Prothesen aus dem 3D-Drucker

29.05.2015
Foto: Bein-Prothese aus dem 3D-Drucker

Michael Eißele von der SRH Hochschule Heidelberg hat einen 3D-Drucker entwickelt, der Prothesen herstellt; © SRH Hochschule Heidelberg

Michael Eißele von der SRH Hochschule Heidelberg hat einen 3D-Drucker entwickelt. Was einst ein Forschungsprojekt für die Masterthesis war, geht nun mit der Hilfsorganisation "Sailing4handicaps" auf Segeltörn: Der Paralympiker Wojtek Czyz nutzt ihn, um Beinprothesen für beispielsweise Menschen in Afrika herzustellen.

Wojtek Czyz, Leichtathlet und mehrfacher Goldmedaillengewinner der Paralympischen Spiele, weiß, wovon er spricht: "Menschen mit Behinderung, gerade in afrikanischen Ländern, werden oftmals als 'Krüppel' stigmatisiert und sind vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Vielerorts fehlt es an Unterstützung, Verständnis und Professionalität im Umgang mit einer Behinderung."

Der 35-Jährige hat die Hilfsorganisation "Sailing4handicaps" 2012 mit seiner Frau Elena Brambilla-Czyz in Kaiserslautern gegründet, und am 31. Mai 2015 startet das Paar in Neustadt /Schleswig-Holstein zu einer Weltumseglung. In Zusammenarbeit mit einem Orthopädietechniker wollen sie den Menschen vor Ort kostenlos und unbürokratisch Beinprothesen anpassen. Darüber hinaus wird das Gehen mit der Prothese geübt und für den Muskelaufbau trainiert.

Dafür ist eine spezielle Produktionsmethode nötig: Die Schaftabdrücke der Beinprothesen werden passgenau von einem 3D-Drucker hergestellt. Michael Eißele, Gründer der ferrumio GmbH, Maschinenbau-Absolvent und Dozent an der SRH Hochschule Heidelberg, hat diesen Drucker für seine Masterthesis konzipiert und gebaut. Ähnlich wie beim Burgenbauen mit wasserdurchtränktem Sand wird nahezu flüssiger Kunststoff von oben präzise nach unten geträufelt. Schichtweise entsteht das gewünschte Produkt. "Die Idee des 3D-Druckers ist eigentlich schon 30 Jahre alt", erklärt Eißele.

Er ist jedoch einer der Ersten, der damit Prothesen herstellt. So lässt sich beispielsweise das linke Bein einscannen, spiegeln und anschließend als Prothese für das rechte Bein ausdrucken – ein schnelles und kostengünstiges Verfahren. Da überdies auf einem Schiff Rost und Gewicht ein großes Problem darstellen, kommt dem Team von Sailing4handicaps auch das Material sehr entgegen, so Czyz: "Der normalerweise für die Abdrücke verwendete Gips ist natürlich sehr schwer und wasseranfällig. Der 3D-Drucker macht uns davon unabhängig und erlaubt eine Herstellung des Stumpfes aus Kunststoff." Die SRH Hochschule Heidelberg sponsert den Drucker.

Von Europa nach Afrika, dann nach Lateinamerika und Asien führt nun die mehrjährige Reise rund um die Welt. Das Paar freut sich auf das Abenteuer: "Wir hoffen, dass wir vielen Menschen, die eine Beinprothese brauchen, schnell und unkompliziert helfen können." In Marokko warten bereits die Ersten auf die geplante Ankunft der "Imagine" im Oktober.

REHACARE.de; Quelle: SRH Hochschule Heidelberg

Mehr über die SRH Hochschule Heidelberg unter: www.hochschule-heidelberg.de
Mehr über "Sailing4handicaps" unter: www.sailing4handicaps.de