NEBIAS: Prothese mit intelligentem Tastvermögen

07.11.2014
Foto: Zwei Männer beim Armdrücken, einer trägt Prothese

Die Forscher haben eine neue neuronale Schnittstelle erstellt, die Sinneseindrücke von einer künstlichen Hand ans Gehirn leiten kann; © LifeHand2

Es wurde eine Handprothese entwickelt, die ausreichendes Tastvermögen bietet, um ein Ei zu fassen. Diese wird nun vom Projekt NEBIAS nach zehn Jahren EU-finanzierter Forschung genutzt. Die derzeit fortschrittlichste bionische Hand der Welt wurde mit Hilfe von Dennis Aabo Sørensen getestet, der auf Anhieb Gegenstände greifen und bei verbundenen Augen feststellen konnte, was er gerade berührte.

Die Forscher haben eine neue neuronale Schnittstelle erstellt, die Sinneseindrücke von einer künstlichen Hand ans Gehirn leiten kann. Diese Schnittstelle verbindet das Nervensystem des Patienten mit den künstlichen Sensoren, die in die Prothese integriert sind. Somit kann der Verwender komplexe Hand- und Fingerbewegungen steuern.

Sørensen, dessen Hand vor zehn Jahren amputiert wurde, nahm an den Versuchen des Projekts teil: "Sie gaben mir einen Baseball, den ich greifen sollte, und zum ersten Mal seit zehn Jahren konnte ich fühlen, dass ich etwas Rundes in meiner Handprothese halte."

Damit Sørensen die Form des Gegenstands, den er hielt, fühlen konnte, mussten Forscher zuerst eine selektive neuronale Schnittstelle entwickeln, die implantiert werden kann. "Selektiv bedeutet zum Beispiel, dass, wenn ich mit Ihnen in einer Menschenmenge spreche, ich nicht mit einer Person neben Ihnen spreche. Anders ausgedrückt haben die Elektroden eine Schnittstelle mit einigen Bereichen der Nerven und nicht mit anderen, die sich in der Nähe befinden", erklärt der Projektkoordinator Silvestro Micera. Micera und sein Team haben die künstliche Hand mit Sensoren ausgestattet, die Informationen zum Tasten erfassen, die in Echtzeit an den Patienten gesendet werden. Dadurch ist eine natürliche Steuerung der Hand möglich.

Die ersten Tests bestand der Prototyp mit Bravour. Der nächste Schritt besteht darin, zwei oder drei Personen zu finden, die die Prothese mit allen Bestandteilen, die getragen oder implantiert werden können, einige Jahre lang testen. Wenn dies funktioniert, wäre der letzte Schritt ein großflächiger klinischer Versuch in von jetzt an gerechnet fünf bis sechs Jahren, mit dem ermittelt werden soll, ob die Prothese weitflächig verwendet werden kann. Micera ist der festen Überzeugung, dass die Prothese in zehn Jahren erhältlich ist.

REHACARE.de; Quelle: European Commission, CORDIS

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