Mobilität für unterwegs: Apps als Alltagshelfer

01.07.2016

Sie sind klein, bunt und hilfreich: die zahlreichen Apps auf dem Smartphone-Display. Sie informieren über das Wetter, unterhalten uns und können auch dabei helfen, im Alltag besser zurechtzukommen. Immer mehr dieser mobilen Anwendungen gehen dabei auch auf Menschen mit Behinderung und Senioren ein – etwa wenn es um Hilfe bei der Navigation oder im Verkehr geht.

Foto: Rollstuhlfahrerin steht vor einem Aufzug und hält ein Smartphone in der Hand; Copyright: Andi Weiland | Sozialhelden e.V.

Immer mehr Apps sind auch speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung ausgerichtet; © Andi Weiland | Sozialhelden e.V.

Mobil zu sein und vor allem zu bleiben, ist wichtig. Das Projekt mobisaar hat es sich daher zum Ziel gemacht, die Mobilitätsmöglichkeiten für ältere und behinderte Menschen im öffentlichen Personennahverkehr im Saarland zu verbessern. Sogenannte Mobilitätslotsen können über die Fahrgast-App vor Fahrtbeginn angefordert werden. Sie bieten sowohl Ein- und Ausstiegshilfe für Bus und Bahn als auch die Begleitung von der Haustür zum Zielort an. Die Lotsen-App koordiniert die eingehenden Anfragen und erkennt, welche Lotsen gerade für neue Aufträge zur Verfügung stehen. Fahrgäste können die Dienstleistung aber auch über ein Online-Formular, per E-Mail oder telefonisch buchen.

Während die mobile Anwendung von mobisaar eher als Vermittler funktioniert, gibt es auch Apps, die direkt zum Helfer werden – und zwar vor allem für Menschen mit Sehbehinderungen. Apps wie BlindSquare oder Ariadne GPS ermöglichen es blinden Menschen, sich auch in fremden Umgebungen zu orientieren. Über GPS wird das Smartphone zum Navigationssystem. Ob Bushaltestellen, Restaurants oder Sehenswürdigkeiten – die blinde Person wird mit den gewünschten Informationen versorgt.

Extraportion Barrierefreiheit

Die Taxi-App uber führte im Sommer 2015 den Extra-Service uberASSIST ein – erst in den USA, dann in London. Dieser soll gewährleisten, dass Fahrgäste mit Behinderung speziell geschulte Fahrer erhalten. Für diesen Service fallen keine Extrakosten an und er ist direkt über die Standard-App buchbar.

Seit Mai 2016 können uber-Fahrgäste in London nun außerdem rollstuhlgerechte Fahrzeuge mit uberWAV buchen. Diese neue Funktion wird ebenfalls zum gleichen Preis zur Verfügung gestellt. Dieses Angebot stellt laut uber eine Ergänzung zu den sowieso barrierefreien Black Cabs in London dar.

Ob einen das Taxi oder die Bahn zum Café der Wahl bringen soll, hängt in der Regel auch davon ab, ob dieses überhaupt rollstuhlgerecht ist und über eine barrierefreie Toilette verfügt. Solche Informationen können über die in Deutschland entwickelte wheelmap-App abgerufen werden. Hier markieren Nutzer weltweit Orte als "nicht", "teilweise" oder "voll rollstuhlgerecht". Die Abstufungen werden farblich nach Ampelsystem markiert. Außerdem gibt es Kategorien, um sich beispielsweise nur Restaurants oder Kulturstätten anzeigen zu lassen. Nach ähnlichem Prinzip funktioniert auch die App MyHandicap.

Foto: Screenshot von der Online-Karte von wheelmap.org; Copyright: SOZIALHELDEN e.V.

In der wheelmap-App kann man rollstuhlgerechte Orte auf der ganzen Welt markieren und natürlich auch danach suchen; © SOZIALHELDEN e.V.

Mobilität für die Hosentasche

Gerade für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist es wichtig zu wissen, ob beispielsweise in der nächsten U-Bahn-Station der Aufzug funktioniert. Als Projekt des Berliner Vereins SOZIALHELDEN, der auch die wheelmap-App entwickelte, und des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg wurde daher brokenlifts.org ins Leben gerufen. "Als Datenbasis werden viertelstündlich die Aufzugstörungsinformationen der Berliner S-Bahn und der BVG abgerufen, analysiert und gebündelt", heißt es auf der Webseite. Bei aller Sorgfalt könne allerdings keine Haftung für die absolute Richtigkeit der Daten übernommen werden. Eine Erweiterung um die Region Brandenburg sei außerdem in Planung.

Spezielle Projekte wie diese werden von der Zielgruppe gerne angenommen. Immerhin bedarf es einiger Planung im Voraus, wenn man mit dem Rollstuhl unterwegs ist. Da möchte niemand, die böse Überraschung erst am Bahnsteig erleben.

Und ob es nun um funktionierende Aufzüge, barrierefreie Orte in der unmittelbaren Umgebung oder blindengerechte Fußgängernavigation geht, solche mobilen Anwendungen für die Hosentasche können dabei helfen, selbstbestimmt voranzukommen.

Foto: Nadine Lormis; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann


Nadine Lormis
REHACARE.de

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