Pflegepersonal altert – gesundheitsfördernde Schulungen werden wichtiger

06.11.2013
Foto: Pflegerin mit älterer Dame

Besonders den älteren Fachkräften macht der Druck gesundheitlich zu schaffen; © Rüdiger Rebmann/panthermedia.net

Wissenschaftler der Universität Bremen haben 600 Fachkräfte der Stiftung katholische Altenhilfe des Bistums Hildesheim und des Caritasverbandes untersucht und eine Bedarfsanalyse erstellt.

Deutschland hat in der Pflege nicht nur einen Fachkräftemangel. Problematisch ist auch die alternde Belegschaft in den Einrichtungen. Im Jahr 2009 war ein Viertel des Pflegepersonals bereits älter als 50 Jahre. Aufgrund des Geburtenrückgangs und rückläufiger Bewerberzahlen geht der Anteil der unter 35-Jährigen immer weiter zurück. Dabei führen immer höhere Ansprüche an den Pflegeberuf, belastende Arbeitsbedingungen und Fachkräftemangel zu enormen Anforderungen an die Mitarbeiter in der Pflege.

Besonders den älteren Fachkräften macht dieser Druck gesundheitlich zu schaffen. Sie sind es, die im Vergleich zu den jüngeren Beschäftigten deutlich mehr von Schulungsangebotenen zur Förderung der Gesundheit profitieren. Das belegt eine aktuelle Studie des Instituts für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen. Sie wurde im Rahmen des Programms „rückenwind – Für die Beschäftigten in der Sozialwirtschaft“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds mit rund 280.000 Euro gefördert.

Im Rahmen der Studie haben die Wissenschaftler die Arbeitsbedingungen von rund 600 Fachkräften der Stiftung katholische Altenhilfe des Bistums Hildesheim und des Caritasverbandes untersucht. Von Oktober 2010 bis September 2013 erstellten sie eine mitarbeiterbezogene Bedarfsanalyse. Auf dieser Basis erfolgte die Entwicklung und Umsetzung von Schulungskonzepten zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Im Mittelpunkt standen Schulungen zum Umgang mit berufsbedingtem Stress, Konflikten und zur Rückengesundheit.

Die Studie ergibt, dass insbesondere ältere Mitarbeiter von der Teilnahme an den Schulungsangeboten profitieren: Fast ein Drittel der über 51-Jährigen (28 Prozent) berichtet von einer Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes. In der Altersgruppe der 18- bis 44-Jährigen sind es dagegen nur 13 Prozent.

Auch in Bezug auf den Umgang mit psychischen und körperlichen Belastungen benennen vor allem ältere Beschäftigte ab 51 Jahre positive Effekte durch die Teilnahme an den Schulungen: So haben 38 Prozent der über 51-Jährigen weniger psychische und 19 Prozent geringere körperliche Belastungen.

Anders dagegen bei den 45- bis 51-Jährigen: Hier empfinden nur 15 Prozent eine psychische Belastungsreduzierung. Eine Verringerung von körperlichen Belastungen wird nicht wahrgenommen. Auch bei der jüngsten Altersgruppe, den 18- bis 44-Jährigen, fallen die positiven Effekte durch die Schulungsmaßnahmen geringer im Vergleich zu den über 51-Jährigen aus: Hier sehen 23 Prozent eine Reduzierung der psychischen und 5 Prozent eine Verringerung der körperlichen Belastungen durch die Teilnahme an den angebotenen Schulungen.

„Insgesamt scheinen Schulungen zur Verbesserung von Kreuz- und Rückenschmerzen den höchsten positiven Effekt zu erzielen, da hier in allen Altersgruppen von einer Verbesserung berichtet wird“, sagt der Leiter der Studie, Professor Stefan Görres. Nach Berufsgruppen differenziert wird deutlich, dass die Mitarbeiter der Leitungsebene den größten langfristigen Nutzen aus den Schulungsmaßnahmen ziehen: So hat sich das Wissen über Arbeitsbelastungen sowie über den Umgang mit Konflikten im Team bei 60 Prozent der Leitungskräfte verbessert. Bei etwa 50 Prozent hat sich die Fähigkeit, Belastungsgrenzen zu erkennen und Stress besser managen zu können, verbessert.

„Klar ist, dass die Gesunderhaltung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege angesichts des eklatanten Fachkräftemangelns sowie alternder Belegschaften einen hohen Stellenwert besitzt und eine lohnende Investition in die Personalentwicklung sein kann“, sagt die Projektkoordinatorin Martina Stöver vom IPP der Uni Bremen. Nun seien die Versorgungseinrichtungen, Krankenkassen und öffentlichen Entscheidungsträger gefordert, die belastenden Arbeitssituationen von Pflegenden zu identifizieren und mit entsprechenden präventiven und gesundheitsfördernden Maßnahmen zu reagieren. „Damit lässt sich auch die Attraktivität von Ausbildung und Beruf steigern“, so Stöver. Und dem Fachkräftemangel könne adäquat begegnet werden.

REHACARE.de; Quelle: Universität Bremen

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