Online-Kommunikation für ältere Menschen

Ältere Menschen sind häufiger von sozialer Isolation betroffen als jüngere. Kommunikationstechnik könnte helfen, dem entgegenzuwirken. Doch es scheitert meist an der komplexen Handhabung der Geräte. Im Projekt BRELOMATE hat die Fachhochschule St. Pölten einen Prototyp für ein Online-Spiel entworfen, der nun zu einer marktreifen Spiele-, Informations- und Kommunikationsplattform entwickelt werden soll.

01/02/2016

 
Foto: zwei ältere Herren testen die Brelomate am Bildschirm sitzend

Senioren testen die Kommunikationsplattform BRELOMATE; © FH St. Pölten/Mark Hammer

"Die soziale Umwelt und Lebensqualität älterer, einsamkeitsgefährdeter Menschen könnte durch die Integration in die Welt der Kommunikationstechnologie verbessert und gefördert werden. Einfache Bedienung ist aber eine wesentliche Voraussetzung, damit ältere Menschen diese Angebote nutzen", sagt Projektleiter Jakob Doppler, FH-Dozent am Department Medien und Digitale Technologien der FH St. Pölten.

Er koordiniert das Projekt BRELOMATE 2 (Breaking Loneliness with Mobile Interaction and Communication Technology for Elderly). In dem Vorhaben untersucht die FH St. Pölten in Kooperation mit der Firma kabelplus, wie Fernseher mit einem Steuerungstablet zum benutzerfreundlichen und kostengünstigen Herzstück einer Spiele-, Informations- und Kommunikationsplattform für ältere Menschen gemacht werden können.

Basis dafür ist ein Prototyp aus einem Vorläuferprojekt für eine Second-Screen-Variante des Kartenspiels "Schnapsen", die über Tablet und Fernseher gespielt wird. Mittels Videotelefonie können sich die Spieler gleichzeitig unterhalten. Dieser Prototyp soll nun zur Marktreife entwickelt und in einer Feldstudie getestet werden.

"Die Idee, das beliebte TV-Gerät über eine sogenannte Set-top-Box als Schnittstelle gemeinsam mit einem Tablet als Plattform zu nutzen, ist einzigartig. Das schafft eine neue Interaktionsqualität bei Spiele- und Online-Diensten für ältere Menschen. Dadurch fördert BRELOMATE die Autonomie und Partizipation älterer, mobilitätseingeschränkter Menschen bei moderner Online-Kommunikation", so Doppler.

"In dem Projekt können wir gemeinsam mit der Fachhochschule einen wesentlichen Beitrag zum Entwickeln des interaktiven Fernsehens der Zukunft und von hilfreichen Online-Diensten für Senioren leisten", sagt Manfred Binter, Prokurist von kabelplus.

Die Teilnahme älterer Menschen an neuen, digitalen Kommunikationsmöglichkeiten scheitert jedoch meist nicht am Desinteresse an der Technik, sondern an deren Komplexität. Ziel ist es daher, eine bedürfnisorientierte, einfach bedienbare und leistbare Plattform zu schaffen und Menschen früh einzubinden.

"Ältere Menschen waren von Anfang an in den Entwicklungsprozess eingebunden. Dies ist sehr wichtig, um eine bedürfnisgerechte Entwicklung sicherzustellen. Die Testpersonen beschrieben den Prototyp des Vorläuferprojekts als einmalig, lebendig, bequem einfach und schnell erlernbar", sagt Johannes Pflegerl, Leiter des Projekts zur Prototypentwicklung und des Ilse Arlt Instituts für Soziale Inklusionsforschung der FH St. Pölten.

Mitarbeiter des Service- und Kompetenzzentrums für Innovatives Lehren & Lernen (SKILL) der FH St. Pölten entwickelten ein didaktisches Konzept zum Projekt. Es soll Lernprozesse der potentiellen Nutzer mit der entwickelten Plattform anregen und unterstützen.

Dazu gehört unter anderem ein Drehbuch für die Einschulung und das Vermitteln der Funktionen des Spiels durch andere Senioren oder "Technikbotschafter", etwa junge Menschen oder helfende Personen im Umfeld der älteren Personen.

Beteiligt ist an dem Projekt auch das Department Informatik und Security der FH St. Pölten. Es untersucht die IT-Sicherheit des Systems.

REHACARE.de; Quelle: Fachhochschule St. Pölten

Mehr über die Fachhochschule St. Pölten unter: www.fhstp.ac.at