Rehabilitationsprogramm für Schlaganfall-Patienten

28.06.2013
Foto: Training

Ein einfaches Training mittels Neurofeedback hilft, die Gehirnleistung zu steigern; © Universität Graz

Die Karl-Franzens-Universität Graz entwickelt zusammen mit internationalen Partnern ein einzigartiges Trainingsprogramm, das die Hirnleistung verbessert. Die auf Neurofeedback basierende Methode soll Schlaganfall-Patienten durch einfache Übungen wieder zu einem selbstbestimmten Leben verhelfen.

Ein Laptop, ein kleines Kästchen und ein Headset: Diese einfachen Utensilien sollen kognitiv beeinträchtigte Schlaganfall-Patienten in ein selbstbestimmtes Leben zurückbegleiten. Forscher entwickeln nun ein weltweit einzigartiges Trainingsprogramm, das die Hirnleistung verbessert. In Krankenhäusern wurde die Methode bereits erfolgreich getestet und optimiert. Die Grazer Wissenschaftler suchen nun Studienteilnehmer in der post-akuten Phase, die das Programm zu Hause anwenden.

Alle sechs Minuten passiert in Österreich ein Schlaganfall. Die kognitive Rehabilitation, also das Training von Aufmerksamkeit, Orientierung, Problemlösung und die Verbesserung des Gedächtnisses, sind durch die Therapie im Krankenhaus oder Rehabilitationszentrum aus Kostengründen derzeit nicht ausreichend abgedeckt. „Ein kontinuierliches und möglichst heimbasiertes Training ist oft unabdingbar, damit Menschen nicht als Folge eines Schlaganfalls in ihrer Mobilität und Unabhängigkeit eingeschränkt bleiben“, weiß Guilherme Wood vom Institut für Psychologie. „Ohne entsprechende Übungen verbessert sich die geistige Verfassung der Patienten kaum oder nur sehr langsam, sodass die Betroffenen unter Umständen einen anspruchsvollen Job nicht mehr ausführen können“, erklärt Wood.

Das an der Universität Graz entwickelte Programm basiert auf Neurofeedback. Die Testpersonen setzen sich eine einfache Elektrodenkappe auf, die mit einem kleinen Messgerät und einem Laptop verbunden ist, und starten mit wenigen Klicks das Training. Das Gerät misst eine bestimmte Frequenz der Gehirnströme, die es – je nach Störung – zu senken oder zu erhöhen gilt. Das aktuelle Messergebnis wird binnen Millisekunden am Laptop angezeigt. „Die Probanden sehen einen beweglichen Balken, den sie in den angestrebten Frequenzbereich steuern sollen“, erklärt Wood.

Wie das gelingt, ist individuell verschieden. „Manche entwickeln eine Strategie und denken an bestimmte Dinge, andere konzentrieren sich einfach auf den Balken und warten, dass er sich hebt oder senkt.“ Den meisten Personen gelingt es, ihre Gehirnströme zu beeinflussen und damit spezifische mentale Funktionen zu verbessern. „Bereits nach zehn Sitzungen zu je einer halben Stunde haben wir deutliche Erfolge festgestellt, selbst bei starken neurologischen Beeinträchtigungen“, so der Experte. „Die Lernprozesse werden ohne große Anstrengung in Gang gesetzt, rein durch Entspannung und Konzentration.“ Durch das unmittelbare Feedback seien die Patienten auch mit Begeisterung dabei.

REHACARE.de; Quelle: Karl-Franzens-Universität Graz

Mehr über die Karl-Franzens-Universität Graz unter: www.uni-graz.at