaus ziehen. Mit diesem neu- und einzigartigen Trainingskonzept werden Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen zum Ende ihres stationären Aufenthaltes im P.A.N. Zentrum auf den Umzug in eine ambulante Wohnform vorbereitet. Das Konzept des Trainingswohnhauses setzt die räumliche und strukturelle Trennung vom P.A.N. Zentrum um, die es braucht, um sich auf die Selbstständigkeit vorzubereiten. Gleichzeitig bietet die direkte Nachbarschaft den Rehabilitanden Sicherheit und Begleitung bei diesem Schritt. Das Trainingswohnen erfolgt unter realitätsnahen Bedingungen und zielt darauf ab, die alltäglichen Dinge wie Körperpflege, Einkaufen, Kochen und Orientierung in der Umgebung zunehmend selbstständig zu meistern. Dabei werden die Rehabilitanden weiterhin von ihren Bezugsbetreuern unterstützt.


Was ist das Besondere an dem Zentrum und was macht die Arbeit erfolgreich?


Das Besondere ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit des Reha-Teams unter Einbeziehung von Neuro-Pädagogen und die Alltags- und Handlungsorientierung, die an den Erfahrungen der Betroffenen ansetzen. Damit bietet das Zentrum beste Rahmenbedingungen dafür, das Rehabilitationspotential jedes Einzelnen auszuschöpfen. Der Rehabilitand steht bei uns im Mittelpunkt: Das langfristig angelegte Therapieprogramm orientiert sich an den Alltags- erfahrungen und Wünschen des Rehabilitanden und bietet Raum für Lernvorgänge und alltagsbezogenes Teilhabetraining. Wir streben eine Therapiedauer von maximal zwei Jahren an, die jedoch von der individuellen Entwicklung jedes Einzelnen abhängt – jeder Rehabilitand bekommt die Zeit, die er für seinen Rehabilitations-Prozess benötigt. Bislang gelingt dieser Schritt bereits rund 60 Prozent der Rehabilitanden innerhalb von 18 bis 24 Monaten.


Warum hat die Fürst Donnersmarck-Stiftung das P.A.N. Zentrum eingerichtet?


Dass in Deutschland Möglichkeiten zur neurologischen Langzeitrehabilitation bisher nur unzureichend angeboten werden und deshalb Menschen ihr Rehabilitationspotenzial teilweise nicht ausschöpfen können, hat die Stiftung zu diesem Schritt motiviert. Die Fürst Donnersmarck- Stiftung unterstützt Menschen mit Behinderung in ihrem Streben nach mehr Lebensqualität.