Nachgefragt bei Tobias Polsfuß, WOHN:SINN

Inklusive WGs suchen und finden bei WOHN:SINN

16.08.2016

Ein Blick auf die Wohnsituation vieler Menschen mit Lernschwierigkeiten zeigt, dass ihnen bis jetzt oft nur die Wahl zwischen Pflegeheim und Elternhaus zu bleiben scheint. Denn viele wissen nichts von den zahlreichen inklusiven WGs, die nach und nach in Deutschland entstehen und in denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen leben. REHACARE.de sprach mit Tobias Polsfuß, der das Portal WOHN:SINN gründete, um inklusive WGs bekannter zu machen.

Foto: Tobias Polsfuß lacht mit ein paar WG-Mitbewohnerinnen; Copyright: Daniela Buchholz

Tobias Polsfuß; © Daniela Buchholz

Herr Polsfuß, wie kamen Sie auf die Idee, WOHN:SINN zu gründen?

Tobias Polsfuß: Eigentlich war das ganz simpel: Ich wohne jetzt seit über drei Jahren in einer inklusiven WG. Immer wenn ich jemandem davon erzählt habe, kam dieselbe Reaktion: "Wow, das klingt toll. Das habe ich ja noch nie gehört." Irgendwann hat mich das gewundert. Tolle Ideen sollten doch eigentlich jedem bekannt sein. Ich habe mich also gefragt, ob es von diesen WGs noch mehr gibt. Und wenn diese WGs auch für alle Seiten so bereichernd sind, warum gibt es inklusive WGs dann noch nicht überall?

Was erwartet die BesucherInnen der Online-Plattform?

Polsfuß: Alles, was man zu inklusivem Wohnen wissen muss. Wir haben es in drei Teile gegliedert. Wer einen Eindruck davon bekommen will, wie es ist, in einer inklusiven WG zu wohnen oder eine zu gründen, findet in unserem WOHN:BLOG viele lustige, spannende und informative Artikel. Dort erzählen zum Beispiel Neele und Adrian, wie sie es sich vorstellen, als Pärchen in eine WG zu ziehen. Oder wir fassen zusammen, was wir in einem Workshop mit einem Rechtsanwalt gelernt haben. Wie eine inklusive WG funktioniert, erfährt man anhand von unterschiedlichen Konzepten in der WOHN:INFO. Und wo gerade ein Platz frei ist, sieht man in der WOHN:BÖRSE.

Foto: Mitglieder mit und ohne Behinderung der inklusiven WG in München sitzen lachend an einem großen Tisch; Copyright: Daniela Buchholz

Tobias Polsfuß wohnt seit über drei Jahren in einer inklusiven WG für Menschen mit und ohne Lernschwierigkeiten in München; © Daniela Buchholz

Was sind Ihre Erfahrungen in Bezug auf die WG- und Wohnungssuche für Menschen mit Behinderung?

Polsfuß: Wir sind bei den Recherchen auf eine Zahl gestoßen: 60 Prozent der Erwachsenen mit Lernschwierigkeiten (einer sogenannten "geistigen Behinderung") wohnen bei ihren Eltern. Das fand ich schockierend. Verstehen Sie mich nicht falsch: Es spricht nichts dagegen, bei den eigenen Eltern zu wohnen. Aber viele Gespräche haben gezeigt, dass es bei vielen nur aufgrund der Alternativlosigkeit so ist. Und das, wo es doch schon so viele inklusive WGs gibt, die auf äußerst viel Zuspruch treffen.

Was bedeutet für Sie Inklusion?

Polsfuß: Ganz einfach: die Wahl zu haben. Damit jede*r selbst entscheiden kann, wie er oder sie wohnen will, muss es an jedem Ort ein vielfältiges Angebot inklusiver Wohnmöglichkeiten geben.

Mehr über WOHN:SINN unter: www.wohnsinn.org
Foto: Nadine Lormis; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann


Nadine Lormis
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