Nachgefragt bei Martin Habacher

Inklusiver Geschichtenerzähler: "Man kann durchaus etwas bewirken und verändern"

24.11.2016

Zum Thema Barrierefreiheit und Behinderung gibt es manchmal ungewöhnliche und interessante Geschichten. Einer, der diese Geschichten erzählt, ist Martin Habacher. Sein Ziel ist es, diese zu finden, um sie dann auf seinem YouTube-Kanal mit der Welt teilen zu können. REHACARE.de sprach mit Martin Habacher über seine schönste Geschichte und seine Motivation, über den Tellerrand zu blicken.

Foto: Martin Habacher; Copyright: Andreas Pöschek

Martin Habacher; © Andreas Pöschek

Herr Habacher, was wollen Sie mit Ihren Geschichten zur Barrierefreiheit bewirken?

Martin Habacher:
Ich wollte interessante und zugleich ungewöhnliche Geschichten finden und erzählen, die zeigen wie vielfältig das Leben von Menschen mit Behinderung sein kann. Damit wollte ich nicht nur Menschen ohne Behinderung begeistern, sondern auch behinderte Menschen motivieren, Neues zu entdecken und über den Tellerrand hinaus zu blicken.

Auf welche Barrieren stoßen Sie im Alltag?

Habacher:
Natürlich vor allem auf die üblichen Barrieren: Stufen anstatt Rampen oder Lifts, keine geeigneten Toiletten oder kein Taxi beziehungsweise kein uber-Fahrzeug für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind.

Was ist Ihre schönste Geschichte rund um Barrierefreiheit und Behinderung?

Habacher:
Vor ein paar Jahren habe ich eine Billa-Filiale (österreichische REWE Tochter) getestet. Dort gibt es am Eingang einen Treppenlift, aber da dieser kaum benutzt wird, kannten sich die Mitarbeiter damit nicht aus. Es dauerte fast 15 Minuten, bis ich in der Filiale war und mir etwas kaufen konnte. Am Ende musste ich durch das Lager fahren, um ins Geschäft zu gelangen. Nach meinem Einkauf habe ich ein Foto von dem Treppenlift auf Instagram gepostet. Ein paar Minuten später meldete sich die Social Media Abteilung von Billa bei mir via Twitter und versicherte mir, der Sache nachzugehen. 30 Minuten danach erhielt ich einen Anruf aus der Filiale, nachdem ich meine Nummer dort gelassen hatte, um mit der Filialleitung sprechen zu können. Die Filialleitungsstellvertreterin teilte mir mit, dass bereits jemand von der Zentrale da war und allen Mitarbeiter eine Schulung gab. Das Schönste an dieser Geschichte ist für mich der Beweis, dass man durchaus etwas bewirken und verändern kann.

Was bedeutet für Sie Inklusion?

Habacher: Das habe ich schon mal ganz gut in folgendem Video beantwortet:

Da das Video keine Untertitel hat, kann das Gesprochene hier nun nachgelesen werden:

Barbara Stöckel: Worin besteht Inklusion für Sie? Ist Ihnen das ein wirkliches Anliegen oder sagen Sie: "Ich lebe mein Leben so selbstverständlich mit meinen Themen, mit meinem Beruf, mit einen Interessen – da sollen sich andere drum kümmern."?

Habacher: Inklusion ist für mich, wenn einer meiner Facebook-Freunde, mit dem ich in den letzten drei Wochen oft gechattet habe, Fotos getauscht habe – also jemand, den man nicht täglich sieht – dann eine Geburtstagsparty macht und eine Facebook-Einladung rausschickt und ich hingehen kann. Und ich kann dort in das Lokal hinein, ich kann dort auf die Toilette gehen und mich mit der Person betrinken. Und wenn das funktioniert…

Stöckel: In welcher Reihfolge ist es jetzt wichtig von der Priorität her? Ich habe eine Idee...

Habacher: Reinkommen, und die Toilette. Und erst dann kann ich sagen, ob ich mich betrinke oder nicht. (lacht)

Stöckel: Aber zuerst müssen Sie sich betrinken und dann müssen Sie auf die Toilette.

Habacher: Nein, zuerst muss ich schauen, ob die Toilette geht. Wenn ich betrunken bin und dann erst eine Toilette suchen muss, wird’s richtig tragisch.

Stöckel: Ah ja... (lacht)

Mehr von und über Martin Habacher unter: www.b-checker.at

Das Interview führte Leonie Höpfner.
REHACARE.de