Neue Richtlinien für die Behandlung der diabetischen Netzhautdegeneration

15.07.2015
Foto: Beschädigte Retina eines Diabetes-Patienten

Die diabetische Netzhautdegeneration ist wie die altersbedingte Makula-Degeneration eine der häufigsten Ursachen für Erblindung; © panthermedia.net/memorisz

Rund 600.000 Österreicher haben Diabetes. Die Erkrankung ist sehr oft mit schweren Netzhauterkrankungen verbunden. Die diabetische Netzhautdegeneration ist wie die altersbedingte Makula-Degeneration eine der häufigsten Ursachen für Erblindung. Für beide Erkrankungen wurde die Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie der MedUni Wien von der Europäischen Gesellschaft für Netzhautspezialisten (EURETINA) als Koordinator für die Entwicklung von aktuellen Guidelines für Therapie und Diagnostik gewählt.

Die Ergebnisse einer im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie, bei der die Effizienz mehrerer Medikamente bei diabetischer Makula-Degeneration verglichen wurde, werden nun im Vienna Reading Center an der MedUni Wien noch genauer analysiert. "Das Vienna Reading Center ist eines der führenden Zentren weltweit, zur Analyse von Bildern der menschlichen Netzhaut", sagte Ursula Schmidt-Erfurth, Leiterin der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie der MedUni Wien bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien. "Unsere Analysen und Studien bilden auch eine Basis für die Zulassung neuer Medikamente." Für die Behandlung der diabetischen Netzhautdegeneration zeigten aktuelle Studien des Vienna Reading Centers, dass ein Arzneimittel anderen Mitteln überlegen sein könnte", so Schmidt-Erfurth. "Diabetiker sind ganz besonders auf normales Sehvermögen angewiesen, allein zum täglichen Einstellen ihres Blutzuckers."

Bei der Makuladegeneration handelt es sich um die weltweit häufigste Augenerkrankung, allein in Europa erkranken jährlich rund fünf Millionen Menschen daran. Die Degeneration der Augennetzhaut sorgt für einen allmählichen Funktionsverlust der Zellen und führt zu fortschreitendem Gesichtsfeldverlusten. Das Auge erkennt das Umfeld, aber das zentrale Sehfeld wird unscharf. Die Symptome können altersbedingt oder als Folge einer diabetischen Erkrankung auftreten. Behandelt wird sehr erfolgreich mittels Injektionen mit den genannten gefäßhemmenden Mitteln, vollständig zu Lasten der Klinik.

Die Richtlinien der EURETINA-Arbeitsgruppe mit den führenden Netzhaut-Experten der größten Augenkliniken Europas sind internationale Empfehlungen für behandelnde Ärzte und Kliniken. "An diesen Richtlinien können sich die Mediziner orientieren und ihre Behandlungsmethoden abgleichen. Das gibt ihnen und ihren Patienten die Sicherheit, mit Therapien behandelt zu werden, die sich auf dem neuesten Stand der Wissenschaft befinden", erklärt Schmidt-Erfurth. Für den internationalen Einsatz der Netzhautexpertin wurde sie in diesem Jahr zur Präsidentin der EURETINA gewählt, der größten Vereinigung mit über 5.000 Teilnehmer.

Schon im Jahr 2014 hatte die EURETINA-Arbeitsgruppe unter Leitung von Ursula Schmidt-Erfurth die Guidelines für die altersbedingte Makuladegeneration entworfen. Weitere Guidelines zur Behandlung von Gefäßverschlüssen im Auge und zur Netzhautchirurgie sind in Arbeit.

REHACARE.de; Quelle: Medical University of Vienna

Mehr über die Medical University of Vienna unter: www.meduniwien.ac.at