QuartrBack: Intelligente Notfallkette für Menschen mit Demenz

21.08.2015
Foto: Älterer Mann wirft einen Football

Der Schlüsselspieler im American Football ist Namenspatron für das Verbundprojekt QuartrBack, das sich zum Ziel gesetzt hat, eine intelligente Notfallkette für Menschen mit Demenz zu entwickeln; © panthermedia.net/ Carol Heesen

Menschen mit Demenz zeigen vielseitige Verhaltensänderungen. Scham, Angst und eine abnehmende Orientierungsfähigkeit senken den Grad von Selbstständigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe. Das Verbundprojekt QuartrBack unter Koordination der Evangelischen Heimstiftung verbindet ein ehrenamtliches Helfernetz mit Technologien für Ortung, Monitoring, Information und professioneller Dienstleistung.

So schafft QuartrBack eine intelligente Notfallkette, die Menschen mit Demenz einen Zugang zum bisher vertrauten Quartier und damit soziale Teilhabe erhält. Das ITAS übernimmt im Projekt die Folgenbeurteilung der Techniknutzung und erforscht nicht-technische – zum Beispiel ethisch-soziale – Aspekte.

Er ist die wichtigste Person auf dem Platz: Der Quarterback im American Football. Als verlängerter Arm des Trainers muss er die vorgegebenen taktischen Spielzüge umsetzen und sein Offensiv-Team entsprechend koordinieren. Doch ist er nicht nur bloßer Befehlsempfänger, sondern auch kreativer Kopf der Mannschaft: Blitzschnell muss er auf die Reaktionen der gegnerischen Defensive reagieren und die Spielzüge entsprechend anpassen.

Der Schlüsselspieler im American Football ist Namenspatron für das Verbundprojekt QuartrBack, das sich zum Ziel gesetzt hat, eine intelligente Notfallkette für Menschen mit Demenz zu entwickeln. Kernstück der Kette ist das ServiceCenterPflege, kurz SCP. Mithilfe einer speziellen Software können die Mitarbeiter des SCP wie der Quarterback auf dem Feld in einer Risikosituation umgehend die nächsten (Hilfe-)Schritte vorausplanen und aus den möglichen Handlungsalternativen die für die Situation adäquateste auswählen.

Ein wesentliches Merkmal von Demenzerkrankungen ist eine Ruhe- und Rastlosigkeit verbunden mit einer deutlichen Verschlechterung des Orientierungssinns. QuartrBack soll genau das verhindern und Menschen mit Demenz den Zugang zu ihren bisher vertrauten Sozialräumen im Quartier und damit einen individuellen Lebensstil erhalten. Indem QuartrBack die Risiken zunehmender Desorientierung minimiert, ermöglicht das Projekt die für den Erhalt der Gesundheit so wichtige Bewegungsaktivität. Das System ist dabei in einen ressourcenorientierten Ansatz der Quartiersentwicklung eingebettet. Dieser fördert nicht nur Begegnung, Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Demenz, sondern stärkt auch die Achtsamkeit und das nachbarschaftliche Miteinander und wirkt sich positiv auf Altersbilder in der Gesellschaft aus.

Gewöhnlich beschränken sich herkömmliche Sicherheitssysteme zu Beginn der Erkrankung auf das Haus oder die Wohnung der Betroffenen. Damit sich Menschen mit Demenz im fortschreitenden Krankheitsverlauf auch weiterhin in ihrem vertrauten Sozialraum im Quartier frei bewegen können, erweitert QuartrBack diese Systeme über die Grenzen der eigenen vier Wände hinaus. Durch ein unauffälliges Ortungssystem – etwa in der Armbanduhr der Betroffenen – schalten sich beim Verlassen der Wohnung sicherheitskritische Geräte automatisch aus, die Haustür verschließt sich und wird bei der Rückkehr wieder geöffnet.

Außerdem kann das SCP auf das ins Projekt QuartrBack integrierte Helfernetzwerk aus Angehörigen, professionell Pflegenden und Freiwilligen zurückgreifen. So registriert die Software bei einer drohenden Notsituation, welche potenziellen Helfer sich in der Nähe befinden. Diese können dann mithilfe einer WebApplication auf dem Mobiltelefon alarmiert und zu den betroffenen Menschen mit Demenz dirigiert werden.

Damit schafft QuartrBack eine intelligente Notfallkette, die weit über ein herkömmliches Hausnotrufsystem hinausreicht. Menschen mit Demenz erhalten die Möglichkeit, sich in ihrem bisher gewohnten Lebensumfeld weiter frei bewegen zu können und selbstständig etwa zum Bäcker an der Ecke oder ins Lieblingscafé zu gehen. Einem drohenden sozialen Rückzug und damit auch weniger Bewegung und Aktivität in Folge der Demenz wird somit vorgebeugt. Durch die Einbindung eines ehrenamtlichen Helfernetzwerks in das klassische Notfallmanagement mit Pflegediensten, Sanitätern und Krankenhäusern wird so bürgerschaftliches Engagement für Menschen mit Demenz im Stadtviertel gefördert.

REHACARE.de; Quelle: Karlsruher Institut für Technologie

Mehr über das Projekt QuatrBack finden Sie unter: www.kit.edu