Mögliche Vorzeichen von MS entdeckt

Foto: Forscherin untersucht Blutproben 

Schon zwei bis drei Jahre vor der Diagnose sinken im Blut der Multiple-Sklerose-Patienten die Vitamin-D-Werte. Gleichzeitig nimmt die Stärke der Antikörper-Immunantwort gegen das Epstein-Barr-Virus, das verdächtigt wird, an der Entstehung von Multipler Sklerose beteiligt zu sein, zu.

Die Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus und niedrige Vitamin-D-Werte werden zurzeit als wichtige Risikofaktoren für die Entwicklung einer Multiplen Sklerose diskutiert. Um diesen Verdacht zu überprüfen, untersuchten Andrew Chan und seine Kollegen von der Ruhr-Universität-Bochum Blutproben von 25 Multiple-Sklerose-Patienten, die schon vor ihrer Diagnose Blut gespendet hatten. Hierbei wurden Proben untersucht, die mehr als sieben Jahre vor der Diagnose abgegeben wurden, aber auch Proben, die erst zwei Monate vor den ersten klinischen Symptomen von Multiples Sklerose entnommen wurden. Zum Vergleich analysierten die Forscher Blutproben gleichaltriger gesunder Kontrollpersonen.

Die Untersuchungen konnten zeigen, dass die Vitamin-D-Werte der späteren Patienten schon zwei Jahre vor der Diagnose geringer waren als die der gesunden Personen (47,8 Nanomol pro Liter Blut gegenüber 81,6 Nanomol pro Liter). Nach der Diagnosestellung waren die Werte noch einmal um fast die Hälfte niedriger als zuvor. „Schon frühere Studien haben gezeigt, dass niedrige Vitamin-D-Werte besonders im jungen Lebensalter das Risiko für die Entstehung der Multiplen Sklerose erhöhen. Wir sehen ein Absinken insbesondere innerhalb der zwei Jahre vor dem Auftreten der klinischen Symptome“, erklärt Chan. Warum die Vitamin-D-Werte so niedrig lagen, können die Forscher nicht nachvollziehen. Mögliche Faktoren ist neben der Ernährung auch die Sonnenlichteinstrahlung auf die Haut.

Die Immunantwort gegen das Epstein-Barr-Virus hingegen fiel bei den späteren Multiple-Sklerose-Patienten schon drei Jahre vor der Diagnose deutlich stärker aus als bei nicht erkrankten Menschen. Das Epstein-Barr-Virus (EBV) gehört zur Familie der Herpesviren. Viele Menschen stecken sich als Kinder damit an und haben dabei keine Symptome. Im Alter von 40 Jahren sind bei 98 Prozent aller Menschen Antikörper nachweisbar. Das Virus bleibt lebenslang im Körper.

Erst später als Jugendliche oder Erwachse erkranken 30 bis 60 Prozent der Infizierten am Pfeifferschen Drüsenfieber. Diese Krankheit kann ebenfalls durch das Epstein-Barr-Virus ausgelöst werden. „Einen direkten Zusammenhang zwischen den beiden Faktoren Vitamin D und Immunantwort auf das Epstein-Barr-Virus konnten wir bisher nicht nachweisen“, sagt Chan. „Wir können ihn aber auch nicht ausschließen. Denn Vitamin D ist vermutlich ein wichtiger Einflussfaktor auf das Immunsystem.“ Die Wissenschaftler betonen, dass diese Ergebnisse noch in größeren Studien genau überprüft werden müssen: „Diese Daten führen zunächst zu Hypothesen und sind von Bedeutung, zum Beispiel für weitere klinische Studien mit Vitamin D. Zu einer ‚Früherkennung‘ der MS oder einer Bezifferung des Risikos kann man sie nicht heranziehen."

REHACARE.de; Quelle: Ruhr-Universität Bochum (RUB)

- Mehr über die Ruhr-Universität Bochum (RUB) unter: www.ruhr-uni-bochum.de