Inklusion im Fernsehen: Quotenkiller oder Qualitätsmerkmal?

19.03.2015
Foto: Eingangsschild zur Veranstaltung

Die Veranstaltung "Inklusion im Fernsehen" beschäftigte sich mit der Darstellung von Menschen mit Behinderung im TV; © beta-web

"Inklusion im Fernsehen" ist ein heikles Feld, aber selbst Comedy-Formate müssen hier nicht peinlich wirken. Das belegte die gleichnamige Veranstaltung der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen und der Grimme-Akademie – in Kooperation mit "die medienanstalten" und "Sozialhelden e.V." – am Dienstag.

Über einhundertdreißig Medienschaffende, Journalisten aus dem Bereich Film- und Fernsehen, aber auch Kollegen anderer Medien sorgten für eine gut besuchte Veranstaltung, die im Haus der RTL-Mediengroup in Köln stattfand.

Die Darstellung von Menschen mit Behinderung im Fernsehen sei noch immer dominiert von Klischees, so Verena Bentele, die Beauftrage der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen: "Nicht selten sind sie entweder bemitleidenswerte Geschöpfe oder sie werden völlig überhöht als ,Super-Menschen' präsentiert. Menschen mit Behinderung stehen jedoch ganz normal im Leben. Und genau so wollen sie auch gezeigt werden."

"Gerade im fiktionalen Bereich könnte ich mir noch einiges vorstellen", kommentierte die Grimme-Direktorin in der einführenden Diskussion. "Qualität in den Medien heißt aber auch: Menschen mit Behinderung gehören vor und hinter die Kamera. Und hier gilt es aufzuholen. Die diesjährige Nominierung von 'Be my Baby' für den Grimme-Preis zeigt, was möglich ist und eigentlich der Normalfall sein sollte", so Gerlach weiter.

Vom Normalfall sind wir aber weit entfernt, verdeutlichte die Keynote des Medienkritikers und Grimme-Jurors Dr. Torsten Körner. Es gibt interessante Formate, die hier Grund zur Hoffnung geben - sowohl im englisch- als auch im deutschsprachigen Raum. Dazu zählen unter anderem Jenke von Wilmsdorff und Jan Rasmus ("Das Jenke Experiment") sowie Torsten Lengkeit und Axel Laustroer ("Dr. Klein"), die sich in Köln den Fragen der Diskussion stellten.

Wie viel Behinderung verträgt und braucht das deutsche Fernsehen? Diese provokant gemeinte Frage stand danach im Mittelpunkt. Moderator Eckart von Hirschhausen diskutierte darüber mit Katja Hofem, Geschäftsführerin von kabel1, Carina Kühne, Hauptdarstellerin in "Be my Baby", Katrin Kuhn, Redakteurin "Das große Quiz des Menschen", Friederike Brost, Produzentin von "Zeig mir deine Welt" sowie mit Raul Krauthausen, Gründer von Sozialhelden e.V. und Buchautor "Dachdecker wollte ich nie werden".

Auf dem Workshop wurde auch der neue "Leitfaden zur Darstellung von Menschen mit Behinderung für Medienschaffende" präsentiert.

Wer nicht dabei sein konnte: Während der Veranstaltung wurde getwittert unter dem Hashtag #TVinklusiv.

REHACARE.de; Quelle: Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen

Mehr über die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen unter: www.behindertenbeauftragte.de
Der Leitfaden "Auf Augenhöhe" kann hier heruntergeladen werden: www.behindertenbeauftragte.de/leitfaden_medien