Klicksonar: Blinde Kinder lernen von der Fledermaus

14/06/2013
Foto: Mutter mit blindem Sohn

Anja Weiß bestärkt ihren Sohn darin, mit dem Klicksonar eigene Wege zu gehen; © Lothar Kornblum/LVR

In der Frühförderstelle der Kölner LVR-Severinschule des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) lernen blinde Kinder von klein auf eine neue Methode, die ihnen dabei hilft, sich ihre Umgebung zu erschließen: Klicksonar oder Echolokalisation heißt die Technik, die mittlerweile 13 Kinder in der Schule erlernt haben.

Erfunden hat sie der US-Amerikaner Daniel Kish, der mit einem Jahr erblindete und von seinen Eltern zu einem möglichst hohen Maß an Selbstständigkeit erzogen wurde. Mittlerweile gibt der 46-jährige Entwicklungspsychologe Seminare auf der ganzen Welt und hat mit Hilfe von Klicksonar sogar das Fahrradfahren erlernt.

Beim Klicksonar wird mit der Zunge ein Klick- oder Schnalzlaut erzeugt. Dieser wird von Gegenständen oder Gebäuden in der Umgebung als Echo reflektiert und gibt dem blinden Menschen Aufschluss darüber, wo und in welcher Entfernung sich die Dinge befinden. Das Vorbild für diese Technik findet man in der Natur: Delfine und Fledermäuse orientieren sich in der Dunkelheit mit einem ganz ähnlichen Verfahren. So senden Fledermäuse Ultraschallwellen aus und können anhand des Echos sogar Insekten aufspüren ohne sie zu sehen.

Felix ist vier Jahre alt und seit seiner Geburt blind. Mit seiner Mutter Anja Weiß und Mobilitätstrainer Klaus Mönkemeyer bewegt er sich durch das Treppenhaus der LVR-Severinschule. Mönkemeyer arbeitet für das Institut für soziale Integration Sehbehinderter und Blinder e.V. (ISIS) und hat Klicksonar bei Vorträgen und Workshops von Daniel Kish kennengelernt.

Immer wieder fordert der Mobilitätstrainer Felix auf, mit der Zunge zu schnalzen. Das Geräusch, ein Klicken, wird von den Wänden und Türen im Treppenhaus reflektiert. So kann Felix schon jetzt sicher orten, wo sich eine Wand oder eine Tür befindet – ältere Kinder können sogar im Vorbeigehen per Klick Autos zählen. „Klicksonar bietet für blinde Kinder völlig neue Orientierungsmöglichkeiten", ist der Mobilitätstrainer überzeugt. „Wenn Kinder die Technik bereits in der Frühförderung üben, fällt der Lernprozess mit wichtigen Entwicklungsphasen des Gehirns zusammen, das so von Anfang an lernt, sich einen Raum akustisch zu erschließen".

Den Blindenstock kann Klicksonar nicht ersetzen, weil niedrige Gegenstände oder Vertiefungen im Boden nur schwer zu orten sind. Felix profitiert aber von einer anderen Entwicklung in der Frühförderstelle des LVR: Das Training mit dem sogenannten Langstock beginnt in Deutschland in der Regel erst mit der Einschulung. Dies hat sich in der Kölner Einrichtung nun geändert.

„Viele Eltern haben Angst, dass ihre Kinder sich verletzen könnten, wenn sie auf eigene Faust mit dem Langstock loslaufen. Gerade die ersten Lebensjahre nach dem Laufen lernen sind aber enorm wichtig, um eigene Erfahrungen zu sammeln und Selbstständigkeit zu lernen", sagt Maria Lieven, Koordinatorin in der Kölner LVR-Frühförderstelle. Die Einrichtung hat sich deshalb dazu entschieden, alle Kinder ab zwei Jahren im Umgang mit dem Langstock zu unterrichten. „Ich denke, dieser Schritt war lange überfällig und zusammen mit Klicksonar bieten wir unseren Frühförder-Kindern auf diese Art optimale Startbedingungen, um sich möglichst unabhängig bewegen können", so Lieven weiter.

Wenn Felix Gästen zeigen soll, wie gut es schon klappt mit dem Klicken, hat er manchmal auch keine Lust und geht eigene Wege. Aber das ist ja auch das Ziel der Technik: Blinden Menschen soll es ermöglicht werden, ihre eigenen Wege möglichst selbstständig zu gehen.

REHACARE.de; Quelle: Landschaftsverband Rheinland

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