Lehramtsstudium: Inklusion noch längst nicht selbstverständlich

20/04/2015
Foto: Lehrerin mit einem Schüler im Rollstuhl

Lehrkräfte müssen von Anfang an auf inklusive Beschulung vorbereitet werden, damit sie später in der Praxis gelingen kann; © panthermedia.net/ Wavebreak Media Ltd

Vom Grundschullehrer über den Studienrat am Gymnasium bis zur Berufsschullehrerin – Inklusion betrifft mittlerweile alle Lehrkräfte. In der Debatte um inklusionsorientierte Lehrerbildung legte der Monitor Lehrerbildung nun erstmals Daten vor. Diese zeigen, dass in Deutschland längst nicht alle Lehramtsstudierenden hinreichend auf ihre Arbeit in einem inklusiven Schulsystem vorbereitet werden.

Mehr als eine halbe Millionen Schüler in Deutschland haben einen besonderen Förderbedarf. Inzwischen werden über 28 Prozent von ihnen an Regelschulen unterrichtet. An deutschen Hochschulen sind Inklusion und Umgang mit Vielfalt in der Lehrerbildung allerdings noch keine Selbstverständlichkeit. Lediglich sieben Prozent aller Hochschulen haben Inklusion im Curriculum, also sowohl in den Bildungswissenschaften als auch in den Fachwissenschaften und der Fachdidaktik verankert. Dies ergab eine aktuelle Untersuchung im Rahmen des Monitors Lehrerbildung, deren Ergebnisse in einer Publikation ab sofort online zur Verfügung stehen.

Inklusion als Querschnittsthema gleichermaßen in den Bildungs- und Fachwissenschaften sowie in der Fachdidaktik zu implementieren, ist einer von drei wichtigen Erfolgsfaktoren inklusionsorientierter Lehrerbildung. Daneben sollten Studierende aller Lehramtstypen Veranstaltungen zu Inklusion besuchen und Praktika in inklusiven Schulen absolvieren. Weniger als die Hälfte der befragten Hochschulen gab an, zumindest einen der drei Erfolgsfaktoren inklusionsorientierter Lehrerbildung umzusetzen. Nur vier Hochschulen sehen Praktika in inklusiven Settings verpflichtend für alle Studierenden vor. Keine einzige Hochschule setzt alle drei Maßnahmen umfassend in der Lehrerbildung ein.

"Die Lehrerbildung an den Hochschulen ist zentral für gelingende Inklusion. Guten inklusiven Unterricht erlernen Lehramtsstudierende am besten, wenn sich das Thema als roter Faden durch das gesamte Curriculum zieht", sagt Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung und Geschäftsführer des CHE Centrum für Hochschulentwicklung.

Die Experten vom Monitor Lehrerbildung empfehlen den Hochschulen deshalb Inklusionskonzepte und -maßnahmen möglichst ohne Verzögerung einzuführen, sowie ihre Umsetzung durch Begleitforschung kontinuierlich zu verbessern. Bestandteil jedes Lehramtsstudiums müssten frühzeitige Praxiserfahrungen in inklusiven Umgebungen sein. Ein bundesweit einheitliches Verständnis von Inklusion und ihren Zielen könnte diese Aktivitäten maßgeblich unterstützen. "Die gesamte Lehrerbildung muss auf die Erfordernisse inklusiver Schulpraxis hin neu gestaltet und strukturiert werden", fordert Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Deutsche Telekom Stiftung: "Gleichzeitig müssen wir flächendeckend sowohl Lehrerbildner als auch Lehrkräfte, die heute im System sind, durch Fortbildungen für inklusives Arbeiten qualifizieren."

Weitere Untersuchungsergebnisse und Empfehlungen beinhaltet die aktuelle Publikation des Monitors Lehrerbildung "Inklusionsorientierte Lehrerbildung – vom Schlagwort zur Realität?!". Diese liefert erstmalig Daten zum Thema auf Grundlage einer Befragung, an der sich 65 von 70 deutschen Hochschulen und alle 16 Länder beteiligt haben.

Der Monitor Lehrerbildung ist die bundesweit einzige Datenbank zum Lehramtsstudium. Unter www.monitor-lehrerbildung.de sind insgesamt mehr als 8.000 relevante Daten und Fakten zur ersten Phase der Lehrerbildung übersichtlich dargestellt. In der Publikation zur Inklusion werden Daten aus dem Monitor Lehrerbildung themenfokussiert ausgewertet und durch Einschätzungen von Experten vervollständigt. Sie ist kostenlos verfügbar auf der Website des Monitors Lehrerbildung. An der Erhebung im Herbst 2014 nahmen 65 von 70 befragten Hochschulen und alle 16 Länder teil.

Viele weitere aktualisierte Daten zu Inklusion und anderen Themen auf Länder und Hochschuleben sind ab dem 11. Mai 2015 auf der Homepage www.monitor-lehrerbildung.de verfügbar. Der Monitor Lehrerbildung ist ein gemeinsames Projekt von Bertelsmann Stiftung, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.

REHACARE.de; Quelle: CHE Centrum für Hochschulentwicklung

Mehr über das CHE Centrum für Hochschulentwicklung unter: www.che.de