Pflege: Ausbildungs-Reform soll Nachwuchs begeistern

01.08.2016

Aus drei mach eins: Nach diesem Prinzip sollen künftig die Ausbildungsgänge der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und der Altenpflege zusammengefasst werden. Das sogenannte Pflegeberufsreformgesetz wurde bereits am 13. Januar 2016 von der Bundesregierung verabschiedet. Doch was bedeutet diese Reform für die Zukunft der Pflege?

Foto: Pflegerin mit einer älteren Dame im Rollstuhl; Copyright: panthermedia.net/alexraths

Die neue Ausbildungs-Reform soll unter anderem für mehr Nachwuchs in der Pflege sorgen; © panthermedia.net/alexraths

Der demografische Wandel wird in den nächsten Jahren dafür sorgen, dass der Bedarf an gut ausgebildetem Pflegepersonal weiterhin steigt. "Deshalb müssen wir den Zukunftsberuf Pflege jetzt noch attraktiver machen," sagt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe in einer Pressemitteilung. "Mit der neuen Pflegeausbildung machen wir unsere Pflegekräfte fit für die veränderten Anforderungen in der Pflege: Pflegekräfte müssen in Altenheimen zunehmend auch mehrfach und chronisch Kranke versorgen. Und eine Pflegekraft im Krankenhaus braucht Kenntnisse in der Versorgung Demenzkranker. Gleichzeitig bekommen Pflegefachfrauen und -männer künftig mehr Chancen, sich beruflich weiterzuentwickeln. Das nutzt allen: den Pflegekräften wie den Pflegebedürftigen."

Herausforderung Pflege

Erst kürzlich belegte die von der Robert Bosch Stiftung geförderte Studie "Demenz im Allgemeinkrankenhaus. Prävalenz und Versorgungssituation" der Hochschule Mannheim und der Technischen Universität München, dass Menschen mit Demenz eine Herausforderung für das Krankenhauspersonal darstellen. Insgesamt 40 Prozent aller über 65-jährigen Patienten in Allgemeinkrankenhäusern weisen kognitive Beeinträchtigungen auf, fast jeder Fünfte hat Demenz.

Doch das Personal in Krankenhäusern ist oftmals nicht ausreichend auf Patienten mit Demenz vorbereitet. Und auch in Pflegeheimen nimmt der medizinische Behandlungsbedarf der Bewohnerinnen und Bewohner zu. Eine umfassende Qualifikation wird daher immer wichtiger.

Genau hier setzt die generalistische Pflegeausbildung an: Die neue dreijährige Fachkraftausbildung soll nicht mehr in Kinderkranken-, Kranken- und Altenpflege unterteilt werden, sondern zu einem einheitlichen Berufsbild zusammengeführt werden. Die so ausgebildeten Pflegekräfte sollen am Ende in der Lage sein, Menschen aller Altersgruppen gut pflegen zu können.

Reform ist umstritten

Doch die Reform sorgt für Diskussionen in der Pflegefachwelt. Denn es gibt Vor- und Nachteile: Die vielseitige Ausbildung sorgt dafür, dass die Pflegekräfte deutlich flexibler einsetzbar sind – beispielsweise in ambulanten Pflegediensten, Pflegeheimen, Tages- und Nachpflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Hospizen und anderen Wohnformen. Dies soll zusätzlich dazu führen, dass der Pflegeberuf wieder attraktiver für potentiellen Nachwuchs wird. Unter anderem weil die Reform zusätzlich eine Befreiung vom Schulgeld, die Einführung einer tariflich geregelten Ausbildungsvergütung sowie die Einführung eines weiterqualifizierenden Pflegestudiums vorsieht.

Als großer Nachteil wird dagegen diskutiert, dass sich die Ausbildungsinhalte der drei Berufe durch die Zusammenführung nun auf einen gemeinsamen Nenner beschränken werden. Befürchtet wird, dass die Ausbildung inhaltlich nicht mehr so in die Tiefe geht und viele Inhalte nachträglich über Weiterbildungen erworben werden müssen.

Zwar stehen die konkreten Rahmenbedingungen für die neue Pflegeausbildung noch nicht fest, aber daran wird bereits gearbeitet. Es müssen auch noch Musterrahmenausbildungs- und -lehrpläne entwickelt werden. Pflegeschulen und Ausbildungsbetriebe werden demnach noch etwas Zeit haben, sich auf die neue Ausbildung einzustellen.

Der erste Jahrgang neuer Pflegeschülerinnen und -schüler wird voraussichtlich zum 1. Januar 2018 in die Ausbildung beginnen können. Welchen Beruf sie dann genau erlernen, ist bis jetzt allerdings noch nicht ganz klar. Eine konkrete Bezeichnung für den zu erlangenden Abschluss steht noch aus. Zur Debatte stehen derzeit Begriffe wie "Pflegefachkraft" oder "Generalistische Pflegefachkraft".

Foto: Nadine Lormis; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann


Nadine Lormis
REHACARE.de

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