Langzeitpflege in Deutschland und den Niederlanden im Vergleich

08.07.2016

Die Betreuung und Pflege älterer Menschen in Privathaushalten durch migrantische Pflegearbeiterinnen ist mittlerweile in vielen Ländern zu beobachten und ist auch in Deutschland zu einem Massenphänomen geworden. Wichtige Gründe hierfür sind einerseits die von Pflegebedürftigen sowie von Angehörigen bevorzugte Pflege zu Hause, andererseits die gleichzeitige Überlastung der Familien und Unzulänglichkeiten von Pflegediensten. Während die prekären Arbeitsbedingungen der Pflegearbeiterinnen vielmals beschrieben wurden, liegen Untersuchungen über die Gestaltung der Pflege und des Pflegealltags in diesen Arrangements kaum vor. Damit befasst sich nun ein neues Forschungsprojekt an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligt wurde.

Foto: Pflegerin reicht älterer Frau einen Teller mit Obst; Copyright: panthermedia.net/photographee.eu

DFG bewilligt internationales Forschungsprojekt zur Transnationalisierung von Langzeitpflege; © panthermedia.net/photographee.eu

Die AG Sozialpädagogik am Institut für Erziehungswissenschaft untersucht dabei unter anderem, wie Pflege in diesen Haushalten hergestellt wird, wie den Wünschen, Vorlieben und Bedürfnissen der gepflegten alten Menschen Rechnung getragen wird und welche Pflegequalität entsteht. Mit Deutschland und Holland vergleichen die Wissenschaftler zwei Länder mit sehr unterschiedlichen Langzeitpflegeregimes und Traditionen. Während Altenpflege in Deutschland stark in der Verantwortung der Familie liegt, wird sie in den Niederlanden sehr viel deutlicher als staatliche Aufgabe verstanden.

"Angesichts der gesellschaftlichen Herausforderung des zunehmenden Bedarfs an Pflege älterer Menschen und politisch bislang kaum angemessenen Reaktionen ist dieses Forschungsprojekt sozial und politisch von großer Bedeutung", so Prof. Dr. Cornelia Schweppe, Leiterin des Forschungsprojekts an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. "Schon lange wissen wir, dass die Pflege in Privathaushalten, sei es durch Angehörige und/oder ambulante Pflegedienste, keineswegs immer 'gute Pflege' ist. Die Frage nach der Pflegequalität in diesen rapide wachsenden Arrangements ist deshalb von gesellschaftspolitischer Brisanz", ergänzt Vincent Horn, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsteams.

Das Forschungsprojekt "Entwicklung und Bedeutung transnationaler Altenpflegearrangements" wurde für drei Jahre bewilligt und wird im Verbund mit der Universität Nijmegen in den Niederlanden durchgeführt. Finanziert wird es aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Netherlands Organisation for Scientific Research (NWO) im Rahmen des Open Research Area (ORA)-Programms.

REHACARE.de; Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Mehr über die Johannes Gutenberg-Universität Mainz unter: www.uni-mainz.de