Inklusion als interdisziplinäres Forschungsfeld an der Universität Siegen

03/11/2014
Foto: Vorlesungssaal der Universität Siegen

Gemeinschaft gestalten: Architekten, Bildungswissenschaftler und Künstler erforschen und lehren Inklusion interdisziplinär; © Universität Siegen

Wie können Barrieren nicht nur technisch überwunden werden, sondern auch unter partizipativen Gesichtspunkten? Was bedeutet Inklusion aus pädagogischer und psychologischer Sicht, in Kunst und Kultur? Wie wird ein inklusives Gemeinwesen geplant? Mit einem neuen Studienangebot sowie Forschungsschwerpunkten wirft die Universität Siegen einen gesamtgesellschaftlichen Blick auf die Inklusion und erarbeitet Vorschläge, wie Teilhabe für alle Menschen in den unterschiedlichen Lebensbereichen und Lebensphasen aussehen kann.

"Das Thema ist in der öffentlichen Diskussion stark auf den Bereich Schule konzentriert. Wir nutzen das Potenzial unserer Fakultät Bildung • Architektur • Künste, um aufzuzeigen, welche Anknüpfungspunkte es zu anderen Disziplinen gibt und betrachten die Zusammenhänge", erklärt Albrecht Rohrmann.

Eine andere Perspektive einnehmen möchte auch Hannah Klandt als eine von 440 Studierenden, die sich für die neu konzipierte Ringvorlesung angemeldet haben: "Als Architekturstudentin reicht mir die Bauherren-Sicht nicht aus. Ich möchte wissen, welche Bedürfnisse haben die Menschen, die die von mir geplanten Gebäude nutzen und mit Leben füllen. Wie sehen pädagogische Konzepte aus? Worauf muss ich als Architekt später Rücksicht nehmen?" Das Interesse der Studierenden ist groß, nicht nur an der Ringvorlesung. Hinzu kommen zwölf vertiefende Seminar- und Vorlesungsangebote: von "Inklusion in Institutionen der Erziehung und Bildung" über "Warum moralisch sein? Eine kritische Auseinandersetzung zur Ethik der Behinderung" bis hin zu "Chronisch kranke Jugendliche in Familie, Freizeit, Schule und Beruf – Ein Lehr-Forschungsprojekt zu einer bisher verkannten Diversity-Dimension".

Die Lehrenden waren schnell zusammen, die größte Herausforderung war die Implementierung der Veranstaltungen in die verschiedenen Studiengänge der Architektur, des Lehramtes, des Bachelors "Soziale Arbeit" und des Bachelors "Pädagogik: Entwicklung und Inklusion".

"Die Gesellschaft stellt sich der Aufgabe, die Verschiedenheit der Menschen als normal zu begreifen, die Differenz als Regel- und nicht als Sonderfall zu verstehen. Nun gilt es Rahmenbedingungen zu schaffen, um dies auch leben zu können. Jedem das Passende, nicht allen das Gleiche – dieser Herausforderung stellen wir uns in der Forschung sowie der Lehre", so Rektor Holger Burckhart. Damit lebt das Leitbild der Universität Siegen "Zukunft menschlich gestalten".

Rohrmann skizziert die Perspektive: "Wir haben das Ziel, dass alle Studierenden unserer Fakultät und darüber hinaus eine Inklusionsperspektive in den jeweiligen Studiengängen entwickeln. Sie sollen befähigt werden, in Theorie und Praxis reflektiert mit den Problemen der Ausgrenzung umzugehen und Strategien der Inklusion zu entwickeln. Grundlage dafür ist aber auch, dass wir in der Forschung weiterkommen."

Dem neuen Schwerpunkt der Universität Siegen misst auch Guntram Schneider, NRW-Minister für Arbeit, Integration und Soziales, große Bedeutung zu: "Das Thema Inklusion hat eine gesamt-gesellschaftliche Dimension, daher halte ich es für folgerichtig, dass an der Universität Siegen das Thema interdisziplinär geforscht und gelehrt wird. Inklusion tangiert alle Menschen und alle Lebensbereiche. Dafür muss die Gesellschaft die Rahmenbedingungen schaffen, in Schule, Arbeit, Freizeit, in den baulichen Begebenheiten und insbesondere in den Köpfen der Menschen."

Für jede Disziplin der Fakultät Bildung • Architektur • Künste ergeben sich zum Thema Inklusion Forschungsfragen, diese werden nun in einen Zusammenhang gestellt. Unter dem Forschungsleitziel "Gemeinschaft gestalten" stehen die Begriffe Transformation, Inklusion, Kreation und Kommunikation für das Forschungs- und Lehrprofil der Fakultät. So wird die Erforschung der räumlichen ebenso wie der kulturellen Architekturen von Bildungs- und Sozialräumen in den Blick genommen. Die Dekanin Hildegard Schröteler-von Brandt nennt ein Beispiel: "Wie können Ältere, Kinder und Jugendliche oder sozial benachteiligte Menschen ihr Umfeld mitgestalten und somit eine größere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gewinnen? Die unterschiedlichen Sichtweisen auf Inklusion zusammenzuführen, ist eines der Aushängeschilder der Universität Siegen. Ich freue mich sehr, dass die Nachfrage sowohl bei den Studierenden als auch bei den beteiligten Lehrenden und Forschern so groß ist."

REHACARE.de; Quelle: Universität Siegen

Mehr über die Universität Siegen unter: www.uni-siegen.de