Inklusion ist ein Menschenrecht – weltweit

Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung (UNBRK) wurde Ende 2006 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet und trat 2008 in Kraft. Doch wie ist die Situation nach sieben Jahren? Welche Länder setzen die als Menschenrecht verankerte und in der UNBRK geforderte Inklusion in welcher Form um? Ein Überblick.

02/02/2015

 
Foto: Grafik mit Menschen mit Behinderungen um einen Globus

Weltweit leben rund eine Milliarde Menschen mit Behinderung; © panthermedia.net/majivecka

Ob Afghanistan, Brasilien oder der Senegal – derzeit bekennen sich insgesamt 159 Länder weltweit zur UN-Konvention. Wie Deutschland haben sich all diese Staaten mit der Unterzeichnung der UNBRK dazu verpflichtet, diese auch umzusetzen.

Selbstbestimmt leben

Im Artikel 19 der UNBRK geht es um die "Unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gesellschaft". Menschen mit Behinderung sollten demnach ihren Aufenthalts- und Wohnort frei wählen können und Zugang zu Unterstützungsformen vor Ort wie beispielsweise persönliche Assistenz haben. Außerdem steht ihnen ein gleichberechtigtes Leben in der Gemeinschaft zu.

Diesen Artikel mit seinen Grundsätzen des selbstbestimmten Lebens nehmen viele Organisationen und Initiativen weltweit als Aufhänger für ihre Aktivitäten. Im Dezember 2014 wurde etwa in Griechenland die "i-Living – Independent Living Organisation of Greece" neu gegründet. Die künftige Arbeit der Organisation soll neben Punkten wie Barrierefreiheit auch die persönliche Assistenz in den Mittelpunkt stellen, die derzeit noch nicht in Griechenland umgesetzt wird. Auch in der Türkei startete zum Jahresanfang 2015 das sogenannte ILNET-Projekt, das das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderung im Land weiter voranbringen möchte.

Das Thema persönliche Assistenz steht außerdem in Italien ganz oben auf der Agenda. Nach der Ratifizierung der UNBRK im Jahr 2009 wurde 2013 ein Aktionsplan eingeführt. Dieser wird allerdings sehr unterschiedlich in den einzelnen Regionen des Landes umgesetzt. Für 2015 plant das Sozialministerium (Ministry of Social Affairs) die Einführung einer einheitlichen Richtlinie und wird dieses Vorhaben mit 3,2 Millionen Euro finanziell unterstützen.
Foto: Drei Schüler im Unterricht, einer im Rollstuhl

Auch der uneingeschränkte und angemessene Zugang zur Bildung wird in der UN-Konvention thematisiert und gefordert; © panthermedia.net/Wavebreak Media Ltd

Zugang zur Bildung

Artikel 24 der UNBRK befasst sich mit dem Thema Bildung. Die Provinz New Brunswick in Kanada gilt hier als Musterbeispiel für den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung. Auch Schweden ist weit vorne, wenn es um schulische Inklusion geht. In Ländern wie Belgien, Lettland oder der Schweiz lässt die Umsetzung allerdings noch zu wünschen übrig.

Um Kinder mit meist kriegsbedingten körperlichen Behinderungen in Palästina zu unterstützen, gründete die Amerikanerin Maysoon Zayid die Maysoon’s Kids Class. "Ich wollte den Kindern in Palästina die Chancen bieten, die mir meine Eltern gegeben hatten", erzählt sie im Interview auf REHACARE.de. Sieben Schüler werden derzeit unterrichtet und Zayid hofft, zwei der Schüler im Herbst 2015 in das öffentliche Schulsystem integrieren zu können. 90 Prozent der Kinder mit Behinderung in Entwicklungsländern erhalten keine Schulbildung.

Hilfsmittel verfügbar machen

Weltweit leben rund eine Milliarde Menschen mit Behinderung. Das sind etwa 15 Prozent der Weltbevölkerung. Damit stellen sie die größte Minderheit auf der Erde dar, von der 80 Prozent in Entwicklungsländern leben.

Im Senegal beispielsweise werden Menschen mit Behinderung zwar relativ gut in die familiären Strukturen eingebunden. "Doch je nach Familie und Umfeld kann es sein, dass behinderte Familienmitglieder versteckt oder gar auf die Straße zum Betteln geschickt werden", weiß Buki Akomolafe zu berichten. "Vor allem in dörflichen Gegenden werden die Menschen mehr versteckt. Sie bringen kein Geld nach Hause und sind der Familie somit eine Last. Die Familie schämt sich auch oft vor den Nachbarn."

Akomolafe hat diese Beobachtungen unter anderem durch ihr Engagement für Rollis für Afrika e.V. gemacht. Der Verein bringt in Deutschland ausrangierte Rollstühle und Gehhilfen nach Afrika, um so zumindest eine gewisse Grundversorgung mit Hilfsmitteln für Menschen mit Behinderung zu ermöglichen. Denn auch das Recht auf Zugang zu Mobilitätshilfen und unterstützenden Technologien ist in der UNBRK im Artikel 20 "Persönliche Mobilität" verankert. Die senegalesische Regierung hat sich bereits 2010 zur UN-Konvention und ihrer Umsetzung bekannt.

Inklusion per UN-Konvention

Ob Bildung, Barrierefreiheit oder Mobilität – die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung hat für alle möglichen Lebensbereiche Maßnahmen und Vorgaben formuliert, die den Ländern dieser Erde einen umfassenden Leitfaden an die Hand geben. Nun ist es an ihnen dafür Sorge zu tragen, dass Menschen mit Behinderung künftig gleichberechtigt und selbstbestimmt in einer inklusiven Welt leben können.
Foto: Nadine Lormis; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann


Nadine Lormis
REHACARE.de