Optimale Ernährung im Alter

12.10.2016

Wie ernährt man sich im Alter optimal? Das ist eine zentrale Frage in unserer Gesellschaft, die sich im demographischen Wandel befindet. Die Gießener Senioren Langzeitstudie (GISELA), die am Institut für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) vor mehr als 20 Jahren begonnen hat, bringt Licht in die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit im Alter.
Foto: Frau spricht mit älterer Frau über die GISELA-Studie; Copyright: Katrina Friese

Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer zeigten großes Interesse an den Ergebnissen der GISELA-Studie, an der sie über zwei Jahrzehnte mitwirkten; © Katrina Friese

Zu verdanken sind diese Studienergebnisse vor allem rund 590 Seniorinnen und Senioren, die über zwei Jahrzehnte lang regelmäßig zu Messungen und Befragungen ins Institut für Ernährungswissenschaft gekommen sind.

Die GISELA-Studie ist eine prospektive Kohortenstudie zum Ernährungs- und Gesundheitsstatus älterer Menschen im Verlauf des Alterns. Sie wurde im Jahr 1994 von Prof. Dr. Monika Neuhäuser-Berthold initiiert, Leiterin der Arbeitsgruppe Ernährung des Menschen am Institut für Ernährungswissenschaft der JLU. Anlass hierfür waren die zunehmende Lebenserwartung und der wachsende Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung bei gleichzeitig unzureichender Datengrundlage für spezielle Empfehlungen zur Ernährung im fortgeschrittenen Alter.

Das Ziel der Studie ist die Erforschung der wechselseitigen Beziehungen zwischen den altersabhängigen Veränderungen der Körpermasse und des Energieumsatzes sowie den darauf Einfluss nehmenden Faktoren. Weitere Fragestellungen betreffen Veränderungen in der Muskelkraft, den Knochenstatus und das Osteoporose-Risiko sowie den Einfluss des Ernährungsverhaltens und der Nährstoffzufuhr auf ausgewählte Blutparameter.

So konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem zeigen, dass der Energieumsatz im Alter nicht generell abnimmt, sondern mit zunehmender Anzahl chronischer Erkrankungen steigt. Dies führt zu unerwünschten Veränderungen und Verlusten der Körpermasse, sofern nicht durch adäquate Maßnahmen gegengesteuert wird. Die mit fortschreitendem Alter beobachteten Verluste an der fettfreien Körpermasse, bzw. Muskelmasse gehen im jüngeren Seniorenalter zunächst mit einer Zunahme an Fettmasse einher, sodass sich die Körpermasse insgesamt nur wenig ändert.

Weitere Analysen zeigten, dass ein hoher Anteil an Körperfett mit niedrigeren Vitamin-D-Spiegeln im Blut einhergeht. Auch die Beobachtung, dass ältere Männer im Vergleich zu älteren Frauen niedrigere Vitamin-C-Plasmakonzentrationen aufweisen, konnte im Rahmen der GISELA Studie mit Unterschieden in der fettfreien Körpermasse erklärt werden. Durch den im Allgemeinen geringeren Körperfettgehalt ergibt sich bei den Männern ein größeres Verteilungsvolumen für das wasserlösliche Vitamin C.

Hinsichtlich der Knochenstabilität erwies sich ebenfalls die Körperzusammensetzung als bedeutsam. Es konnte festgestellt werden, dass Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer mit einem größeren Anteil an fettfreier Körpermasse (und damit an Muskelmasse) stabilere Knochen hatten als solche mit einem hohen Körperfettgehalt. Der Erhalt der Muskelmasse im fortgeschrittenen Alter ist somit nicht nur in Bezug auf die Muskelkraft wichtig, sondern auch bedeutsam für den Ernährungs- und Gesundheitsstatus allgemein.

Diese und weitere bisherige Ergebnisse der GISELA-Studie wurden auf nationalen und internationalen Tagungen präsentiert und in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht. Sie waren zudem Gegenstand mehrerer Dissertationen. Nach Abschluss der Erhebungsphase ist die Arbeitsgruppe gegenwärtig mit den Analysen und Auswertungen der Verlaufsdaten beschäftigt. Von den weiteren Ergebnissen wird erwartet, dass sie Grundlagen für die Ermittlung von Referenzwerten für den Energie- und Nährstoffbedarf älterer Menschen dienen, die derzeit noch unbekannt sind.

Für die Teilnahme an der Studie konnten 587 gesundheitsbewusste und aktive Seniorinnen und Senioren aus Gießen und Umgebung gewonnen werden. Das Durchschnittsalter der Probandinnen und Probanden lag bei Studieneintritt bei 67 Jahren. Neben den Seniorinnen und Senioren kooperierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch mit Studierenden, die bei der Durchführung der Studie halfen, sowie mit Kolleginnen und Kollegen aus dem klinischen Bereich. Durch den langen Zeitraum mit engmaschigen Messwiederholungen, insbesondere zum Energieumsatz und biochemischen Markern des Ernährungsstatus, besitzt die GISELA-Studie national wie international ein Alleinstellungsmerkmal.

Zu den Untersuchungen kamen die Probandinnen und Probanden alle zwei Jahre jeweils frühmorgens nüchtern ins Institut für Ernährungswissenschaft. Im Anschluss an die Messungen und die Blutentnahme bestand bei einem Frühstück Gelegenheit zu Fragen, Gesprächen und dem Austausch zwischen Probandinnen und Probanden sowie den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Über den langen Zeitraum von zwei Jahrzehnten hat sich ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den Probandinnen und Probanden und den Mitarbeiterinnen des Instituts entwickelt.

"Die Studienteilnehmerinnen haben über viele Jahre ein bemerkenswertes Engagement bewiesen", so Prof. Neuhäuser-Berthold. "Sie nahmen die Erfüllung der Studienbedingungen sehr ernst und haben so einen wertvollen Beitrag zur wissenschaftlichen Auswertung der Daten beigetragen."

REHACARE.de; Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen

Mehr über die Justus-Liebig-Universität Gießen unter: www.uni-giessen.de