04/10/2012

Ilses weite Welt GmbH

Interaktive Demenzbeschäftigung: Das Konzept Ilses weite Welt

Sophie Rosentreter von Ilses weite Welt
Sophie Rosentreter produziert Filme für Menschen mit Demenz. Das besondere an dem Konzept der Medienexpertin: Zu jedem Film gibt es Begleitbücher und Fühlprodukte, die eine Beschäftigung mit den Betroffenen leichter macht.

Rund 840.000 Menschen mit Demenz werden derzeit von ihren Angehörigen zu Hause betreut und versorgt, weitere 360.000 leben in Pflegeheimen. Jährlich erkranken in Deutschland rund 250.000 Menschen neu an Demenz, Tendenz steigend. Weil die Betroffenen nur noch über ihre Gefühle zu erreichen sind, fällt es den Menschen in ihrer Umgebung immer schwerer, Kontakt mit ihnen aufzunehmen und sich mit ihnen zu beschäftigen.

Die Idee: Filme und Beschäftigung für Menschen mit Demenz

Sophie Rosentreter hat ihre demenzkranke Großmutter Ilse neun Jahre lang bis zu ihrem Tod begleitet. Auf der Suche nach Beschäftigungsmaterial und Aufklärung fand sie kaum etwas Hilfreiches. Deshalb konzipiert sie heute Filme für Menschen mit Demenz, dazu thematisch abgestimmtes Beschäftigungsmaterial und ergänzende Gegenstände zum Fühlen und Ertasten.

Mit jedem ihrer Baukasten-Systeme für Sinnesaktivierungen können Angehörige zu Hause, Pflegekräfte und ehrenamtliche Helfer in Tagespflegen und Betreuungsgruppen, Senioreneinrichtungen und Demenz-Wohngemeinschaften, über 20 Stunden lang demenzkranke Menschen beschäftigen, anregen und unterhalten.

Die Themen: Alltagsituationen und liebgewordene Erinnerungen

Die in Kapitel geteilten Filme spiegeln in gemächlichem Erzähltempo die Vielfalt unseres Lebens wieder. Sie schöpfen aus Alltagsituationen, liebgewordenen Kindheitserinnerungen oder Ereignissen, an die jeder gerne zurückdenkt. Die Grundstimmung ist heiter, und es gibt keine Handlung oder filmische Elemente, die Menschen mit Demenz überfordern würden. Lange Pausen mit ziehenden Wolken, unterlegt mit leichtverdaulicher Klassik, trennen die Filmsequenzen.

Bis heute sind drei Themenprojekte entstanden:
• „Ein Tag im Tierpark“ (Seite 5)
• „Musik – gemeinsam singen“ (Seite 7)
• „Hunde – unsere treuen Freunde“ (Seite 9)

Aktuell wird mit „Haushaltsglück“ ein neues Themenprojekt realisiert. Es lebt von den Erinnerungen an eine Zeit, als der Haushalt noch Mutters ganzer Stolz war und Fleiß, Ordentlichkeit, Sauberkeit und Gewissenhaftigkeit zu den wichtigsten Tugenden der Hausfrau zählten. In der weiteren Planung ist außerdem ein Themenprojekt, das ganz den Interessen der Männer entspricht: Autoträume.

Das Ziel: Entspannte Atmosphäre und schöne Momente schaffen

Für Angehörige ist es ein besonderer Glücksmoment, wenn aufblitzt, was den geliebten Menschen einmal ausmachte, bevor ihn die Demenz so veränderte. „Das Zusammenleben mit meiner demenzkranken Oma Ilse und meine intensive Arbeit mit Menschen, die sich demenziell verändern, haben mich gelehrt: Es gibt jede Menge solcher Momente des Glücks – man muss sie nur einfangen“, sagt dazu Sophie Rosentreter.

Die ehemalige Moderatorin sieht die Aufgabe ihrer Filme darin, schöne Stimmungen zu schaffen und eine ansteckende, fröhliche Unbeschwertheit zu verbreiten. „Der Effekt ist immer wieder verblüffend“, stellt Sophie Rosentreter in ihrer Arbeit mit Betreuungsgruppen fest, „denn in einer heiteren und gelassenen Atmosphäre können plötzlich alle entspannen – Pflegende genauso wie Menschen mit Demenz. Einfach jedem zaubern kleine fiepsende Welpen, die im Hundekorb kuscheln, ein Lächeln ins Gesicht. So entsteht wie von selbst eine gemeinsame Basis für alle.“

Ist diese Grundentspannung erreicht, folgt der zweite Schritt: „Wir können dann über unsere gemeinsamen Gefühle, Empfindungen und Stimmungen Kontakt zu den Betroffenen aufnehmen. Damit das auch Menschen ohne Vorkenntnisse im Umgang mit Demenzbetroffenen gelingt, haben wir zum Film eine Beschäftigungsmappe mit Aktivierungsvorschlägen, Fotokarten und Gesprächsleitfäden entwickelt“, erläutert die Expertin.

Aufbau und Methodik des ergänzenden Materials orientieren sich dabei an den Prinzipien von Ergotherapie, Integrativer Validation und vergleichbaren Anwendungen. Man übernimmt auf diese Weise ganz intuitiv diese einfühlsamen Kommunikationsformen, die den Zugang zu Menschen mit Demenz so erleichtern.