Reisen mit Behinderung: Überall und barrierefrei?

Interview mit Hanna Ursin, Geschäftsführerin, BSK-Reisen GmbH

15.10.2015
Foto: Hanna Ursin

Hanna Ursin; ©beta-web/ Stöter

Beim Reisen geht es nicht nur darum, neue Orte kennenzulernen, sondern auch darum, mit neuen Menschen in Kontakt zu kommen und Erlebnisse miteinander zu teilen. Das ist für Menschen mit Behinderung aber oft nicht so einfach. Auf der REHACARE 2015 haben wir die BSK-Reisen GmbH besucht und uns über Reisen für Menschen mit Behinderung informiert.

Lieber klassischer Sommerurlaub am Strand, eine Rundreise oder doch ein rollstuhlgerechter Ausflug? Geschäftsführerin Hanna Ursin stellt im Interview das Angebot von BSK Reisen vor und erläutert die Anforderungen für Reiseassistenzen.


Frau Ursin, wo bietet sich barrierefreier Urlaub an und wo eher nicht?

Hanna Ursin: Um diese Frage zu beantworten, muss man zunächst die Bedeutung des Begriffs "barrierefrei" klären. In Deutschland ist durch eine DIN-Norm geregelt, was als barrierefrei gilt und was nicht. In anderen Ländern sind die Begrifflichkeiten einfach anders. Das ist für unsere Arbeit ein großes Problem, denn in Deutschland ist beispielsweise festgelegt, wie breit eine Tür zu einem barrierefreien Hotelzimmer sein muss - nämlich 90 Zentimeter. Diese Angabe finden Sie so in anderen Ländern aber fast nie.

Es gibt also keine internationale Norm für Barrierefreiheit?

Ursin: Nein. Aber die Frage, was durch bestimmte Normen ausgesagt wird, ist auch innerhalb Deutschlands nicht einfach zu beantworten. Zwar gibt es die DIN-Norm für Barrierefreiheit, gleichzeitig werden aber weitere Begriffe wie "rollstuhlgerecht" oder "seniorengerecht" genutzt, die nicht eindeutig definiert sind. Werden diese Begriffe ohne genaue Erläuterung verwendet, ist das natürlich verwirrend.

In Europa und Skandinavien sind die meisten als "barrierefrei" beschriebenen Orte für Menschen mit körperlichen Behinderungen zugänglich, ebenso in den USA. Möchte man aber in Länder reisen, in denen die Infrastruktur nicht so gut ist - beispielsweise nach Afrika oder Osteuropa - kann es auch anders sein. Hier ist vor der Reise auf jeden Fall viel Recherchearbeit notwendig.

Welche Anforderungen oder Wünsche haben Ihre Kunden besonders häufig?

Ursin: Unsere Kunden sind meist Rollstuhlfahrer oder ältere Personen mit Rollatoren oder anderen Gehhilfen. Für sie ist es natürlich besonders wichtig, dass wirklich alle Bereiche am Zielort über Rampen oder mit Fahrstühlen zugänglich sind. Ganz wichtig ist ihnen außerdem die Ausstattung des Badezimmers mit Haltegriffen an der Toilette und der Dusche sowie eine ebenerdige Dusche. Immer häufiger werden inzwischen auch elektrische Pflegebetten angefordert. Und natürlich darf man den barrierefreien Transport vom Flughafen zum Hotel nicht vergessen.

Was war die ungewöhnlichste Reise, die Sie bisher gebucht haben?

Ursin: Wir hatten einmal ein älteres Ehepaar als Kunden bei uns, die anlässlich ihrer Silberhochzeit eine Reise nach Südafrika machen wollten. Beide waren bereits weit über achtzig Jahre alt und Rollstuhlfahrer. Als die beiden uns kontaktiert haben, waren es allerdings nur noch drei Wochen bis zu ihrem Wunschreisetermin. Wir haben dann unsere Partner in Südafrika kontaktiert und in kurzer Zeit einen individuell angepassten Reiseablauf mit entsprechender Unterbringung geplant.

Ihr Unternehmen bietet auch Workshops zur Ausbildung zur Reiseassistenz für Menschen mit Behinderung an. Was muss man dafür können?

Ursin: Wer bei uns als Reiseassistenz arbeiten möchte, muss mindestens 18 Jahre alt und körperlich fit sein. Darüber hinaus sollte die Person natürlich auch über ein gewisses Einfühlungsvermögen verfügen und ganz allgemein vom Charakter her für die Betreuung behinderter Menschen geeignet sein.

Was genau lernen die Teilnehmer in diesen Workshops?

Ursin: Während der einwöchigen Workshops wird das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung erprobt sowie typische Situationen durchgespielt, die auf solchen Reisen auftreten können. Ganz grundlegend werden verschiedene Arten der Behinderung vorgestellt und die Teilnehmer lernen, worauf es bei der Betreuung von Menschen mit verschiedenen Behinderungen ankommt. Auch der sichere Umgang mit den diversen Hilfsmitteln wie Pflegebetten und Rollstühlen wird erklärt. An einem der Workshop-Tage wird insbesondere der Umgang mit blinden Menschen behandelt. Besonders wichtig ist uns auch das Thema Nähe und Distanz in der Betreuung. Eine Assistenz und eine behinderte Person gehen natürlich eine persönliche Bindung ein, eine gewisse Professionalität sollte dabei aber immer gegeben sein. Nach einer Woche können wir meist gut einzuschätzen, ob sich jemand für die Arbeit als Reiseassistenz eignet.

Der nächste Workshop "Reiseassistenz für Menschen mit Behinderung" von BSK-Reisen findet vom 09.11. - 15.11.2015 in Krautheim statt. Weitere Informationen erhalten Interessierte auf der Homepage der BSK-Reisen GmbH oder auf der REHACARE 2015 bei BSK Reisen in Halle 5, Stand 5A23.

Zur Homepage von BSK-Reisen GmbH
 
 
Foto: Timo Roth

© B. Frommann






Das Interview wurde geführt von Timo Roth.
REHACARE.de