Inklusive Pädagogik: Schulen auf dem Weg zur Inklusion

29/07/2013
Foto: Lehrer mit Schüler

Das Gelernte aus dem Studium kann Lehrer Uwe Witzschel direkt im Unterricht anwenden; © Isa Lange/
Universität Hildesheim

Schulen in Hildesheim und Hannover holen die Universität Hildesheim ins Boot und setzen auf umfassende Fortbildung: 60 Lehrkräfte studieren derzeit berufsbegleitend „Inklusive Pädagogik“. Im Oktober startet der dritte Durchgang – Bewerbungen sind bis zum 30. August möglich.

Vor vier Jahren hat Deutschland die UN-Konvention unterzeichnet. In Niedersachsen können ab August 2013 Eltern zwischen der Regel- oder Förderschule für ihr Kind wählen, dann gilt ein Rechtsanspruch.

Vier Lehrkräfte der Oberschule Ottbergen studieren seit 2012 berufsbegleitend „Inklusive Pädagogik und Kommunikation" an der Universität Hildesheim. Einmal im Monat kommen sie mit 20 Lehrkräften unterschiedlicher Schulformen in Hildesheim zu mehrtägigen Seminaren zusammen, dazwischen gibt es Beratungssitzungen und Unterrichtsbesuche. In einem Studienschwerpunkt lernen die Lehrkräfte, wie eine Schule zur „inklusiven Schule“ wird – von der Steuerung über die Zusammenarbeit mit Eltern bis zu Qualitätsmanagement und Öffentlichkeitsarbeit.

Vermehrt entscheiden sich Schulen, Erziehungswissenschaftler der Universität Hildesheim ins Boot zu holen, so auch das Gymnasium Andreanum in Hildesheim und die Ludwig-Windhorst-Realschule in Hannover, die mehrere Lehrkräfte im Team fortbilden. Parallel zur Lehrerfortbildung erfassen Wissenschaftlerinnen vom Weiterbildungszentrum der Uni bis 2014 in der Oberschule Ottbergen, welche Maßnahmen auf dem Weg zur inklusiven Schule getroffen werden und wie wirksam diese sind.

„Die Region in Hildesheim ist besonders aktiv, Förderer unterstützen die Schulen mit Stipendien und tragen die Weiterbildungskosten“, beobachtet Margitta Rudolph. Die Randstad-Stiftung, die Sparkasse Hildesheim und die Volksbank Hildesheimer Börde unterstützen den Weiterbildungsstudiengang.

„Kurze Fortbildungsangebote sind für eine Haltungsänderung bedingt hilfreich“, sagt Rudolph. Dass in Schulen nun Inklusionsklassen eingerichtet werden, oft aus finanziellen Gründen oder weil ausgebildetes Personal fehlt, sieht sie kritisch. „Das widerspricht dem Gedanken von Inklusion, wenn an einer Schule wieder Sonderfälle entstehen.“

Die Universität Hildesheim hat die zweijährige Weiterbildung gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule Zürich entwickelt. Ab 2013 werden erstmals Lehrkräfte aus Italien von der Universität Bozen (Südtirol) das Studium aufnehmen. „Das ist Bologna pur und einer der wenigen Studiengänge in Europa, die über Ländergrenzen hinweg konzipiert sind. Die Studierenden aus drei Ländern vergleichen Schulsysteme, lernen in Lernpartnerschaften voneinander“, sagt Britta Ostermann.

Die Module (Studieninhalte) sind auch einzeln als Zertifikatsabschluss studierbar. Dabei können Studierende nach vier Wochen erste Bausteine in ihrer Schule umsetzen. „Leistungen, die sie im Studium erbringen müssen, sind auf den Schulkontext bezogen“, hebt Ostermann das praxisnahe Studium hervor.

2011 startete der erste Jahrgang mit 28- bis 55-jährigen Lehrkräften aller Schulformen. Im September verteidigen sie ihre Abschlussarbeiten gemeinsam mit Schweizer Studierenden. Im Herbst 2012 hat der zweite Jahrgang das Studium aufgenommen. Für den dritten Jahrgang (Studienbeginn Oktober 2013) können sich Studieninteressierte bis zum 30. August bewerben.

REHACARE.de; Quelle: Stiftung Universität Hildesheim

Mehr über die Stiftung Universität Hildesheim unter: www.uni-hildesheim.de