Prothesen: "Ich baue Brücken zwischen der Technik, ihren Anwendern, den Therapeuten und Fachkräften"

Ob Rollator oder Prothese – der Umgang mit dem neuen Alltagshelfer will erst einmal geübt sein. Und wer könnte die besten Kniffe und Tricks bei der Handhabung besser vermitteln als jemand, der das Hilfsmittel selbst schon tagtäglich benutzt?

01.10.2015

Foto: Claudia Breidbach

Claudia Breidbach zeigt neuen Anwendern, wie sie wieder mit beiden Händen Besteck nutzen können; © Touch Bionics

Prothesenhersteller Touch Bionics (TB) und machte Claudia Breidbach, Anwenderin einer TB-Vollhand-Prothese, im Oktober 2014 zum sogenannten Training Manager. REHACARE.de sprach mit ihr über ihre Arbeit und über das, was sie damit langfristig bewirken kann.

Frau Breidbach, Sie als Anwenderin sind gleichzeitig Training Manager bei Touch Bionics. Was genau sind Ihre Aufgaben in dieser Position?

Claudia Breidbach: Ich trainiere sowohl Techniker als auch Anwender der multiartikulierenden i-limb Voll- und Teilhandprothesen in Umgang und Programmierung der Hände. Ich zertifiziere die Orthopädietechniker und Therapeuten für unsere Produkte in unserem neuen Touch Life Center (TLC) in Heidelberg. Die Projektleitung zur Einrichtung des TLC-Kompetenzzentrums für Schulung und Bildung habe ich ebenfalls übernommen. Auch intern trainiere und schule ich meine Kollegen. Außerdem präsentiere ich unsere Produkte auf Messen wie der REHACARE und bei Fortbildungen, in Schulen sowie Ausbildungsstätten. Ich leite Workshops für Anwender, um den Umgang mit unseren i-limb Händen zu erarbeiten und neue Ideen zu wecken. Außerdem teste ich auch neue Entwicklungen an den Prothesen im Alltag.

Wie reagieren die Menschen, die Sie beraten, auf Sie und das Angebot allgemein?

Breidbach: Die Menschen reagieren sehr positiv auf mich in dieser Position. Ich stelle das Verbindungsglied zwischen den Technikern, Therapeuten und Anwendern dar und kann durch meine eigenen Erfahrungen, die ich während meinem Training zum Umgang mit der Hand gemacht habe, sehr gut vermitteln und weitergeben. Ich weiß noch sehr genau wie es ist, wenn man plötzlich mit zwei Händen sein Leben meistern darf, Bewegungsabläufe neu erlernen, Griffe zielgerichtet einsetzen, Niederlagen hinnehmen und jeden Tag aufs Neue Tätigkeiten beidhändig trainieren muss. Ich weiß außerdem wie viel Kraft, Geduld und Ausdauer erforderlich sind, um sein Leben beidhändig zu bestreiten. Den Technikern vermittle ich, was es für uns, die Anwender, bedeutet, und welche Herausforderungen es für uns zu meistern gilt. Aus meinen Erfahrungen kann ich sehr nachvollziehbare Beispiele und Griffpositionen nennen, die diese dann an ihre Kunden weitergeben können.

Welche Erfahrungen in der Beratung sind Ihnen bis jetzt besonders in Erinnerung geblieben?

Breidbach: Für mich ist es sehr wichtig, dass den Anwendern durch unsere i-limb Handsysteme ihre Grundbedürfnisse und das selbstständige Leben ermöglicht werden. Sehr nah geht es mir immer, wenn ich den Anwendern zeige, wie sie ihr Essen selbst schneiden und mit Messer und Gabel bilateral umgehen können. Dieser Stolz, den ich in den Augen der Anwender sehen kann, ist für mich der allergrößte Lohn.
Foto: Ambassador-Team von Touch Bionics

Claudia Breidbach (Mitte, vorne) demonstriert zusammen mit ihren Kollegen auch auf Messen, die vielfältigen Möglichkeiten ihrer Vollhand-Prothese; © Touch Bionics

Inwiefern können Sie dazu beitragen, dass die Anwender schneller und besser im Alltag zurechtkommen und selbstbestimmt leben können?

Breidbach: Die Erfahrungen, die ich damals alleine gemacht habe, gebe ich in meiner jetzigen Tätigkeit bei TB weiter. Durch meine Tipps zum Umgang mit den Händen wecke ich neue Ideen in jedem einzelnen Nutzer. Ich gebe Anregungen, die die Anwender dann in ihrem Leben übernehmen können. Jeder Anwender entscheidet hierbei für sich, welche Anregungen er für sich annimmt, und kann dann hierauf aufbauen und seine eigenen Erfahrungen und Ideen sammeln. Durch meine Art mit den Menschen umzugehen, kann ich Brücken bauen und Ängste nehmen. Das erfüllt mich sehr und macht meine Tätigkeit so spannend!

Warum ist Ihre Arbeit in dieser Hinsicht so wichtig?

Breidbach: Durch meine Arbeit baue ich Brücken zwischen einer genialen Technik, ihren Anwendern, den Therapeuten und Fachkräften. Ich schaffe Verständnis zwischen den Beteiligten und trage zur Aufklärung bei. Durch den Einsatz der i-limb Handsysteme soll den Nutzern ein selbstständiges, aktives Leben ermöglicht werden. Und dies auch den Kostenträgern, Gutachtern und Medizinischen Diensten zu vermitteln und dadurch Aufklärung zu betreiben, liegt mir am Herzen. Denn ich weiß noch genau, wie es sich anfühlt, wenn man für eine Versorgung kämpfen muss. Mir liegt sehr viel daran, andere Menschen bestmöglich zu unterstützen und meine Erfahrungen weiterzugeben.

Mehr über Touch Bionics unter: www.touchbionics.de
Foto: Nadine Lormis; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann


Nadine Lormis
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